Coburg — Der Geschäftsführer einer eigenen Baufirma sein - für Thomas K. war das "ein Kindheitstraum", den er sich 2017 gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Daniel R. erfüllt hat. Nach einer guten Anfangsphase beginnen die ersten Probleme.

Nicht nur Fehlkalkulationen und mangelhafte Buchführung, auch die eigene Drogensucht bringen die Baufirma von Thomas K. in Gefahr. Der Versuch von K., seinen Traum zu retten, wird zum Albtraum für viele Menschen aus der Region und noch weit darüber hinaus.

Gemeinsam mit Daniel R. bestellt er bei ihnen Waren, tankt bei ihnen auf Rechnung und mietet ihre Baufahrzeuge, ohne ihnen auch nur einen Cent dafür zu bezahlen. Die Strategie: Falsche Kontodaten angeben, unter falschem Namen bestellen, Rechnungen, Mahnungen und Telefonanrufe ignorieren und dann abtauchen.

Genützt hat es Thomas K. trotzdem nichts: Der Betrug flog auf, der Traum vom eigenen Unternehmen ist geplatzt - und nun muss er insgesamt vier Jahre ins Gefängnis. Am Mittwoch wurde das Urteil im Verfahren gegen Thomas K., Daniel R. und Peter H. vor dem Landgericht in Coburg gefällt. K.s Geschäftspartner Daniel R. wurde zu einer Haftstrafe in Höhe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt, Peter H. muss zwei Jahre lang hinter Gitter. Peter H. hatte seine eigene Firma geführt, dennoch stand er gemeinsam mit Thomas K. und Daniel R. vor Gericht. Sie wohnten gemeinsam in einem gemieteten Haus in Wilhelmsthal, regelten ihre Finanzen gemeinschaftlich - und führten einige ihrer Betrügereien gemeinsam aus.

Peter H. hat für Thomas K. und Daniel R. Fahrzeuge angemietet, als diese aufgrund von offener Rechnungen von den Anbietern von vorn herein abgelehnt wurden. Dafür hat Peter H. die Kundenkarte von Thomas K. bei Tankstellen im Landkreis Kronach mitbenutzen und auf Rechnung tanken können.

Auch den Vermieter ihres Hauses, einen Landwirt aus Bad Steben, haben sie nachweislich gemeinschaftlich übers Ohr gehauen: Der Vermieter sagte vor Gericht aus, seit dem Einzug der Angeklagten nicht mal eine Monatsmiete erhalten zu haben.

Nach einigem hin und her habe er mit den Angeklagten vereinbart, dass sie den Geldwert bei ihm abarbeiten könnten. Dafür habe er ihnen sogar einige seiner landwirtschaftlichen Maschinen zur Verfügung gestellt. Doch seine Maschinen habe er nie wieder gesehen, denn sie seien weiterverkauft worden. Daniel R. gesteht, dass er es "aus einer Notsituation" heraus getan hat. Das Geld war knapp, der Kühlschrank leer - und die Kinder der Angeklagten hätten Hunger gehabt. Der Schaden, den alle drei Angeklagten gemeinsam oder alleine verursachten, wird insgesamt auf etwa 100 000 Euro geschätzt.

Stapelweise ungeöffnete Mahnungen

Die Durchsuchung von Wohn- und Geschäftsräumen der Angeklagten offenbarten noch mehr Chaos: Im Büro von Thomas K. lagen "stapelweise ungeöffnete Mahnungen", Rechnungen und andere Firmenakten waren in "vollgestopften" Pappkartons untergebracht.

Die bestellten Werkzeuge und Maschinen waren "ohne erkenntliches System" in einer Lagerhalle in Sonneberg untergebracht - und durch die Angeklagten schon so in Mitleidenschaft gezogen, dass die Geschädigten nach der Sicherstellung auf eine Rücknahme verzichteten, erzählte der leitende Ermittler.

"Warnschuss nicht gehört"

Die Strafen für Thomas K., Daniel R. und Peter H. sind nicht nur aufgrund des immensen Schadens so hoch ausgefallen - zulasten der Angeklagten ging auch, dass der Betrug auch nach der polizeilichen Durchsuchung noch weitergegangen ist.

Laut Richterin Huber hätte das ein eindeutiges Signal für die Angeklagten sein sollen, dass mit ihrer Firmenführung etwas nicht stimmen könne - doch die Angeklagten hätten den "Warnschuss nicht gehört". Zudem seien alle Angeklagten vorbestraft, Thomas K. sei sogar auf Bewährung gewesen, als er die Taten beging.

Für den Betrug wurde er zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt, durch die vorangegangene Verurteilung kamen noch einmal ein Jahr und drei Monate Haft hinzu. Da die Abhängigkeit von Crystal Meth seine "Triebfeder" war, den Betrug so lange aufrecht zu erhalten, muss er zudem eine Entzugstherapie antreten.