Es klingt wie ein Scherz, ist aber traurige Wahrheit: In Schneckenlohe scheint es so etwas wie das Mini-Pendant zum Berliner Flughafen zu geben- das neue Bürgerhaus. Es finden sich so einige Parallelen, unter anderem Kosten, die aus dem Ruder laufen und stellenweise nicht mehr überschaubar waren; Planungen, die nicht den Vorgaben entsprachen.

Jetzt wird ein neues Kapitel beim Umbau und der Modernisierung der ehemaligen Gemeindekanzlei zum Bürgerhaus aufgeschlagen, denn der Gemeinderat stellte sich mehrheitlich gegen eine Beschlussfassung, die die Dacheindeckung betraf. Den Schwarzen Peter hat derzeit das Ingenieurbüro Lebok & Lauer.

Zum Sachverhalt äußert sich Bürgermeister Knut Morgenroth (SPD): "Es geht um die Dachdecker- und Klempnerarbeiten. Wir hatten 16 Firmen angeschrieben und zwei Angebote erhalten. Der Zuschlag geht dann an den wirtschaftlichsten Bieter." So weit das Procedere. Der günstigste Bieter war in diesem Fall eine Firma aus Sonneberg. Allerdings haben die ein Angebot für eine Schiefereindeckung abgegeben, die scheinbar niemals jemand wollte, am wenigsten Bürgermeister und Gemeinderat.

Ziegel seien einfach günstiger und würden weit weniger Arbeitsaufwand bedeuten. Dadurch will die Gemeinde die Kosten für die Dacheindeckung so gering wie möglich halten. Knut Morgenroth gibt zu: "Ich habe den Fehler schon bei der rechtsverbindlichen Ausschreibung bemerkt, ihn auch zur Kenntnis gebracht, aber ich habe mich vom Ingenieurbüro belabern lassen. Wir sollten den Zuschlag an diese Firma erteilen und danach ein Angebot für eine Ziegeleindeckung machen lassen. Diesen Weg schlug uns das Büro vor." So weit jedenfalls die Theorie.

Geduldsfaden gerissen

Und die Praxis? Die Mehrheit des Gemeinderates verlor nun endgültig die Geduld, stellte sich aus den unterschiedlichsten Gründen quer und wollte den Zuschlag nicht erteilen. Mit einer solchen Entscheidung hatte Morgenroth nicht gerechnet. Er wandte sich jetzt ans Ingenieurbüro mit der Bitte um einen Lösungsansatz. Da hätten die Verantwortlichen auch erst einmal ziemlich ratlos reagiert, meinte er, und so bleibt die Lage spannend.

Zumindest will man jetzt aber bei der entsprechenden Firma eine Fristverlängerung bis zur nächsten, regulären Gemeinderatssitzung erreichen. Eine verzwickte Lage also, die man eigentlich bis zum 27. November dieses Jahres in den Griff kriegen müsste, weil die Dachdeckerfirma ansonsten die Gemeinde in Regress nehmen könnte.

Hierzu warf Heiko Eichhorn (SPD) noch einen Gedanken in den Raum: "Vielleicht könnte man ja die Ausschreibungen im Gemeinderat vorher noch einmal durchgehen, um Fehler zu vermeiden. Das wäre besonders bei hohen Beträgen durchaus sinnvoll."

Dem setzte Morgenroth entgegen: "Ich sehe mich nicht in der Lage, das durchzusprechen. Diese Ausschreibungen sind so komplex, dass man das nur ganz schwer überblickt." Als Anregung diente noch ein Vorschlag von Geschäftsstellenleiter Stephan Urban: "Vielleicht kann man einfach das Leistungsverzeichnis anfordern."

Bürgermeister Morgenroth sprach aber eher von einem "Einzelfall" und gab zu bedenken: "Diese Prüfungen müssen ja verwaltungstechnisch umgesetzt werden. Wer soll sich denn die Zeit dafür nehmen?"

Für die Modernisierung und den Umbau der ehemaligen Gemeindekanzlei wurden aber auch noch weitere Gewerke vergeben, unter anderem die Zimmerer- und Holzbauarbeiten an die Firma Heinz Konrad aus Kulmbach gingen für rund 38 000 Euro (Kostenüberschreitung: rund 4000 Euro). Die Gerüstbauarbeiten gingen an die Firma Knoch Gerüstbau aus Coburg für 10 000 Euro. (Kostenüberschreitung: rund 1150 Euro).

Ermächtigungen

Auch für den Blitzschutz gäbe es endlich ein Angebot, zeigte sich Morgenroth erleichtert. Er darf den Zuschlag an den wirtschaftlichsten Bieter erteilen. Ein solcher Beschluss gilt im Übrigen auch für die Lieferung und Montage einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Lagerhalle des gemeindlichen Bauhofs.