Kuschelige Nähe beim Krippenspiel an Heiligabend? Stehende Kirchenbesucher zwischen und hinter den Bankreihen? Wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Auflagen setzte auch die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Weisendorf und Rezelsdorf auf kreative Freiluft-Angebote.

Weihnachten 2020 sei für fast alle Menschen eine Herausforderung gewesen - trotzdem solle auch unter den aktuellen Bedingungen die Botschaft des Weihnachtsfestes verkündet werden, sagte Pfarrer Wilfried Lechner-Schmidt. "Denn Gott hat mit der Geburt seines Sohnes ein Hoffnungszeichen in die Welt gesendet, und das wollen wir gerade jetzt feiern." In diesem verrückten Jahr gelte es vor allem, sich selbst nicht verrückt machen zu lassen.

Auf Gott vertrauen

In Weisendorf wurde zur Christvesper, die vom evangelischen Posaunenchor umrahmt wurde, auf den Parkplatz der Spedition Ludwig Peetz in das Gewerbegebiet Ost eingeladen. Im Mittelpunkt der Christvesper stand natürlich die Geburt Jesu. Gott lud ein, der Weihnacht zu trauen, wie es schon die Hirten vor 2020 Jahren taten.

"In unseren Sorgen und Befürchtungen spüren wir als Christinnen und Christen das Licht des Weihnachtsfestes. Wir halten uns in aller Angst und Bedrängnis an dem Kind in der Krippe fest und vertrauen darauf, dass Gott in allem bei uns ist", so der Pfarrer. So lautete der Spruch zu Weihnachten: "Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit", aus Johannes 1,13. "Der Glaube, dass Gott unter widrigsten Umständen und inmitten politisch globaler Aktionen zur Welt kommt, gehört zu den unverrückbaren Grundaussagen des christlichen Glaubens. Deshalb feiern wir die Geburt Jesu in diesem Jahr unter besonderen Umständen, die alle Welt betroffen haben. Die biblische Weihnachtsgeschichte des Lukas erinnert genau daran, dass nichts und niemand den Heilswillen Gottes aufhalten kann, höchstpersönlich zur Welt zu kommen und den Menschen seine Liebe zu zeigen. Gott will sich ganz einfach finden lassen, als Mensch unter Menschen", betonte der Pfarrer.

So sei der Weihnachtsbaum festlich geschmückt. Die Kerzen brennen, und in der Krippe halten Maria und Josef das Kind im Arm. Diese beiden, Maria und Josef, haben auch ein anstrengendes Jahr hinter sich. Sie haben Pläne gemacht, und dann ist doch alles ganz anders gekommen. Maria: ungeplant schwanger. Plötzlich das Gefühl: Gott sieht ein komplett anderes Leben für mich vor. Dann die überraschende Volkszählung und die lange und beschwerliche Reise nach Bethlehem. Maria und Josef hätten das Kind auf jeden Fall lieber woanders bekommen als in einem Stall. Aber dann ist es so passiert. Das, was bis vor kurzem noch unvorstellbar gewesen war. Und dann waren sicher auch die Zweifel da. Was soll denn noch werden? Welche Zeiten kommen noch auf uns zu? Wird sich alles zum Guten wenden? Oder sollte man die Hoffnung abschaffen?

Erinnerung an wichtige Werte

Lechner-Schmidt: "So wird Weihnachten 2020 den Menschen in Erinnerung bleiben. Und die Hoffnung ist, dass den Menschen eben nicht nur das in Erinnerung bleibt, was in diesem Jahr alles nicht stattfinden konnte, sondern dass vor allem auch wieder klar wurde, was für das Leben elementar wichtig ist und was grundlegend vor 2000 Jahren stattgefunden hat: Gott gibt in Jesus Christus den Menschen die Ehre! Was für eine Wertschätzung! Entsprechend sollen wir ehrenhaft und liebevoll miteinander umgehen, einander Gutes tun und bei und vor allem recht bei Trost bleiben."