Die "Händlerin der Worte und der Artikelomat" schlugen ihren Marktstand in der Turnhalle in Rothenkirchen auf. Im Angebot befanden sich Wortzaubereien vom Zungenbrecher bis zum längsten Wort der Welt. Das Theater Nimmerland aus Hannover gastierte in der Rothenkirchener Turnhalle der Grund- und Mittelschule Pressig.
Die Schauspielerin Véronique Weber hatte hier ihren Marktstand aufgestellt und bot den Schülern der ersten bis vierten Klassen in ihrem großartigen Soloprogramm als Markthändlerin Worte an: große und kleine, lange und kurze, Teekesselchen, Zungenbrecher, Ersatzwörter und viele mehr. Dabei wurde nicht nur die deutsche Grammatik durchleuchtet und kindgemäß nahe gebracht. Die wissensdurstigen Mädchen und Buben lernten auch, dass es nicht nur darauf ankommt, was man sagt, sondern vor allem auch, wie man sich ausdrückt.


Eingängige Lieder

Mit tollen eingängigen Liedern und Stoffbuchstaben pries die Händlerin immer wieder ihre Ware an: "Willkommen am Marktstand der Worte! Ich habe Worte zu verkaufen!" Mit dem Wort Ferien, das bei allen Kindern sehr beliebt ist, startete sie ihr Verkaufsangebot. Dieses Wort, so meinte sie, sei der reinste Verkaufsschlager und die kleinen Zuschauer stimmten ihr begeistert zu.
Neben ihrem Marktstand hatte die quirlige Véronique noch etwas ganz Besonderes, von ihr selbst Erfundenes zu bieten: den Artikelomaten! Diesen musste man nur oben mit einem Nomen füttern, ein paar Mal an der Kurbel drehen und schon spukte er unten den passenden Artikel aus. Dies funktionierte auch bei der Demonstration einiger Wörter ganz hervorragend. Bis eines Tages, laut ihrer Erzählung, ein Schüler nicht nur ein Wort, sondern einen ganzen Satz eingegeben habe: "Leiter ist nicht mehr zu gebrauchen". Der Artikelomat spendierte dem Buben daraufhin wohl den Artikel "der". Doch natürlich sei nicht der Schulleiter gemeint gewesen, als vielmehr die kaputte Leiter der Schule.
Jetzt zeigte es sich, dass die Pressiger Grundschüler ihre Grammatiklektionen gut gelernt hatten. Beim Teekesselchen-Wörterspiel konnten sie die Wörter mit zwei Bedeutungen, wie zum Beispiel Birne, Hahn, Nagel oder Strauß, ohne Probleme erraten und natürlich auch die passenden Artikel dazu finden.
Doch die eifrige Händlerin hatte noch mehr Wörter im Angebot. Nun pries sie ihre Ersatzwörterkiste zum Thema "Ich mag dich" an. Aber diese, so Véronique, fände leider nicht so großen Anklang bei den Kunden. Ausdrucksstark spielte sie den Kindern verschiedene Möglichkeiten vor, wie man mit diesen drei Worten jemanden sagen kann, dass man ihn gut findet.
Doch die Händlerin wäre nicht eine solch emsige Marktfrau, wenn sie nicht auch Wortketten, wie "Toilettenbürstenhalterungsgebrauchsanweisung" oder das längste Wort der Welt "Erdbeerknusperhaferflockensensationsgeschmackserlebnis" im Angebot gehabt hätte. Musikalisch wurde es mit den Zungenbrechern "Zwei Schwalben zwitschern zwischen zwei Zwetschgenzweigen". Beim Refrain brauchte Véronique die Hilfe der Kinder und nach einer kurzen Tierstimmen-Übung durften sie im Chor mitsingen. Das machte riesigen Spaß.
Schließlich betonte die Händlerin, dass Wörter sehr gut anstelle von Fäusten eingesetzt werden könnten. Den Artikelomaten funktionierte sie zum Schluss um in einen Geschenkomaten für alle Wörter, die man nicht kaufen kann, um. Eines davon sei zum Beispiel das Wort "Entschuldigung". Diese Wörter müssten von Herzen kommen und wären daher mit Geld nicht zu bezahlen.
Zum Schluss erhielt jeder im Publikum ein Kleeblatt, das sinnbildlich für "Glück" stehen sollte, geschenkt. Die Schüler bedankten sich bei der "Händlerin der Worte" mit einem stürmischen Applaus und einem Wort aus dem Geschenkomaten: Dankeschön!