Wäre es für die Stadt Rödental womöglich interessant, Plantagenbesitzerin zu werden? Eine Frage, die die Fraktion der Grünen in die Sitzung des Bausenats am Dienstag getragen hatte, führte den Senat ins Grüne. Die Kurzumtriebsplantage, die von den Mitgliedern in Augenschein genommen wurde, liegt zwischen Waldsachsen und Kipfendorf. Was nach Rödental klingt, ist eigentlich Coburg. Der Energiewald, um den es geht, liegt auf deren Stadtgebiet.

Als Beispiel für die Gewinnung nachwachsender Energieträger ist das rund fünf Hektar umfassende Gelände dennoch bestens geeignet. Frank Burger von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) informierte den Senat über die Möglichkeit der Energiegewinnung durch Kurzumtriebsplantagen, wie diese Form der Landnutzung genannt wird.

Steigende Kraftstoffpreise führten Mitte der 90er Jahre zur intensiveren Suche nach alternativen Energieträgern. Holz als nachwachsender Rohstoff rückte in den Fokus. Um herauszufinden, welche Zuwächse schnell wachsende Holzarten liefern können, legte die LWF bei Waldsachsen 1995 diese Versuchsfläche an.

"Ein Teil der Flächen wird alle fünf Jahre geerntet, der andere alle zehn Jahre", erklärt der promovierte Forstwirt Frank Burger. So, wie der Mittelwald in früheren Jahrhunderten bewirtschaftet wurde, nämlich mit Handarbeit, so wurde bei Waldsachsen 1995 noch geerntet. Landwirte rückten im Auftrag des Maschinenrings mit Motorsägen an und legten die zehnjährigen Bäume um, die dann zu Hackschnitzeln für die Energieerzeugung verarbeitet werden. So geht das heute nicht mehr. Es wäre nicht rentabel.

Eine der ersten Flächen in Bayern

Die Testfläche bei Waldsachsen war 1995 eine der ersten in Bayern, auf der Holz für die Energieerzeugung angebaut wurde. Burger geht davon aus, dass auf der Fläche etwa zehn bis zwölf Tonnen Holz pro Hektar und Jahr nachwachsen. Dieser Zuwachs ist möglich, weil der feuchte Standort optimale Bedingungen für schnell wachsende Baumarten wie Balsampappel, Aspe, Korbweide und Schwarzerle bietet.

Die Bäume werden heute maschinell gefällt, mit einem Greifer abtransportiert und zu Hackschnitzeln verarbeitet. Der erzielte Energieertrag kann sich sehen lassen. Der jährliche Holzzuwachs je Hektar entspricht nach Berechnung von Frank Burger in der gewonnenen Energie etwa 5000 bis 6000 Litern Heizöl. In der Ökobilanz, so der Forstwissenschaftler, schneidet das so gewonnene Holz kaum schlechter ab als Holz, das in einem "normalen" Wald geschlagen wird.

Dort fällt zurzeit viel Holz an, das geschlagen wird, weil Dürre und Borkenkäfer viele Bäume sterben ließen. Daher ist der Holzpreis gerade im Keller und der Markt für Hackschnitzel ist übersättigt. Weil bei Waldsachsen zuletzt 2017 geerntet wurde, steht die nächste Ernte erst in ein paar Jahren wieder an. Dann könnte der Markt wieder ganz anders aussehen.

Konkret ausgesucht wurden noch keine Flächen im Rödentaler Stadtgebiet. Doch grundsätzlich könnte sich der Senat diese Form der Nutzung, die wenig Pflege erfordert, durchaus vorstellen - auch, um den ökologischen Fußabdruck Rödentals etwas weniger tief werden zu lassen. Begründet werden die Bestände auf solchen Plantagen mit Stecklingen.

Nach der Ernte setzen die verwendeten Baumarten auf den Stock und treiben erneut aus, ohne dass wieder gepflanzt werden muss.