Keine Fahnenabordnungen, keine Reden: In aller Stille gedachten am Volkstrauertag Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD), Zweiter Bürgermeister Hans-Herbert Hartan (CSU), Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) und Norbert Tessmer als Kreisvorsitzender des Volksbundes der Kriegsgräberfürsorge, der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft aller Nationen.

Dekan Andreas Kleefeld sprach ein kurzes Gebet. Neben den Ehrenmälern für die Gefallenen besuchten die Bürgermeister den jüdischen Friedhof am Glockenberg. Außerdem legten sie einen Kranz am Grab der Familie Hansen nieder, im Gedenken an Georg Hansen. Er gehörte zum Kreis der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944. Hansen war in Coburg aufgewachsen und gehörte zum inneren Kreis der Verschwörer. Beim zweiten Schauprozess gegen die Gruppe wurde er zum Tod verurteilt und am 8. September 1944 gehängt.

Auch Hansens Ehefrau Irene wurde verhaftet, die Kinder kamen in ein Heim bei Bad Sachsa. Das Vermögen der Familie wurde eingezogen. Erst Ende September 1944 durften die Kinder wieder zu ihrer inzwischen freigelassenen Mutter. Nach dem Krieg musste Irene Hansen ihre Rente als Kriegerwitwe von der Bundesrepublik vor Gericht erkämpfen. Die Rente war ihr mit der Begründung verweigert worden, dass ihr Mann unehrenhaft aus der Wehrmacht entlassen worden war.

Georg Hansens Tochter war zur Gedenkveranstaltung am Sonntag gekommen. Dominik Sauerteig nutzte die Gelegenheit, mit ihr nach der Veranstaltung zu sprechen. Der Volkstrauertag habe für ihn auch heute noch eine ganz besondere Bedeutung, erklärte er. Es sei der Tag, an dem sich die Gesellschaft an die zahllosen Toten der Welt- und Bürgerkriege erinnere. Dieses Erinnern haben zwei Dimensionen: Eine persönliche, die Trauer derjenigen, die den Opfern von Gewalt, Krieg, Rassendenken, Weltherrschaftsfantasien, Verfolgung, Hass und Nationalismus nahestanden. Die andere Dimension sei der Blick in die Zukunft: "Wenn von unserer Trauer am heutigen Volkstrauertag eine Botschaft für die Zukunft ausgehen kann, dann ist es diese: Wir wollen und wir können unsere Zukunft besser machen", sagte der OB. red