Anette Schreiber

Sie landen häufig auf dem Strich. Dem weißen, der die Fahrbahn vom Standstreifen abgrenzt. Und die Fahrer haben zu tun, um da wieder weg zu kommen. "Eine Fehlkonstruktion", kommentiert ein Leser den Abschnitt der A 73 zwischen Hirschaid und Buttenheim. In der langgezogenen Linkskurve ist das Gefälle gegenläufig, also nach rechts abschüssig, damit das Wasser dorthin abfließen kann. So mancher ortsunkundige Lkw-Fahrer hat seine liebe Not, auf der Spur zu bleiben. Immer wieder gibt es Unfälle, wie vor kurzem mit stundenlangen Aufräumarbeiten.
Die Fahrer haben oftmals nur zwei Finger am Steuer, sind zu schnell unterwegs oder schlafen ein, "da ist's dann schnell passiert", sagt unser aufmerksamer Leser. Auf den zitierten Unfall hin hat er sich an den FT gewendet und seine Beobachtungen mitgeteilt. Er möchte aber nicht namentlich in Erscheinung treten.


Leicht abschüssig

Hirschaids Bürgermeister Klaus Homann (CSU) habe er ebenfalls schon darauf hingewiesen, lässt der 80-Jährige wissen. "Das stimmt", bestätigt das Oberhaupt der Marktgemeinde. Ihm selbst habe ein Polizist, der inzwischen nicht mehr lebt, von der Sache erzählt. Es sei in dem genannten Bereich leicht abschüssig, was aber wegen des Wassers (zum Abfließen) so sein müsse. Allerdings würde bei Einhalten der vorgeschriebenen Geschwindigkeit nichts passieren.
Auf die Situation hatte Klaus Homann auch schon amtliche Stellen angesprochen. Sie bestätigten die Aussage des Polizisten und sehen deswegen keinen Handlungsbedarf. Weil Verkehrsteilnehmer schließlich die vorgeschriebene Geschwindigkeit einzuhalten hätten.
Freilich ändert dies nichts an der Tatsache, "dass da ständig Unfälle passieren", so Homann. In seiner Zeit, als er für Neubert tätig war, hatte er ein Fenster mit Autobahnblick und sah dann immer die Feuerwehr dorthin fahren. Und auch als Bürgermeister hat er ein Interesse zu wissen, wo die Hirschaider Feuerwehren im Einsatz sind, womit er seine früheren Beobachtungen weiter bestätigt sieht.


Eindrücke relativiert

Diese Eindrücke und Beobachtungen relativiert allerdings Reinhold Schumm aus Sicht der Feuerwehr. Seit 42 Jahren ist er bei der Hirschaider Feuerwehr aktiv, davon 26 Jahre Führungsdienstgrad. So sind dem Kreisbrandinspektor (KBI) in den vergangenen Jahren durchaus drei bis vier Lkw-Unfälle präsent. Insgesamt beurteilt er die Häufigkeit der Unfälle hier jedoch als "nicht übermäßig". Vor allem wenn er sich vor Augen führt, was die Kollegen aus Schlüsselfeld auf der A 3 leisten müssen: "Die sind bald jeden Tag draußen." Die A 3 bezeichnet Schumm als überlastet, die
A 73 hingegen "nur" als gut ausgelastet.
Beobachtungen und Eindrücke - was sagt die Statistik? Wir haben bei der Verkehrspolizei-Inspektion Bamberg und konkret bei Uwe Gemeinhardt nachgefragt. Er ist "Leiter Zentrale Verkehrsaufgaben" und dabei unter anderem mit Unfall-Analysen befasst. Er kennt die Zahlen. Die A 73 ist vor allem eine Pendler-Autobahn mit täglich 50 000 Fahrzeugen (in beiden Richtungen). Zwischen 7 und 9 Uhr bewegen sich die Pendlerströme in Richtung Süden. Zwischen 15.30 und 18 Uhr in Richtung Norden. Gemeinhardt sieht in dem Abschnitt zwischen Hirschaid und Buttenheim, wenn er die Zahlen der letzten drei Jahre betrachtet, "keinerlei Auffälligkeiten".
Man habe mal Probleme gehabt, vor allem Nässeunfälle. Dann wurde vor vier, fünf Jahren der Asphalt saniert und die Griffigkeit verbessert. "Seitdem ist Ruhe." Letztes Jahr sind 19 Unfälle dokumentiert, 2015 waren es elf, im Jahr davor 25 und 2013 ereigneten sich hier 22. "Alles im Rahmen." Er bezeichnet die Straßenbausituation als "vollkommen korrekt". Freilich gebe es immer wieder "Pkw, die abfliegen", weil sie zu schnell waren. Was der Physik und damit den Fliehkräften geschuldet ist, wie anderswo auch. Aus Sicht der Verkehrspolizei sei bei Hirschaid alles in Ordnung.