So hatte sich der Heimatverein Heldritt das doppelte Jubiläumsjahr nicht vorgestellt: kein Publikum, kein Applaus, keine feiernden Gäste. Still und verlassen - wie seit Jahrzehnten nicht mehr - lag die Waldbühne nahezu den ganzen Sommer da. Märchen, Lustspiel und Jubiläumsfeier mussten wegen Corona abgesagt werden. Lediglich für die Sommeroperette konnte viermal, für den Heldritter Kabarettsommer dreimal der Vorhang gehoben werden.

Dabei hatte das Jahr 2020 für den Heimatverein Heldritt mit großen Plänen, Erwartungen und Vorfreude begonnen. Die Proben für das Märchen "Alice im Wunderland" und für das Lustspiel "Das wahre Jakob" hatten begonnen, das Programm für das Jubiläumswochenende war in groben Zügen aufs Papier gebracht. Mitte Februar war der Kartenvorverkauf gestartet.

Kartenverkauf wurde eingestellt

Selbst als sich Corona immer lauter meldete und an Fahrt aufnahm, sagt Vereinschef Friedhelm Wölfert, hätte man noch die Hoffnung gehabt, das werde schon nicht so schlimm. Doch als Mitte März der erste Lockdown kam, Schulen und Kindergärten absagten, zog der Heimatverein die Notbremse: Der Kartenverkauf wurde eingestellt, bis Mai waren alle Gelder zurückgezahlt. "Wir haben quasi alles rückwärts abgewickelt", sagt Wölfert. 16 Märchenvorstellungen und 15 Lustspielaufführungen fielen aus, seit Vereinsgründung 1950 das erste Mal.

Der Sommer brachte dann ein bisschen mehr Hoffnung, und die Coburger Operettenfreunde wagten sich mit ihrer Gala "Silber & Gold" auf die Bühne. Wieder mal ein Wochenende voller Kultur! Die Gäste haben es honoriert.

Trotzdem, sagt Wölfert, seien die Leute vorsichtig gewesen, und nicht alle verfügbaren Karten seien verkauft worden. Eine Woche vorher hatte man sich auch für die Durchführung des Heldritter Kabarettsommers entschieden und mit der Streckenbach-Agentur die drei Spitzenkünstler Stefan Eichner, Sebastian Reich und Wolfgang Krebs auf die Bühne gebracht. Der Heimatverein hat auf- und abgebaut. Über allem, sagt Wölfert, habe aber immer der Schatten von Corona gelegen, auch wenn die wenigen Vorstellungen des Sommers Highlights waren.

Kulissenbauer und Strippenzieher

Friedhelm Wölfert, Jahrgang 1953, agiert im Heimatverein seit 1989 als Vorsitzender beziehungsweise im Vorstand. Fast 30 Jahre hat er die Fäden in der Hand und wollte eigentlich im Jubiläumsjahr den Staffelstab weitergeben, sich aber nicht ganz verabschieden. Mit einem gelernten Maschinenbaumeister an der Spitze hat der Heimatverein ohnehin den Joker gezogen: Es gibt kaum ein technisches Problem, für das Wölfert nicht eine Lösung hat. Über viele Jahre hat er Kulissen mit entworfen und gebaut. Seine Arbeit und die seiner Mitstreiter haben dazu beigetragen, dass der Verein finanziell ganz gut aufgestellt ist, auch wenn man natürlich wegen Corona auch Federn lassen musste.

Die Hauptversammlung mit der Neuwahl war für November geplant gewesen, wurde aber abgesagt. Per Brief sollen alle Mitglieder über das Vereinsgeschehen informiert werden und sich zugleich Gedanken über einen neuen Vorsitzenden machen. 2021 geht die Wahlperiode zu Ende.

Für Wölfert, sagt er selbst, sei die Zeit reif, sich vom Vorsitz zu verabschieden.

Wie es im kommenden Jahr weitergeht, sagt Wölfert, stehe in den Sternen. Auf keinen Fall werde man zur Tagesordnung übergehen können, da sei man sich im Verein einig. Im Januar wie sonst üblich mit Proben für Märchen und Lustspiel zu beginnen, sei zu gewagt. Proben "ins Blaue hinein" - darauf wolle sich der Verein nicht einlassen. Kleinere Stücke, kann sich Wölfert vorstellen, könne es geben, vielleicht auch Kindervorstellungen mit einem Zauberer. Kabarett und Operettenaufführungen seien ebenfalls möglich, freilich alles "ein bisschen abgespeckt". Aber immerhin wäre es ein zaghafter Neubeginn.