stephan Herbert Fuchs Im zurückliegenden Zuchtjahr hat der Rinderzuchtverband Oberfranken sein hohes Ergebnis aus dem Jahr zuvor nicht halten können. Laut Jahresbericht, den der Vorsitzende Georg Hollfelder aus Litzendorf (Landkreis Bamberg) und Zuchtleiter Markus Schricker nun in Bayreuth vorlegten, waren es mit gut 32 000 Tieren aller Kategorien über 400 weniger, der Gesamtnettoumsatz habe sich um etwa zwei Million Euro auf rund 16 Millionen Euro verringert. "Der Rückgang ist das Ergebnis aus den niedrigen Preisen, besonders bei Nutzkälbern", sagte Zuchtleiter Schricker.

Das abgelaufene Jahr sei von Hitze, Trockenheit, Ernteausfällen und dem Exportstopp für Kälber nach Spanien geprägt gewesen, so Vorsitzender Hollfelder. Die seit dem Sommer praktizierte Vorgehensweise der Veterinärbehörden, Kälberexporte auf eine Transportdauer von maximal acht Stunden zu beschränken, hatte allerdings im Dezember ein Verwaltungsgericht in Baden-Württemberg wieder gekippt, so dass zumindest von Baden-Württemberg aus wieder Transporte nach Spanien möglich sind. "Wir sehen uns gezwungen, nun ebenfalls Klage einzureichen", kündigte Hollfelder an, der auch Vorsitzender des Landesverbandes Bayerischer Rinderzüchter ist.

Ausdrückliches Lob zollte Hollfelder der Bewegung "Land schafft Verbindung", die mit ihren Schlepperdemos für großes Aufsehen gesorgt habe. Das sei auch nötig, denn auf vielen Höfen gehe die blanke Existenzangst um. Mit der sogenannten Bauernmilliarde sei dies nicht so einfach gut zu machen. "Was auf uns Bauern so alles eindrischt, geht auf keine Kuhhaut mehr", so Hollfelder.

Der Rinderzuchtverband Oberfranken hatte im zurückliegenden Zuchtjahr, das immer am 30. September endet, noch 1125 Mitgliedsbetriebe, 144 weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl der Herdbuchkühe ist dem Jahresbericht zufolge ebenfalls deutlich gesunken, und zwar um 2818 auf nun 67 799. Die Durchschnittsgröße der Betriebe wird mit 60 Kühen angegeben (Vorjahr 55).

Während diese Statistik nur die Kreiszuchtgenossenschaften und die Mitgliedsbetriebe des Rinderzuchtverbandes betrifft, wurde bei der Versammlung traditionell auch die gesamte Milchviehhaltung in Oberfranken betrachtet. Hier sank die Zahl der Milchkühe den Berichten zufolge um 2700 auf 85 589. "Die Grenze von 90 000 Milchkühen scheint also dauerhaft unterschritten", sagte Zuchtleiter Schricker.

Unverändert weitergegangen seien auch die Betriebsaufgaben. Erneut 150 Betriebe weniger bedeuteten noch 1881 Milchviehhalter. Im Vorjahr seien es noch 2031 gewesen. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt statistisch bei 45,5 Kühen pro Betrieb. Die meisten Milchkühe werden mit knapp 21 000 in Stadt und Landkreis Bayreuth gehalten, die wenigsten mit 3583 im Landkreis Kronach.

Von großen Herausforderungen sprach der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses, Martin Schöffel (CSU). Was die Bauern machen, sei von großer Sachkunde geprägt. Kritik übte Schöffel deshalb nicht nur an großen Teilen der Verbraucher und deren Einstellung zur Nutztierhaltung, sondern auch an überzogenen Kontrollen auf den Höfen und an Aussagen der Grünen, die nichts mit der Realität zu tun hätten.

Vom großen Frust in der Landwirtschaft berichtete die stellvertretende Bayreuther Landrätin Christa Reinert-Heinz (CSU). Sie forderte von der Gesellschaft wieder mehr Wertschätzung ein. In vielen anderen Ländern rüste die Landwirtschaft derzeit auf und mache sich unabhängig, bei uns habe man oft den Eindruck, es geschehe das Gegenteil.

Erwin Schwarz, der stellvertretende, oberfränkische BBV-Präsident aus Kronach wehrte sich dagegen, dass wohl auf Druck des Ministeriums die Leistungsprüfung durch ein Monitoring ersetzt werden soll. "Wohin kommen wir, wenn die Leistung der Tiere nicht mehr honoriert wird" sagte er.