von unserem Redaktionsmitglied 
Alexander Hartmann

Kulmbach/Hof — Die Rolle des absoluten Unschuldslammes hat er aufgegeben. Er habe die Treuhandgeschäfte wohl zu lax geführt, sagte gestern der Kulmbacher Rechtsanwalt, der sich wegen mehrfachen Betrugs vor der Wirtschaftskammer am Hofer Landgericht verantworten muss. "So, wie ich es gemacht habe, war es falsch", erklärte er.
Der 45-Jährige soll Anleger abgezockt haben, die in Solarparks in Rumänien und Italien investieren wollten. Wer glaubte, er würde sich am dritten Verhandlungstag zu einem Geständnis durchringen, sah sich allerdings getäuscht.


"Ich habe mich blenden lassen"

Im Gegenteil: Der Kulmbacher stellte sich wie zu Prozessbeginn in der Opferrolle dar. Er schiebt die Schuld dafür, dass die Geschäfte geplatzt sind, weiter seinen Geschäftspartnern, Finanz-Joungleuren und einem Mitarbeiter in die Schuhe. Er hätte sich nicht Dritten anvertrauen dürfen, er habe sich von andern Leuten blenden lassen, sagte er.


Geld ist nie geflossen

Die Masche des Angeklagten soll immer dieselbe gewesen sein. Er gaukelte, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, den Investoren beste Geschäftsbeziehungen zu Großbanken vor, sicherte ihnen zu, dass die Solarparks finanziert werden könnten, wenn eine fünfprozentige Anzahlung geleistet werde. Die Darlehen sind aber nie geflossen.
Der Angeklagte scheint dabei die Blauäugigkeit einiger Geschäftspartner ausgenutzt zu haben. So wurde Mitte 2013 eine Invest GmbH gegründet, bei der ein früherer Praktikant in die Rolle des Geschäftsführers schlüpfte. Zu Prozessauftakt hatte dieser als Mitangeklagter erklärt, dass er zwar viele Verträge unterschrieben, diese aber nicht verstanden habe.
Auch beim anvisierten Bau einer über 70 Millionen Euro teuren Solarparks im rumänischen Arad war wohl der Angeklagte die treibende Kraft. Geschäftsführer einer GmbH, die die Errichtung der Freiflächenanlage vorantreiben sollte, war aber ein 46-jähriger Rumäne mit deutscher Staatsangehörigkeit. Er sei vom Kulmbacher in diese Rolle gedrängt worden, sei nur auf dem Papier Geschäftsführer gewesen, stellt dieser im Zeugenstand fest. "Die Entscheidungen hat allein der Angeklagte getroffen", so der 46-Jährige.
Er habe dem Rechtsanwalt vertraut, sagte der Zeuge. Der Angeklagte habe ihm anfangs ein Papier gezeigt, auf dem ein Vermerk über 70 Millionen gestanden habe. Das sei für ihn ein Hinweis gewesen, dass er die Gelder aufbringen könne. "Haben Sie von dem Geschäft irgendwas verstanden?", fragte ihn der Vorsitzende Richter. Die Antwort des Zeugen kam prompt: "Nein, ich habe überhaupt nichts verstanden."


Zeuge aus der Schweiz angereist

Vermittelt hat er dem Juristen aber den Kontakt zum potenziellen Investor des Solarparks in Arad. Dabei handelt es sich um einen 60-jährigen türkischen Staatsangehörigen, der zur gestrigen Sitzung aus seiner Wahlheimat Schweiz angereist war. Er sei von einem machbaren Geschäft ausgegangen, so der Türke. Um in das Projekt überhaupt erst einmal einsteigen zu können, wären sieben bis acht Millionen Euro vonnöten gewesen. Er habe Bankbürgschaften beantragt, habe dem Angeklagten erklärt, dass dafür in einer ersten Tranche 750 000 Euro vonnöten seien. Nur 250 000 Euro seien geflossen. Der Angeklagte habe ihn immer wieder vertröstet: "Ich habe auf das Geld gewartet. Es hieß immer: nächste Woche, übernächste Woche." Ein Darlehen über elf Millionen Euro, zu dessen Ausreichung sich eine spanische Bank verpflichtet haben soll, sei nie geflossen.
Für den Vorsitzenden Richter Richter Matthias Burghardt waren alle Solar-Geschäfte eine "Luftnummer". Dass eine staatlich gestützte spanische Bank vier Jahre nach der Finanzkrise ein riesiges Darlehen für einen Solarpark in Rumänien gewähre, sei äußerst unwahrscheinlich.
Er habe die Geschäftsbeziehung zum Angeklagten abgebrochen, nachdem er immer wieder Anrufe und Besuche von Unbekannten bekommen habe, die mit ihm Projekte finanzieren wollten, sagte der 60-jährige Türke. Die habe wohl der Angeklagte zu ihm geschickt. "Das war wie im Kriminalroman."