Die Waldbauernvereinigung (WBV) Coburger Land e.V. traf sich zu ihrer Jahreshauptversammlung. Vorsitzender Wolfgang Schultheiß stellte die ungünstigen Witterungsverhältnisse im vergangenen Jahr für die hiesige Forstwirtschaft in den Fokus. Schultheiß wies auf das massive Schadholzaufkommen im zweiten Dürresommer 2019 hin. Der habe das Vorjahr 2018 noch deutlich übertroffen.

Als problematisch sah er den Kontakt zu den zuständigen Politikern an: Es habe enormer Anstrengungen bedurft, das betroffene Coburger Land ins Bewusstsein und ins Gespräch zu bringen. Eigentlich hätte er recht harsche Worte parat gehabt, um auf die Coburger Landschadenssituation der Waldbauernvereinigung hinzuweisen. Jedoch sei ganz überraschend eine Mitteilung des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aufgetaucht, die ein millionenschweres Förderprogramm ins Leben rufen werde, das den Aufbau klimafester und artenreicher Wälder im Freistaat vorantreibe.

Darum wolle er mit der harschen Kritik erst einmal abwarten und sehen, was sich aus diesem Förderprogramm ergebe. Eine Arbeitsgruppe aus Wissenschaftlern und Praktikern haben Leitlinien für die Praxis erarbeitet. Sie sind ein Gemeinschaftsprojekt des Forstministeriums mit der TU München, der Hochschule Weihenstephan-Triebsdorf, der Universität Bayreuth, der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, dem Bayerischen Amt für Waldgenetik sowie Fachleuten der Forstverwaltung und der Bayerischen Staatsforsten. Das neue Förderprogramm sowie die Leitlinien "Baumarten für den Klimawald" finden sich auf www.waldbesitzer-portal.bayern.de/foerderung und www.waldbesitzer-portal.bayern.de/klimawald-baumarten.

WBV-Geschäftsführer Manfred Herter berichtete, dass der Schadstoffeinschlag rasch angepackt und zügig abgearbeitet worden sei, sowohl händisch als auch maschinell. Hinzugekommen sei, dass nicht nur die Fichte infolge Borkenkäfer betroffen war, sondern auch Lärche, Buche und Eiche. Des Weiteren sei massiver Befall des Schammspinners bei der Eiche, insbesondere im südlichen Landkreis, zu verzeichnen gewesen. Gegen Jahresende wurden neben Käferholz auch Trockenschäden bei der Eiche, besonders im Bereich Ahorn, Großheirath und Itzgrund aufgearbeitet.

Zum Jahresende seien rund 24 640 Festmeter vermarktet worden, wobei die Bereitstellung und Vermarktung von Käferholz aktuell weiterlaufe und auch künftig die oberfränkische Forstwirtschaft und Holzvermarktung bis auf unbestimmte Zeit begleiten werde.

Die Mitgliederentwicklung bezeichnete der Geschäftsführer als gut: "Zur Unterstützung der Aufarbeitung von Käferholz hatten sich zahlreiche Neumitglieder zum Beitritt entschieden. Insgesamt waren es 36 Neuanmeldungen bei vier Abmeldungen." Der Stand beträgt 957 Mitglieder mit Waldfläche sowie zehn fördernde Mitglieder ohne Waldfläche. Die Mitgliedsfläche beträgt rund 12 611 Hektar, die sich auf 93 Ortsverbände verteilen.

Verhandlungsposition stärken

Bezüglich des Haushaltsplans 2020 wurde darauf hingewiesen, dass der Holzverkauf und die Vermittlungspauschale der Großkunden eine Basis des Haushalts bilden. Darüber hinaus würden die gemeinschaftlichen Holzernte- und Durchforstungsmaßnahmen eine zentrale Funktion in der Geschäftsabwicklung darstellen. Die weiteren Geschäftsaktivitäten, wie Submission und Pflanzenbeschaffung, seien Aktivposten.

Laut Herter steht die Haushalsplanung auf einer stabilen Basis der eigenen Vermarktungs- und Geschäftstätigkeit. Auch zusätzliche Fördermittel würden einbezogen sowie die Betriebsleitung und -ausführung der WBV im Kommunalwald bei der Stadt Bad Rodach und der Gemeinde Großheirath.

Der Bürgermeister Lautertals, Karl Kolb, betonte, dass man feste Ziele brauche, um gegen den Klimawandel vorzugehen.

Jörg Emmert, neuer Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken (FVO), rief dazu auf, die Holzvermarktung zu bündeln, da man dann bei größeren Sägewerken eine stärkere Verhandlungsbasis habe.