Für die Kulturschaffenden sind mit dem Beginn der Corona-Pandemie schwere Zeiten angebrochen - auch im Kulmbacher Land. Theater sind geschlossen, Chöre dürfen nicht singen, Blaskapellen sind verstummt. Es fehlen die gewohnten Veranstaltungen, die sonst das Jahr prägen, die intensiven Begegnungen mit den Menschen, das Feiern drinnen im Saal oder draußen auf den Straßen und Plätzen. Es ist ruhig geworden in unseren Dörfern und kleinen Städten. Eine ungewohnte Stille, die vielen weh tut. Wir befragten einige Akteure aus dem ehrenamtlichen Kulturleben. Wie gehen sie mit dieser Situation um? Was erhoffen sie sich?

"Da fällt man schon in ein Loch"

Wer Musik gern mag, der kennt Roland Jonak. De Vorsitzende der Stadtkapelle Kulmbach ist dort nicht nur der unverzichtbare Schlagzeuger, sondern auch Teil des kabarettistischen Duos "Das seltsame Paar". Auf dessen Bühnenauftritte warten die Fans schon lange. Man merkt im Gespräch, wie sehr Jonak sein Publikum fehlt. Musik bestimmte einen großen Teil im Leben des 58-Jährigen ("im Februar feiere ich mein 50-jähriges Bühnenjubiläum seit den Anfängen im Markgrafen-Spielmannszug"). Jetzt musste er sich an Ungewohntes gewöhnen - ans verordnete Nichtstun. Seit 1985 immer musikalisch aktiv auf dem Bierfest, bei Standkonzerten und vielen anderen Veranstaltungen. Der letzte Auftritt mit dem Orchester der Stadtkapelle war zum Neujahrskonzert in der Stadthalle vor einem Jahr. "Da fällt man schon in ein Loch." Ausgebucht zu sein und dann ohne eigenes Verschulden alles abzublasen, das sei fast ein bisschen grotesk.

Für Roland Jonak ist es das Höchste, den Menschen Freude zu bereiten, sie aus dem Alltag zu reißen und hinterher miteinander eine gut gefüllte Maß zu trinken. Wichtig ist ihm jetzt, während der Pandemie telefonischen Kontakt zu den Musikkollegen und den Vorstandsmitgliedern zu halten, "unsere Musiker zu überzeugen, daheim zu proben".

Ein kleiner Lichtblick ist für Jonak die Aktion "5 Minuten Kultur am Telefonzum Zuhören", bei der er mitmacht. "Da kann ich jemandem per Telefon etwas Freude bereiten."

Der sehnlichste Wunsch des Musikers: " So bald wie möglich mit den 50 Aktiven der Stadtkapelle wieder zünftig aufspielen und die Herzen zu bewegen. Und vom Beifall berauscht sein." Bei aller Traurigkeit über die aktuelle Situation ist dem Kulmbacher aber auch eines sehr wichtig: "Wir sollten die Entscheidungen hinsichtlich der Corona-Pandemie akzeptieren, weil Gesundheit das höchste Gut ist.

Hart trifft es auch Manfred Bauriedel aus Unterbrücklein, Dirigent des Gesangvereins Neuenreuth. Unglaubliche 46 Jahre übt er dieses Amt aus, seit 1974, sieben Jahre nach der Gründung des Vereins. Es gab nie eine Unterbrechung - bis Corona kam. "Mitte März 2020 hatten wir die letzte Chorprobe und seitdem keinen Ton mehr in der Gemeinschaft unserer etwa 40 Aktiven", erzählt der 72-Jährige. "Es ist, als hätte jemand den Stecker gezogen. Wir hatten im letzten Jahr wieder ein großes Sommerkonzert geplant, unter dem Motto "So klingt Liebe", mit Liedern aus dem Mittelalter bis zur Neuzeit. Wir hatten schon viel dafür geprobt, alles umsonst."

Der frühere Lehrer an der Neudrossenfelder Friedrich-von-Ellrodt-Schule spielt selbst Oboe, Querflöte und Klavier, wirkt als Aktiver noch bei anderen Ensembles mit. Auch das liegt brach. Was ihm besonders weh tut: "Unsere schönen Weihnachtskonzerte in der Markgrafenkirche in Neudrossenfeld, seit 1978 arrangiere ich die. Weihnachten 2020 gab es null."

Die Pandemie bringe ihm ein Wechselbad der Gefühle. Zwar könne er zu Hause seine Instrumente spielen, allein mache das aber nicht viel Spaß. Manfred Bauriedel vermisst das Zusammensein mit den Chormitgliedern. "Wir versuchen, den Kontakt telefonisch oder über die elektronischen Medien zu halten." Er hege die Hoffnung, dass alle mit frischer Kraft dabei sind, wenn es wieder losgeht. Aber leicht werde das nicht. Wenn ein Chor ein Jahr lang nicht probt, ist das so, als würde eine Fußballmannschaft ein Jahr lang nicht zusammen trainieren."

Das Dorfleben leidet

Dazu kommt, dass ein Gesangverein mehr sei als Proben und Auftritte. Dahinter stehe eben ein gesellschaftliches Leben mit Festen und Ausflügen. Dazu sagt Vorsitzender Fred Sadel: "Unser Dorfleben leidet arg, das erste Mal kein Sommernachtsfest mit Kerwa und kein Schlachtfest." Man könne derzeit schlecht planen, "aber das Sommernachtsfest für dieses Jahr haben wir fest im Visier". Einen Wunsch äußert Manfred Bauriedel noch: Dass wir bald wieder alle ohne Maske und Ansteckungsgefahr zusammenkommen.

Das Jahr 2020 hatte sich Jasmin Lauterbach definitiv anders vorgestellt: Anfang Februar zur neuen Vorsitzenden des Musikvereins Thurnau gewählt - und gleich ausgebremst. Sie wollte sich langsam einarbeiten, in ihre Aufgabe hineinwachsen und den einen oder anderen Akzent setzen. Die brutale Wirklichkeit sieht dagegen anders aus: Im ganzen letzten Jahr nur ein einziges Mal im Herbst nach den Corona-Lockerungen ein musikalischer Tagesauftritt vor dem Seniorenheim, am Alten Rathaus und am Schlossweiher. "Wir hatten uns so viel vorgenommen", bedauert die sympathische 23-Jährige, "den Kerwatanz, das Schlosskonzert, das Herbstkonzert, das Spielen beim Bierfest oder die Schützenumzüge. Da muss man schon Optimist sein, um nicht zu verzweifeln."

Seit 14 Jahren spielt Jasmin Lauterbach Querflöte, stieg von der Bläserklasse über das Jugendorchester in das Hauptorchester auf. Und mit ein bisschen Stolz fügt sie an: "Es ist schon herausfordernd, Vorsitzende eines Musikvereins zu sein, der knapp 100 Aktive hat - von den Achtjährigen bis zu den Senioren."

Online-Proben, ganz entspannt

Man müsse nun das Beste aus der Situation machen. "Wir nutzen auch die Medien, eine Ausschusssitzung hat schon online stattgefunden, wir sind untereinander in kleinen Gruppen vernetzt und seit kurzem ganz entspannt online über das Programm Zoom aktiv. Unter Anleitung unseres Dirigenten."

Man könne das aber nicht mit den richtigen Proben und Auftritten vergleichen. Die Konzertatmosphäre fehle.

Berthilde Zapf, seit 2013 Vorsitzende der Sängergruppe Thurnau-Kasendorf, hat schon viel erlebt. Die 76-jährige Hutschdorferin sang 60 Jahre in Chören, davon über ein halbes Jahrhundert im heimischen Gesangverein, den sie mehr als 25 Jahre als Vorsitzende führte. Die derzeitige Situation empfindet sie als bedrückend: "diese Totenstille seit langer Zeit, das Verstummen der 15 Chöre der Sängergruppe".

Corona ließ viele Träume platzen

Sie erinnert sich noch genau an die Jahresversammlung im Februar 2020: "Wir hatten große Pläne geschmiedet, wollten im Mai ein Benefiz-Konzert durchführen. Alles war perfekt, dann kam Corona, und vorbei waren die Träume". Jubiläen der Vereine hätten stattfinden sollen sowie Liederabende.

Nun gelte es jedoch, nach vorne zu schauen. 2021 feiert die Sängergruppe ihren 100. Geburtstag. "Darauf setzen wir unsere Hoffnung. Als Höhepunkt ist ein Herbstkonzert mit allen Chören der Sängergruppe geplant."

Ihr sei klar, dass dafür natürlich zahlreiche Proben notwendig sind. Berthilde Zapf hofft auf Unterstützung aus den Kommunen, um ausreichend große Probenräume zu finden, beispielsweise in Kirchen und Sälen.

Sorgen bereitet der Vorsitzenden die Altersstruktur in den Gesangvereinen. "Ich befürchte, dass durch die lange Pause manche ältere Sänger nicht mehr zu ihrem Hobby zurückkehren".