Der Coburger Nachbarlandkreis Hildburghausen gilt als Hotspot der rechtsextremen Szene in Thüringen. 78 einschlägige Konzerte, Festivals und Liederabende hätten seit 2007 im 22 Kilometer von Hildburghausen entfernten Themar stattgefunden, erklärt Petra Doubek von der Mobilen Beratung in Thüringen (Mobit), das seien die Veranstaltungen, die eindeutig belegt werden könnten. Und man verlaufe sich nicht auf so ein Festival, sondern steuere es gezielt an, sagt Doubek über diese Rechtsrock-Konzerte. Auch für den 5. und 6. Juli ist wieder ein solches Festival in der Kleinstadt angemeldet.

Der gemeinnützige Verein Mobit mit Sitz in Erfurt wurde laut Homepage im Jahr 2001 von der Jüdischen Landesgemeinde, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland gegründet. Mobit will alle beraten und unterstützen, die sich in Thüringen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus und für demokratische Werte engagieren wollen. Neben der Vermittlung von Wissen stehe die Stärkung der Handlungskompetenzen und der Eigeninitiative im Vordergrund, heißt es im Online-Auftritt des Vereins.

Eine Vertreterin war am vergangenen Donnerstag in den Gemeindesaal in Bad Rodach gekommen zu einer Informationsveranstaltung mit dem Titel "Wir für Themar" statt. "Was braut sich da zusammen? Was können wir tun? Wie können wir unterstützen?", fragte sich Christian Rosenzweig, Pfarrer der evangelischen Gemeinde Bad Rodach. 30 Besucher waren gekommen, um sich genau diese Fragen beantworten zu lassen. Sebastian Stamm von der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Coburg führte vor Augen, wie etabliert die rechtsextreme Szene im Nachbarlandkreis sei. "Es ist immer wieder erschreckend, wie offen dort rechtsradikale Symbolik zur Schau gestellt wird." Die Häufung der Rechtsrockkonzerte in den letzten Jahren sei dabei nur das sichtbarste Phänomen.

Die Veranstaltung fand nicht von Ungefähr in Bad Rodach statt. Die Auswirkungen von Ausgrenzung und Hass sind auch über die Landesgrenzen hinweg spürbar. So erinnern Sebastian Stamm und Christian Rosenzweig in einer Pressemitteilung daran, dass im November 2018 Unbekannte mehr als 20 Stellen rund um Markt und Schlossplatz in Bad Rodach mit rechten Parolen beschmiert haben. Einem Aufruf zu einer Putzaktion waren rund 100 Menschen gefolgt und halfen, ihre Stadt von dem Dreck zu befreien.

Für bunte Gesellschaft

"Das Problem ist nicht weg, wenn wir es totschweigen", weiß Pfarrer Rosenzweig, "in manchen Gärten weht immer noch die Reichskriegsflagge." Er wünscht sich, dass die Menschen wachsamer und gleichzeitig toleranter sind, und erkennen, dass eine "bunte Gesellschaft viel mehr Lebensqualität bringt."

Die thüringische Kleinstadt Themar soll am 5. und 6. Juli nicht den Rechtsextremen überlassen bleiben. Denn am Samstag, 6. Juli, soll dort ab 10.30 Uhr (auf der Wiese an der B 89 neben der Tankstelle) ein Demokratiefest "Wir für Themar" stattfinden, zu dem unter anderem das Bündnis für Demokratie & Weltoffenheit einlädt. Um 14 Uhr findet ein Friedensgebet statt. Geplant sind Informationsstände und Redebeiträge von Vereinen, Verbänden, Bündnissen, Parteien und vielen mehr. Es soll auch die Chance geben, mit Vertretern der Kommunal- und Landespolitik ins Gespräch zu kommen. Musik gibt es natürlich auch und selbstverständlich Speisen und Getränke. red