von unserem Redaktionsmitglied 
Friedwald Schedel

Kronach — "Ich ging im Rathausfoyer auf die Besucher aus der DDR zu, sprach sie an und fragte, woher sie kamen. Zunächst wirkten sie verschüchtert und mussten die vielen neuen Eindrücke erst verarbeiten", steht im Tagebuch von Margot Schneider.
Und weiter: "Einige DDR-Bürger bezweifelten, dass die BRD den Ansturm bewältigen könne, doch ich sagte: ,Es wird für so viele Dinge und Staaten Geld ausgegeben. Jetzt sind Sie für uns die Nächsten!‘ Die Leute umarmten mich und dankten für diese Worte."
Bürgermeister Herbert Schneider hieß die Menschen, die mit dem Sonderzug im Kronacher Bahnhof ankamen, willkommen: "Liebe Landsleute aus dem anderen Teil unseres Vaterlandes. Ich begrüße Sie in Kronach im Freistaat Bayern." Seine Rede wurde mehrfach von Jubel und Applaus unterbrochen.
"Am Sonntag hat der Hugels Schorsch das Rathaus bereits um 4 Uhr früh geöffnet, weil es so kalt war. Um 8 Uhr standen bereits über 500 Personen im Rathaus und Innenhof und warteten. Ich nahm ein Tablett mit Lebkuchen, ging von einem zum andern und versuchte, Kontakte zu knüpfen. Von sich aus sprachen einen die Gäste kaum an. Auffallend waren die Dankbarkeit und die Bescheidenheit. Um 12.30 Uhr läuteten die Kirchenglocken, weil der Schlagbaum am Falkenstein gefallen war. Ein Augenblick voll historischer Bedeutung", schreibt Margot Schneider.