Michael Busch

Es ist kurz vor dem Ende des Berges. Kurz vor dem großen Fahrgeschäft, dem Free-Fall-Tower, kurz vor der Bushaltestelle. Da umgibt den Bergbesucher plötzlich nicht mehr der süße Mandel- und Zuckerwattenduft, es liegt ein Fischgeruch in der Luft. Ein wohltuender, einladender Fischgeruch.
Der Kenner erkennt Makrelen, Heringe, aber er erkennt nicht sofort, woher diese verführerischen Schwaden herkommen. Denn kein Stand weit und breit hat irgendetwas mit Fisch zu tun. Abgesehen davon, dass es auch ein wenig überraschend ist. Denn die gute "fränkische" Kost und die typischen Kirchweih-Fressalien sind überall sichtbar. Schäuferle, Bratwörschd und Hähnchen, aber Fisch?


Immer der Nase nach

Doch wer aufmerksam ist, hat recht schnell heraus, in welche Richtung der Fischfreund sich bewegen muss, um zum Objekt seiner Begierde zu erlangen. Typischerweise der übliche Weg am Berg: raufzus. Eine schmale Treppe geht es hoch zum "Fleischmanns Garten".
Dort steht dann die Chefin in der Küche und begrüßt die Gäste mit einem Lachen.


Fisch geht auch bei Hitze

"Wir sind seit 1973 hier oben", erklärt Rosemarie Wittmann und wedelt über den Fisch. "Das ist der abgewedelte", erklärt sie. Selbstgemacht aus Gänsekielen sei der Wedler, sicher auch ein Garant für das Gelingen des Fisches.
An zwei Ständen werde der Fisch verkauft und "der geht immer", sagt Wittmann. "Denn diese Sorten von Fisch kann man das ganze Jahr essen, auch bei Hitze."
Der Keller wurde nicht von Anfang an von den Wittmanns bewirtschaftet, erst habe man nur den Fisch geliefert. Als der Vorgänger dann aber aufgehört habe, sei man selber auf die Idee gekommen den Keller in der Kirchweihzeit zu mieten.
Der Berg ist für die Puschendorferin natürlich ein wichtiger Termin im Veranstaltungskalender. "Wir sind auf diversen Festen und wenn keine Feste sind, dann sind wir mit Tagesständen unterwegs."
Auf die Frage, warum man am Berg unbedingt mal Fisch gegessen haben muss, lacht die Chefin auf. "Ich bin davon überzeugt, dass es bei mir die besten Fische gibt. Und außerdem bin ich die Chefin!"


Eine ganze Reihe fehlt

Abgesehen davon kann man gerade auf dem Keller sein Essen mal in Ruhe genießen. "Sie haben den Ausblick auf das Geschehen unter uns, bekommen alles mit. Aber Sie können in Ruhe essen, ohne geschubst oder mit dem Essen in der Hand durch die Gänge getrieben zu werden."
Ein tränendes Auge gibt es aber auch. Ein Teil des Berghanges wurde abgesperrt, daher stehen ihr nicht soviele Plätze zur Verfügung wie in den vergangenen Jahren.
Aber das scheint Wittmann mit Humor zu nehmen. Lachend hat sie den Wedel in der Hand und legt wieder los, die nächsten Fische sind längst bestellt.