Corona, Erkältung, Sommergrippe - fast jeder kennt aktuell jemanden in seinem Umfeld, der krank ist. Die Wartezimmer bei vielen Ärzten sind voll, Betriebe haben vermehrt Krankmeldungen zu verzeichnen. Nicht immer ist natürlich das Sars-Cov-2-Virus der Auslöser, doch der Trend ist seit einigen Wochen (leider) wieder eindeutig: Die Inzidenz im Landkreis (und auch bundesweit) steigt von Tag zu Tag. Am Mittwoch war Kulmbach sogar trauriger Spitzenreiter in Bayern und lag bundesweit auf Platz 2 der Inzidenzwerte.

Die Datenlage ist diffus

Warum gehen gerade in Kulmbach die Zahlen durch die Decke, fragen sich viele. Feste und Veranstaltungen als mögliche Infektionstreiber gibt es doch auch andernorts. Und wer ist es jetzt eigentlich genau, der sich mit dem Corona-Virus infiziert: Geimpfte oder Ungeimpfte, welche Altersgruppen? Beim Versuch, diese Fragen zu klären, stößt man schnell an Grenzen. Denn seitdem es praktisch keine staatlichen Vorgaben mehr gibt, die Kontaktnachverfolgung abgeschafft und das Pandemie-Management quasi in die Verantwortung jedes Einzelnen gelegt wurde, sind die Behörden bei der Erfassung und Auswertung von Daten auf die Freiwilligkeit und Gewissenhaftigkeit der Bürger angewiesen.

Zum Beispiel Impfstatus der Infizierten. "Dazu kann man tatsächlich wenig sagen", erklärt Oliver Hempfling vom Landratsamt, der in den vergangenen zwei Jahren den Corona-Krisenstab geleitet hat. Zwar wird jedes positive PCR-Testergebnis automatisch vom Labor ans Gesundheitsamt geschickt, doch das enthält keine Impfdaten. Nur wer selbst sein Positiv-Ergebnis über die Landkreis-Homepage an die Behörde weiterleitet, um beispielsweise einen Isolationsbescheid anzufordern, muss Angaben zum Impfstatus machen. Eine verlässliche Aussage darüber, wen es momentan eher trifft - Geimpfte oder Ungeimpfte - ist also schlicht nicht möglich.

Ebenso schwierig ist der Erklärungsversuch, warum gerade Kulmbach so ein Infektionsherd zu sein scheint. Testen sich hier die Menschen vielleicht besonders fleißig? Ausschließen will das Hempfling nicht. "Wir wissen von vielen Fällen, in denen die Leute deutliche Symptome haben." Und diese lassen sie wohl, sensibilisiert durch die Pandemie, frühzeitiger abklären, um das Umfeld nicht anzustecken. Eine Vielzahl der positiven Ergebnisse resultiere derzeit aus Tests in Arztpraxen."Die Menschen nehmen eine Erkältung ernster", hat der Sachgebietsleiter für Öffentliche Sicherheit beobachtet, und oft verbirgt sich dahinter eben eine Corona-Infektion.

Tatsächlich scheint die aktuelle Sommerwelle zwar nicht unbedingt schwere, aber doch unangenehme, grippeähnliche Verläufe auszulösen. Einen kleinen Einblick kann da das Symptomtagebuch geben, das man (freiwillig) täglich online ausfüllen kann, wenn man seine Corona-Infektion beim Gesundheitsamt gemeldet hat. "Die häufigsten Symptome sind Husten, Schnupfen, Kopf- und Halsschmerzen", weiß Oliver Hempfling. Und welche Altersgruppe ist derzeit am meisten betroffen? Eine Auswertung des Landratsamtes für den Zeitraum vom 13. Juni bis 12. Juli zeigt, dass die Gruppe der 50- bis 59-Jährigen die meisten Fälle stellt. Viele Infektionen gab es außerdem bei Menschen zwischen 25 und 49 Jahren. Am wenigsten betroffen waren in den vergangenen vier Wochen Kinder bis neun Jahre und Senioren ab 65.

Angesichts der Entwicklung und nicht zuletzt im Hinblick auf die bevorstehende Bierwoche mahnt der frühere Corona-Krisenstabsleiter zu Vorsicht. "Wir müssen jetzt selbst so verantwortungsvoll handeln, dass wir Infektionsketten unterbrechen." Und er warnt auch explizit vor einer bewussten Infektion beziehungsweise Durchseuchung mit einem Virus, "dessen Langzeitfolgen wir noch nicht kennen". Eine Durchseuchung bedeute zudem viele Erkrankungen.

Wie sieht es am Klinikum aus?

Einige Krankenhäuser in Bayern schlagen bereits Alarm, sprechen von Schwierigkeiten, Stationen zu besetzen, müssen Operationen absagen. Verstärkt krankheitsbedingte Ausfälle beim Personal verzeichnet man aktuell auch am Klinikum Kulmbach. Von Notstand kann aber keine Rede sein, betont der stellvertretende Geschäftsführer des Klinikums, Andreas Hacker. "Wir können die Ausfälle noch kompensieren und müssen noch keine Maßnahmen ergreifen", sagt er, gibt allerdings auch zu bedenken: "Wenn die Urlaubszeit dazukommt und die Inzidenz weiter steigt, kann sich das natürlich ändern."