Seit dem Kommunalwahlkampf ist es etwas ruhiger geworden um das Thema Michelin. Doch hinter den Kulissen laufen Verhandlungen und Gespräche weiter. So verständigten sich etwa die Tarifparteien bereits Ende April auf einen Sozialplan für die mehr als 800 Mitarbeiter des Hallstadter Werks, das der französische Reifenhersteller Anfang nächsten Jahres schließen will. Kernpunkte sind Angebote zur Weiterbildung, Regelungen für Abfindungen und Vorruhestand sowie eine Transfergesellschaft, teilte das Landratsamt damals mit.

Die Beteiligten zeigten sich über die gefundene Einigung äußerst zufrieden "Wir unterbreiten gute, vielfältige Angebote", versicherte Werkleiter Jens Schlemmer damals. "Wir konnten unter den gegebenen Umständen die bestmögliche Lösung erreichen", erklärte Betriebsratsvorsitzender Josef Morgenroth. Und auch die Taskforce aus Vertretern des Landkreises und der Stadt Bamberg sowie der Stadt Hallstadt wertete das Ergebnis als Erfolg für die Beschäftigten.

Hinter den Türen gingen und gehen die Gespräche über die Zukunft des 24 Hektar großen Areals weiter. "Wir - der Landrat und die Wirtschaftsförderung - stehen wöchentlich, teils mehrfach, im Austausch mit dem Unternehmen und der Stadt Hallstadt", hieß es am Freitag auf Nachfrage aus dem Landratsamt. Ein weiteres solches Treffen war bereits für den gestrigen Tag vorgesehen.

Revitalisierungsprojekt

Michelin hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass in Hallstadt ein Führungswechsel ansteht. "Christian Metzger wechselt zum 17. August als Direktor in das Pkw-Reifenwerk nach Hallstadt", kündigte das Unternehmen an. Er tritt die Nachfolge von Schlemmer an, der vor gut zwei Jahren in Hallstadt übernahm und der Mitteilung zufolge ins Leistungsmanagement für Lkw-Werke in Amerika wechselt. Metzger werde als Werkleiter mit seiner langjährigen Erfahrung gemeinsam mit Partnern aus Politik, Privatwirtschaft und Wissenschaft das Revitalisierungsprojekt auf dem Michelin-Gelände vorantreiben, heißt es weiter. Ziel sei es, zukunftsfähige Geschäftsfelder am Standort anzusiedeln und so neue Arbeitsplätze in Hallstadt zu schaffen.

Die Formulierung klang für manche so, als wolle Michelin selbst am Standort aktiv werden. Zumal im Zuge der Sozialplanverhandlungen bekannt geworden war, dass Michelin zwar die Reifenproduktion in Hallstadt wie geplant einstellt, Bereiche wie Logistik und Energie jedoch bis Ende 2022 erhalten bleiben.

Auf Spekulationen in diese Richtung will sich aber keiner der Beteiligten einlassen. Über konkrete Inhalte der Gespräche gibt es allerdings auch keine Informationen. "Ich befinde mich mit der Firma Michelin in ständigem Austausch", lässt Hallstadts Bürgermeister Thomas Söder CSU) mitteilen, und erklärt vage: "Im ersten Schritt müssen wir Grundlegendes abstimmen. Das geschieht nun. Wir haben verschiedene Ideen, die sich aktuell in der Prüfung befinden."

Regionalinitiative

Landkreis, Hallstadt und Michelin "wollen den Standort des Unternehmens in Hallstadt gemeinsam entwickeln", hatte das Landratsamt schon vor zwei Wochen mitgeteilt. Das sei in verschiedenen Gesprächen vereinbart worden, "um zukunftsfähige Geschäftsfelder anzusiedeln, die den Entwicklungsprioritäten der Region entsprechen und damit auch neue Arbeitsplätze am Standort zu schaffen". Die Michelin-Bekanntmachung wiederholt dies nun wortgleich. Landrat Johann Kalb (CSU) habe sich bereits Ende Juni persönlich mit dem neuen Werkleiter ausgetauscht, heißt es nun dazu.

Das Landratsamt verweist zudem auf die "Regionalinitiative Transformation Autozulieferer (RITA). Diese verfolge das beschriebene Ziel, den Transformationsprozess zu begleiten. Die Taskforce habe dagegen vorwiegend die Arbeitsplätze im Blick gehabt.