Wenn Wolfgang Niedecken morgen unter dem Motto "Niedecken liest und singt Bob Dylan" die Kulmbacher Plassenburg bespielt, wird er an einem Tisch sitzen und ausgesuchte Passagen aus seinem Buch vortragen, die sich auf einen Song von BAP oder Bob Dylan beziehen. "Ich bin der Story-Teller, der auf meine eigene und Dylans Geschichte zurück blickt", sagt der Frontmann der Gruppe BAP.

Begleitet wird er am Keyboard von seinem langjährigen Freund Mike Herting. Beide versprechen eine kurzweilige Darbietung.

Singen wird er auf Kölsch, und wer das nicht versteht, hat vielleicht bei den englischen Songs mehr Glück. Von Bob Dylan ist das Kölner Urgestein Niedecken seit seiner Jugend fasziniert. "Ich war 15 und habe Bass in einer Schülerband gespielt. Da brachte einer die Single ,Like a Rolling Stone' mit." Er habe sich Melodie und den geheimnisvollen Text angehört. "Das war wie ein Urknall. Ab diesem Zeitpunkt konnte man mich tatsächlich mit Lyrik begeistern."

Auch heute ist die Poesie der Weg, den Niedecken wählt, um die Menschen zu erreichen. "Wir können es uns nicht leisten, zu resignieren." Natürlich werde die Welt immer gewalttätiger, man brauche nur mal durch alle TV-Kanäle zu zappen. Auch die Filme würden immer brutaler. Da stelle er sich die Frage: Was ist vom Humanismus übrig geblieben? Er sei katholisch erzogen, Begriffe wie Nächstenliebe habe er verinnerlicht. Sich selbst bezeichnet er als Agnostiker mit Gottvertrauen. "Religionen bieten Leitplanken, die sind wichtig. Unsere Empathiefähigkeit scheint sich aufzulösen."

Zu seinen Lieblingsliedern zählt er das BAP-Stück "Songs sinn Dräume", das er auch morgen zum Besten geben wird. Hierzu ließ er sich von einem Satz aus Dylans Biografie inspirieren: " Songs sind wie Träume, die man wahr zu machen versucht. Sie sind wie fremde Länder, die man bereist."

Reisen sei wichtig, habe Dylan gesagt, Leute mit größtem Talent zum Songschreiben würden nichts zustande bringen, weil sie sich nicht bewegten. "Man kann sich eben nicht alles erlesen", meint Wolfgang Niedecken. Auch er ist viel gereist, sein Heimathafen aber ist Köln. In seiner elterlichen Familie war der studierte Maler immer "der kleine nette Spinner", um seinen Vater zu beruhigen, hat er damals mit der Musik aufgehört, um mit vollem Einsatz Malerei zu studieren.

Dabei dachte er anfangs nie, dass er einmal derart erfolgreich werden würde. "Wir wollten damals mit unserer Band gar nicht auftreten, wurden regelrecht überredet", erinnert sich der Musiker. Dann habe man sogar die erste Platte aufgenommen und alles entwickelte sich plötzlich in eine professionelle Richtung. "Ich dachte, ich würde mein Leben einmal als Maler bestreiten, und auf einmal ging es mit der Musik ab." Gut so, werden viele Fans denken.

Heute blickt Wolfgang Niedecken auf 45 Jahre mit BAP zurück und bedauert nur eines: Er hätte gerne ein Instrument von Grund auf gelernt. "Meine Eltern hatten ein Lebensmittelgeschäft, da hatte man keinen Klavierunterricht. Vermutlich hätte ich das damals auch gar nicht gewollt." Sein Glück sei es gewesen, mit immer besseren Musikern gearbeitet zu haben, und er könne sagen: "Ich bin in meinem Leben immer wieder auf die Füße gefallen."

Karten gibt es noch an den bekannten Vorverkaufsstellen sowie an der Abendkasse und online. Weitere Infos zu Tickets, Sicherheit und Hygiene auf der Plassenburg finden sich aktuell unter http://corona.plassenburgopenair.de.