Die Wiese sieht aus, als hätte sich hier eine Rotte Wildschweine ausgetobt. Eigentlich müsste der Landwirt nachsäen oder zumindest walzen, wenn da nicht gewisse Termine für die Bodenbearbeitung einzuhalten wären. Mit dem In-krafttreten des Volksbegehrens Artenvielfalt ist es ab heuer generell verboten, Grünlandflächen nach dem 15. März zu walzen.

Die Walz-Verordnung war nicht das einzige Thema der "politischen Schlachtschüssel", zu der sich einmal im Jahr Vertreter des Bauernverbands und der Politik treffen. Doch bevor es in den Gasthof "Zum Löwen" nach Oberlangheim ging, stand erst einmal ein Ortstermin auf der Tagesordnung. Die Familie Holl bewirtschaftet im Lichtenfelser Ortsteil Stöcken rund 100 Hektar Grün- und Ackerfläche, hält 30 Milchkühe mit entsprechender Nachzucht und 950 Hühner, die in drei mobilen Hühnerställen untergebracht sind. Zudem betreiben sie Direktvermarktung. Ihre Einzelhofanlage befindet sich größtenteils im FFH- und Vogelschutzgebiet. Eigentlich wollte Simon Holl einen Stall für 75 Kühe bauen, aber von diesem Plan hat er sich mittlerweile verabschiedet. Sein größtes Problem sind die Wildschweine. Was, wenn sie nach dem Stichtag 15. März einfallen?

"Es müsste doch möglich sein, dass der Landwirt selbst entscheidet, was gemacht werden muss", erklärt Franz Böhmer. Mit der Walz-Verordnung werde ein riesengroßes Bürokratiemonster geschaffen, wirft BBV-Kreisobmann Michael Bienlein ein. Nach Ansicht von Kreisbäuerin Marion Warmuth müsste es doch genügen, wenn die Wildschweinschäden mit einem Foto dokumentiert werden. Was Simon Holl nicht ganz einleuchtet ist, dass die Stadt Lichtenfels den Geh- und Radweg von Michelau nach Lichtenfels beleuchtet hat, nachdem sich herausstellt habe, dass Licht auch für den Insektenrückgang verantwortlich sei.

Viele geschützte Vogelarten brüten in Natur- und Vogelschutzschutzgebieten am Boden, für die freilaufende Hunde eine Gefahr sind. Entsprechende Hinweisschilder sollen künftig Hundehalter auf die Anleinpflicht hinwiesen. "Es langt nicht mehr, an die Vernunft zu appellieren", erklärt Landrat Christian Meißner. Zudem soll es eine engmaschige Überwachung dieser Verordnung geben.

"Fehler gehören weg"

CSU-Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner plädiert dafür, Umweltbehörde und Landwirtschaft zusammenzulegen. Weiter fordert er ein solides Messstellennetz für die roten Gebiete. Die Sorgen und Nöte der Landwirte nimmt der CSU-Abgeordnete ernst. "Bei der Düngeverordnung sind gravierende handwerkliche Fehler gemacht worden. Diese Fehler gehören weg", sagt er. Auch an dem einen oder anderen Punkt des Versöhnungsgesetzes müsse noch nachjustiert werden.

In der geplanten Hochschule in Kronach mit ihren 1600 Studenten sieht er auch eine Chance für die heimischen Direktvermarkter, da in der Mensa regionale Erzeugnisse auf den Tisch kommen sollen. Er hofft, dass dies auch ein Signal für den Verbraucher ist. Baumgärtner befürwortet das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten, anders als Kreisbäuerin Warmuth. "Argentinien lässt noch Wachstumshormone zu, die bei uns längst verboten sind." Baumgärtner macht deutlich, dass er auch an die Industrie mit ihren Arbeitsplätzen denken müsse. Er wehrt sich dagegen, die Interessen der Industrie gegen die Bauern auszuspielen oder die der Bauern gegenüber dem Verbraucher.

"Bauernmilliarde"

Die Landwirte sollen die Randstreifen von Gewässern dritter Ordnung selber ausmessen und in eine Liste eintragen. Bei Privatgrundstücken beträgt der Abstand zum Gewässer fünf Meter. Was aber, wenn diese Daten bei einer CC-Kontrolle (Cross Compliance) beanstandet werden? Baumgärtner spricht sich dafür aus, dass die sogenannte "Bauernmilliarde" allein den Landwirten zugutekommt. Für Forschung sollten andere Gelder verwendet werden.