Wie ist es denn um medizinisches Personal und die Ausstattung in der Region bestellt?
Hans-Joachim Goller: Wir haben mit den Pandemiebeauftragten aus den Krankenhäusern und Rehakliniken bereits intensiven Kontakt und Austausch. Der tatsächliche Bedarf wird anhand der dynamischen Entwicklung entschieden werden müssen. Die Vorbereitungen - insbesondere der dringende, mehrfache Aufruf an die Bevölkerung sowie das Fachpersonal - in den Einrichtungen haben begonnen, werden intensiviert, und es werden bereits Einweisungen mit den Akuthäusern besprochen, damit wir im Einsatzfall gerüstet
und tatsächlich handlungsfähig sind. Wir setzten hier auf Freiwilligkeit und Handeln aus Überzeugung im Rahmen der gebotenen Dringlichkeit und Notwendigkeit. Tatsächlich ist die Personalknappheit eine große Sorge. Hinsichtlich des Hilfskrankenhauses sind wir im Moment auf einem guten Weg, die
Beplanung des Altbaus in Lichtenfels ist dank der exzellenten Vorarbeit der Führungsgruppe Katastrophenschutz Lichtenfels in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Lichtenfels bei optimalen infrastrukturellen Voraussetzungen weit gediehen. Tatsächlich könnten wir dies in wenigen Tagen bei Bedarf auch bezugsfertig haben, sehen im Moment die Dringlichkeit noch nicht so groß. Schwierig gestaltet sich hierbei auch die personelle Situation, die im Gesundheitswesen bereits vor der Corona-Krise unzureichend war.
Wie kann man in Sachen Personal denn unterstützen?
Karl-Heinz Lindner: Die Führungsgruppe Katastrophenschutz hat über die Gesundheitsregion plus für die Region Coburg einen Pflegepool eingerichtet. In diesem Pflegepool werden alle Personen mit ihrem jeweiligen Qualifikationsniveau erfasst, die schon im Ruhestand
oder aus anderen Gründen gerade nicht in der Pflege tätig sind, aber dort einsetzbar wären. Unter pflegepool-coburg.de kann sich pflegerisches oder medizinisches Personal, das bereit wäre, in der aktuellen krisenhaften Situation zu unterstützen, melden.
Herr Dr. Lindner, zu Ihren Aufgaben gehört auch die Einrichtung eines Testzentrums, was es in Coburg mit der zentralen Abstrichstelle am Marienhaus ja bereits gibt. Wird es ein weiteres Testzentrum in Stadt und Landkreis Coburg geben?
Karl-Heinz Lindner: Zur möglichst durchgehenden Aufrechterhaltung der ambulanten ärztlichen Versorgung ist insbesondere die Konzentration der Untersuchung und Behandlung von Sars-CoV-2-Infizierten in einzelne Schwerpunktpraxen beziehungsweise örtliche Testzentren sinnvoll. Das Testzentrum am Marienhaus hat derzeit ausreichende Kapazität für die anfallenden Untersuchungen. Bei erheblicher Zunahme der Testanforderungen muss neu entschieden werden. Mit dem Notfallplan Corona-Pandemie vom 27. März wurde die Einrichtung von Schwerpunktpraxen gefordert, die der Betreuung von bereits infizierten Covid-19-Patienten dienen, wie der Diagnostik bei dringendem Verdacht auf eine Infektion mit Sars-CoV-2. Diese Maßnahme soll vor allem der Entlastung der Arztpraxen dienen und ihre Funktionsfähigkeit erhalten sowie auch die übrigen Patienten in den Praxen schützen. Dabei sollen die Hausärzte weiter primärer Ansprechpartner für ihre Patienten bleiben. Der Patient soll weiterhin bei Infekten den Hausarzt telefonisch kontaktieren. Die Hausärztin oder der Hausarzt entscheidet dann über das weitere Vorgehen und kann den Patienten bei Bedarf nach Anmeldung an die Infektpraxis
überweisen (Hinweis der Redaktion: Die Corona-Schwerpunktpraxis, Infektpraxis im Marienhaus, hat ihren Betrieb am Mittwoch, 8. April, in den Räumen des Marienhauses, Gustav-Hirschfeld-Ring 1, unmittelbar neben dem schon bestehenden Testzentrum, aufgenommen).
Wie sehen Sie die Region in Bezug auf die Eindämmung der Weiterverbreitung des Coronavirus aufgestellt?
Hans-Joachim Goller: Zusammen mit meinem Stellvertreter Dr. Jens Stüber, den kooperativen Führungsgruppen Katastrophenschutz, den Gesundheitsämtern und den Versorgungsärzten stellen wir mit zahlreichen, ohnehin immer hilfsbereiten, "Überzeugungstätern" bei den verschiedenen Hilfsorganisationen und anderen guten Geistern ein leistungswilliges, starkes Team und ziehen alle am selben Strang in dieselbe Richtung. Wir erleben gerade - typisch für Notsituationen -, dass es viel Wissen, Können und Hilfsbereitschaft gibt, damit wir gemeinsam diese Krise bestmöglich bewältigen können. Hierfür auch ein Dankeschön an alle, die nicht namentlich oder funktionell genannt werden können, aber ihre wichtigen, teilweise lebensrettenden und lebensverbessernden Beiträge besonders in der Krise, aber auch fortwährend im Alltag leisten. Das Ganze funktioniert auch insbesondere aufgrund des jahrzehntelangen, großen ehrenamtlichen Engagements in den verschiedensten Bereichen.
Karl-Heinz Lindner: Dem kann ich mich nur anschließen. Die wesentlichen Vorbereitungen sind getroffen. Die größte Herausforderung ist - wie derzeit überall - der Materialmangel. Auch hier sind wir in der Verteilung des Materials gut aufgestellt, können aber eben nur das verteilen, was wir auch haben.
Die Fragen stellte
Corinna Rösler.