Ob der demografische Wandel die Renten gefährde? Das regte die Teilnehmer des "Lernorts der offenen Fragen" in Kronach zur Diskussion an. Vom Geld her gesehen sei das richtig; von der Versorgung der Menschen mit Gütern und Dienstleistungen gesehen sei er falsch.


Schrumpfende Bevölkerung

Das von Politikern und Medien vermittelte Bild sei: In 20 Jahren müsse ein Rentner von nur zwei (statt heute drei) Arbeitnehmern mühsam unterhalten werden. Das sei ohne tiefe Einschnitte in das Rentensystem nicht zu stemmen. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise 2008/2009 seien gering gegenüber den zukünftigen Problemen des demografischen Wandels, sagte Rainer Kober voraus. Die Gesellschaft schrumpfe auch insgesamt, was zu einer existenziellen Bedrohung der Unternehmen führen könne. Deswegen müssten alle Arbeitskraftreserven durch intelligente Beschäftigungsmodelle ausgeschöpft werden. Die staatlichen Haushalte hätten auf zukünftig zu erwirtschaftende steigende Gewinne und Steuern gesetzt, und seien deshalb in eine Schuldenspirale geraten. Nötig sei eine Umkehrung: Es müssten mehr Werte erzeugt als verbraucht werden. Hierzu würde auch eine Effizienzsteigerung durch weniger Staat und mehr Bürgerverantwortung beitragen.
Was passiert, wenn mehr Arbeitnehmer in Rente gehen, als junge ins Arbeitsleben einsteigen? Würden Lebensmittel knapp? Am Beispiel des Supermarkt-Regals mit Joghurt postulierte Hinrich Ruyter, dass auch in Zukunft immer genug Waren produziert würden, um die gesamte Bevölkerung zu ernähren, auch die Rentner. Die sinkende Anzahl der Arbeitnehmer werde durch Rationalisierung und Automatisierung aufgefangen. Wichtig sei, die Geldflüsse so anzupassen, dass die Waren auch von den Menschen gekauft werden könnten, die sie nötig hätten. Dann werfe demografischer Wandel überhaupt kein Problem auf. Burkhard Fischer Petersohn ergänzte, dass genügend Geld zwar vorhanden, es aber falsch verteilt sei und große Geldvermögen zu wenig angezapft würden.
Hinrich Ruyter hatte erwartet, dass der demografische Wandel besonders im Dienstleistungsbereich (etwa Pflege) Probleme durch das sich verschiebende Verhältnis von Rentnern zu Arbeitnehmern hervorrufen müsse. Hier könne nur sehr begrenzt rationalisiert und automatisiert werden. Das sei nicht der Fall, meinten andere Teilnehmer der Diskussion: Da die Alten immer aktiver würden, würden sie sich gegenseitig helfen.


Eigenverantwortung gefragt

Wilhelm Averbeck sah eine Rückkehr zu dörflich geprägter Wirtschaftsweise als die gebotene Anpassung an den demografischen Wandel. Außerdem müssten die produzierten Waren bescheidener genutzt werden, immerhin landeten ein Drittel der Lebensmittel im Müll.
Eigenverantwortung und Eigeninitiative seien die Einstellungen, die gefördert werden müssten, schloss Kober. Sie ließen sich nicht durch Druck erzeugen, sondern nur, indem den Menschen Wege und Perspektiven für eine lebenswerte Zukunft eröffnet würden.