Nach Monaten, in denen gar nichts ging, durfte der Circus Henry endlich wieder Publikum ins große Zelt lassen. Er dürfte auch wieder weiterziehen - eigentlich. Doch da gibt es Probleme.

Mitte März kam der uralte Familienzirkus auf dem Grasplatz an der Paschendaele Straße in Dörfles-Esbach an. Ein paar Tage sollten es werden, einige Vorstellungen. Dann sollte es weitergehen. Der Kampf gegen das Corona-Virus traf die Truppe voll. Es durfte keine Vorstellung mehr stattfinden. Und keine Stadt oder Gemeinde wollte den Zirkus mehr aufnehmen. So wurden aus Tagen Wochen und aus Wochen Monate, in denen die Familien auf Hartz IV und Spenden für ihre Tiere angewiesen waren.

"Ich musste mir von Verwandten Geld leihen, damit ich die Versicherungen für das Zelt und die Fahrzeuge bezahlen konnte", erzählt Seniorchef Georg Frank. Dann musste ein Schlepper repariert werden - und ständig musste gebangt werden, dass Futter für die Tiere und Geld für die wichtigsten Betriebskosten aufgebracht werden kann.

"Es wurde uns wirklich viel geholfen mit Futterspenden und auch finanziell", sagt Georg Frank voller Dankbarkeit. Dann endlich hieß es wieder "Manege frei". Es durfte wieder Publikum ins große Zelt kommen. "Wir hatten immer 100 oder 120 Besucher, die sind voll mitgegangen, haben immer wieder Zugaben verlangt", schwärmt Georg Frank. Die Vorstellungen hätten so etwas wie ein herzlicher Abschied werden sollen.

Doch das Zelt steht immer noch an der Paschendaele Straße. "Ich habe es überall versucht. Niemand will uns aufnehmen", sagt Georg Frank. Kronach war seine große Hoffnung. Lange sei er hingehalten, vertröstet worden. Doch dann kam auch für den Platz dort die Absage. "Die haben überall Angst, dass die Auflagen wieder strenger werden, und wir dann dort nicht wegkönnen", vermutet Georg Frank.

Und jetzt? Jetzt denkt er mit Bangen an den Winter. "Inzwischen bin ich nicht mehr unterwegs, um einen Ort zu finden, wo wir gastieren können, ich suche einen Platz, wo unsere Tiere überwintern können", nennt Georg Frank seine größte Sorge. Im Coburger Land und im nahen Thüringen war er schon auf der Suche. "Etwa zehn auf 14 oder 15 auf 30 Meter müsste die Halle sein und einen kleinen Auslauf für die Tiere sollte es geben", erklärt er. Warm müsse das Winterquartier nicht sein. Alle Tiere könnten gut mit niedrigen Temperaturen klarkommen - auch die Kamele.

Die nahe gelegene Kaserne käme durchaus infrage. "Dort gibt es große Garagen, das könnte schon gehen", ist Georg Frank überzeugt. Eigentümer ist das Bundesvermögensamt. Das erklärte sich aber nur in Fragen des Verkaufs für zuständig und gab dem Zirkusdirektor eine Adresse in Amberg. "Von dort haben wir noch keine Antwort", sagt Frank. Ein paar Vorstellungen soll es nun doch noch in Dörfles-Esbach geben. "Wir müssen ja versuchen, etwas zu verdienen, vor dem Winter", sagt Georg Frank. Und diesen Winter wird er wohl hier verbringen müssen, wenn der Circus Henry nicht doch noch irgendwo aufgenommen wird.

Futter bleibt ein Problem

Weiterhin ist der Zirkus also auf Futter und andere Spenden angewiesen. "Die Leute hier haben uns schon so viel geholfen", sagt Georg Frank. Hilfe, die weitergehen muss, damit er über den Winter kommt. Heu, Stroh, Getreide, Hundefutter - alles muss Tag für Tag da sein. Aber eben auch ein festes Gebäude. "Wenn es Schnee gibt, dann bricht das Tierzelt zusammen, das ist dafür nicht gedacht", sagt Georg Frank.

Wer ein Winterquartier für die Tiere anbieten könnte - bei dem auch einige Fahrzeuge abgestellt werden können, die zur Versorgung der Tiere gebraucht werden, kann sich gern bei Georg Frank melden (Telefonnummer siehe Infokasten). Dörfles-Esbachs Bürgermeister Udo Döhler würde dem Zirkus wünschen, dass ein weiterer Auftrittsort gefunden würde: "Die Leute müssen ja Geld verdienen." Wenn der Zirkus über den Winter bleiben muss, ist das für die Gemeinde aber kein Problem. Es gibt ja keinerlei Beanstandungen.