Anette Schreiber

Ende Juli wird's spannend: Es dürfte nicht leicht sein, eine Auswahl für die ersten Stücke der Artothek zu treffen. Künstler aus der Region haben derzeit die Möglichkeit, bis zum 28. Juli der Stadt Hallstadt ein Bild zum Kauf anzubieten. Die will zunächst einmal 20 000 Euro investieren. Dafür, dass die Bürger künftig in Hallstadt nicht nur Bücher und andere Medien in der Stadtbücherei ausleihen können, sondern gleichfalls leihweise aus der neu entstehenden Artothek Bilder fürs Zuhause leihweise mitnehmen dürfen. Im Gegensatz zu Büchern freilich ist dabei ein Kauf möglich. Freilich darf der Besucher auch nur kommen und Schauen.


Gebäude längst gefunden

Seit längerem besitzt Hallstadt im Herzen der Stadt das denkmalgeschützte Anwesen Fischergasse 6. Es gab Planungen, daraus ein Technik-Museum werden zu lassen. Die wurden wieder ad acta gelegt.
Dann reifte seit 2015 die Idee mit der Artothek, die letztlich auf die Hallstadter Künstlerin Waltraud Scheidel zurückgeht. Sie konnte den Stadtrat dafür begeistern. So sind die Pläne dafür weit gediehen. Es soll unter anderem ein Anbau an das bestehende Gebäude erfolgen, der im Untergeschoss Toiletten haben wird. Im Obergeschoss finden sich Atelier (für einen Künstler, der hier arbeitet und die Ausleihe managt), Bilderlager und der Raum für Ausstellungen und damit die Artothek.
Für das etwa eine Million Euro teuere Vorhaben rechnet die Stadt mit einem Zuschuss von 50 bis 60 Prozent. Was laut dem Stadtoberhaupt auch für Hallstadt einmalig ist. "Wir warten auf den Förderbescheid", so Erster Bürgermeister Thomas Söder. Den zu erwarteten Fördersatz erklärt er damit, "weil es sich um ein interessantes und überregionales Projekt handelt."
Für Hallstadt selbst sieht er darin eine "gewaltige Aufwertung für den Innenstadtbereich". Das passe zu Hallstadt und werde wohl auch Impulse geben, ist sich der Bürgermeister sicher. Die Baugenehmigung sei bereits da, "die Ausführungsplanung ist relativ weit". Demnächst erfolge die Ausschreibung für die Entkernung des Gebäudes. "Wir sind in den Startlöchern."
Die eine Schiene, auf der die Stadt zum Projekt Artothek fährt, ist damit die eher profane und baubezogen. Sozusagen die Hülle für die Artothek. Parallel dazu schreitet man auch voran, was das Innenleben, sprich die Kunst betrifft. Über die Hallstadterin Waltraud Scheidel, die dem Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Oberfranken angehört, wurde Kontakt zum Verband geknüpft. Der hat nun ein spezielles Auswahlverfahren entwickelt.


Fünf Kunstsachverständige

Demnach soll eine Jury die von den Mitgliedern des BBK eingereichten Kunstobjekte auswählen, Details und Bewerbungen erfährt man über die Homepage der Stadt. Neben fünf Kunstsachverständigen (aus BBKs aus Mittel- und Unterfranken) gehören dem Gremium dann auch der Erste Bürgermeister sowie je ein Vertreter der drei im Stadtrat vertretenen Fraktionen an. Die stehen inzwischen auch fest. Demnach sitzt für die CSU Veit Popp in der Jury, für die SPD Yasmin Birk und für den Bürgerblock Claudia Büttner.
Die einreichenden Künstler können ihre Werke am Donnerstag und Freitag, 27./28. Juli, abgeben. Am Samstag 29. Juli, kommt dann die Jury ins Spiel. Sie wird die Qual der Wahl unter dem Angebot haben und entscheiden, was genau die Stadt für 20 000 Euro ankauft.
Wie Waltraud Scheidel dazu erklärt, sollen in etwa 40 Bilder erworben werden. Kleinformatige, also maximal 80 mal 100 Zentimeter.
Bürgermeister Söder würde sich wünschen, dass nach der Auswahl auch die Bürger die Gelegenheit haben, sich einen Eindruck von den Bildern zu verschaffen, die angekauft werden. Eventuell wird das in der Schulturnhalle der Fall sein, wo die Werke angeliefert und auch ausgewählt werden. Diese kleine Kollektion bildet dann den Grundstock für die Artothek, wird also dort im gut 45 Quadratmeter großen Raum zu sehen sein.


Schwellenangst überwinden

Darauf freut sich Impuls- und Ideengeberin Waltraud Scheidel schon jetzt. Die Artothek soll dazu beitragen, die Schwellenangst gegenüber Kunst zu überwinden, damit sozusagen Bewusstsein für moderne Kunst wecken. "Ich kann hingehen, anschauen, brauche nichts zu kaufen, kann aber für ein geringes Entgeld leihen."
Zugleich profitieren Künstler der Region: Immer wenn ein Bild verkauft wird, wird ein neues angekauft. Damit werde, so Scheidel weiter, die Artothek auch Artikel 3 der Bayerischen Verfassung gerecht, der besagt, dass Bayern ein Rechts-, Kultur- und Sozialstaat ist.