Verschwinden wird der Wald nicht. Auch künftige Generationen werden in ihm Holz ernten und Erholung finden. Aber sein Erscheinungsbild wird sich ändern. Da ist sich Försterin Anke Schäfer sicher. Wie genau der Wald in 100 Jahren aussehen wird, das weiß niemand so genau. Denn gerade jetzt wird daran geforscht, welche Baumarten sich in Zukunft bewähren könnten. Begonnen hat der Umbau der Wälder aber schon längst.

"Nach den Stürmen Ende der 80er Jahre wurde auf den Flächen nicht wieder Nadelholz holz gepflanzt sondern Laubbäume", erinnert Anke Schäfer. Und nicht nur die Forstleute im Staatswald haben reagiert. Auch private Waldbesitzer machen sich schon länger Gedanken, wie ihre Wälder in eine gesunde Zukunft geführt werden können. "Solche Waldbesitzer suchen wir gerade", sagt Anke Schäfer. Das Ziel ist, möglichst viele bereits gesammelte Erfahrungswerte zusammenzutragen.

Forstliches Versuchslabor

So interessiert sie sich natürlich für den Wald von Eberhard Anding bei Ottowind. Er pflanzte schon vor Jahren eine Baumart, die neuerdings als Hoffnungsträger gilt, sollten Sommer mit Dürre und Hitze immer häufiger werden - Baumhasel. Vor Ort musste Anke Schäfer dann feststellen, dass sich auf dem Land von Eberhard Anding gerade ein regelrechtes forstliches Versuchslabor entwickelt.

Viele Jahre arbeitete Anding in der Forstwirtschaft. Schon früh machte er sich dabei Gedanken, welche Baumarten die Artenvielfalt in deutschen Wäldern bereichern könnten. Dabei muss es nicht immer um Masse gehen. "Wenn eine Baumart selten ist, lässt sie sich meistens auch ertragreicher vermarkten", sagt Anke Schäfer.

Vorreiterrolle

Bei seinen Vorgesetzten in der Waldwirtschaft stieß Eberhard Anding zunächst auf wenig Gegenliebe für seine Ideen. Also begann er, Arten wie den Baumhasel auf dem eigenen Land anzupflanzen - und konnte wenige Jahre später feststellen, dass frühere Skeptiker auch damit begannen. Doch mit einer Art war er nicht zufrieden. Beim Gang durch seinen Wald zeigt er hier auf eine Elsbeere, dort auf einen Speyerling und wenige Schritte weiter auf eine Mehlbeere.

Was auf den ersten Blick wie eine Tanne aussieht - der gerade auch ein kleines Comeback in vielen Wäldern ermöglicht wird - erweist sich als griechische Tanne. "Die kann Trockenheit und hohe Temperaturen besser vertragen", erklärt Eberhard Anding, warum er sie hier angepflanzt hat. Ob sie auch bei uns und auf dem Boden der Langen Berge zurecht kommt, wird sich nun zeigen. Es gibt verschiedene Ulmenarten zu entdecken und dann wieder eine griechische Tanne? "Nein, das ist eine türkische Tanne", stellt Eberhard Anding klar. Ein weiteres Versuchsobjekt.

Arten aus Amerika erproben

Colorado Tanne, Hickory und Tulpenbaum .... "Der ist in den USA häufig, mal sehen, wie er bei uns wird", sagt der Waldbesitzer und steht schon vor einer Schwarznuss. Die kann ein mächtiger Baum werden, mit schwerem, harten Holz, das im Möbel- aber auch im Schiffsbau verwendet wird und als sehr haltbar gilt. Die Verwandtschaft mit der Walnuss sollte nicht zu große Hoffnungen auf die Früchte wecken. Die sind schwer zu knacken und lange nicht so ergiebig wie die der Walnuss. Bisher galt die Schwarznuss eher als interessanter weil imposanter Parkbaum.

Verwirklichte Vorstellung

"Ich habe zuerst eine Vorstellung von einem Waldbild im Kopf, dann formuliere ich meine Ziele und dann mach' ich drauf los", erklärt Eberhard Anding sein Vorgehen. Zu dem Bild, dass er entwickelt hat, gehört - versuchsweise - auch die Ungarische Eiche und ein paar ihrer Verwandten aus anderen Ländern. Etwa die Roteiche aus den USA, die schon länger in unseren Wäldern Einzug gehalten hat.

Gerade der Blick nach Nordamerika lohnt sich für die Förster, denn der Reichtum an Baumarten ist dort viel größer als bei uns. "Dort gibt es allein schon zig Eichenarten", erklärt Anke Schäfer.

Auch Fichten bleiben

Dass Fichte und Kiefer ganz aus dem Coburger Land verschwinden, erwartet die Försterin so schnell nicht. Ihr Anteil wird schwinden. Die beiden trockenen und heißen Sommer in Folge haben dieses Schwinden beschleunigt, wie viele braune Fichten in den Wäldern zeigen, die geschwächt dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind. Aber es gibt noch immer junge Fichten.

Bemerkenswerte Baumart

Der Baumhasel hat im Bestand von Eberhard Anding schon beachtliche Größe erreicht. Und es kann noch einiges an Zuwachs kommen, denn anders als die in unseren Breiten besser bekannte Haselnuss treibt der Baumhasel einen meist sehr geraden Stamm, der auch weit über 20 Meter hoch und auf Brusthöhe bis zu 70 Zentimeter stark werden kann. Weil sie auch trockene Sommer gut überstehen kann, wird die Baumart gerade interessant für die Forstwirtschaft. Und möglicherweise gehört sie für kommende Generationen zum Bild eines Waldes, der anders aussieht, als wir ihn heute kennen - aber so genau, weiß das eben bisher noch niemand.

Anke Schäfer sucht derweil weiter nach Waldbesitzern, die schon Erfahrungen gemacht haben mit für unsere Breiten ungewohnten Baumarten oder die bereit sind, solche Arten in ihren Wäldern einmal auszuprobieren und hofft, dass sich diese Waldbauern bei ihr melden.