Pavel Stempski gibt Gas. Die Fräse an seinem Schlepper dreht hoch und wird in den Boden gesenkt. Im langsamen Schritttempo bewegt sich das Gespann vorwärts. Dahinter bleibt ein Graben im sandigen Boden zurück, knapp zwanzig Zentimeter breit und zehn oder zwölf Zentimeter tief. Was verborgen bleibt, sind unzählige Eicheln, über denen ein Kunststoffrad den Sand wieder fest gedrückt hat. Im Wald hinter dem Stadtteil Merlach werden Eichen gesät.

Das Verfahren ist nicht neu, aber seit vielen Jahren aus der Mode gekommen, erklärt Albert Schrenker. Der Leiter des Forstbetriebs Coburg der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) hat sich für Eichensaat entschieden, weil sie einige Vorteile bietet - wenn die Voraussetzungen passen. "In den vergangenen Jahren gab es reichlich Eichelmast, das ist die Grundvoraussetzung, damit überhaupt genug Saatgut vorhanden ist", erklärt er.

Sandiger Boden ist ideal

Wichtig ist auch, dass sich der Bestand eignet, in dem gesät werden soll. Sandiger Boden, wie auf dem gut einen Hektar großen Stück im Revier von Justus Humpert ist ideal. Auf der Fläche waren alle Fichten dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Jetzt stehen dort nur noch hohe Kiefern. Die schützen die kleinen Eichen, wenn sie im kommenden Frühjahr auflaufen, vor zu viel Sonne. Nach dem Fällen der Käfer-Fichten hat sich auf dem Boden noch keine Vegetation breit gemacht. Dichte Brombeersträucher beispielsweise würden es den kleinen Eichen schwer machen, ins Licht zu wachsen.

Nicht zuletzt muss rechtzeitig eine Firma bereit stehen, um die Eicheln zu säen. Denn die können nach dem Einsammeln in dafür anerkannten Baumbeständen nicht lange liegen bleiben. Justus Humpert musste sie in den vergangenen Wochen täglich gründlich umschaufeln, damit sie nicht verderben. Die vorübergehende Schneelage hatte dann allen noch einmal Angst gemacht, der Plan könnte scheitern. "Der Schlepperfahrer muss sehen, wo er hinfährt, er muss den Boden sehen", erklärt Wilhelm Bussen von der Baumschule Sailer, die den Auftrag nun umsetzt. Der Schlepper ist kein gewöhnliches Fahrzeug. Er ist sehr schmal, damit er zwischen den Stämmen der auf der Fläche verbliebenen Bäume durchfahren kann. "Sieht er ein Loch oder einen Baumstumpf zu spät, kann er leicht umfallen", erklärt Bussen.

"Von den Kosten her gibt sich die Saat mit der Pflanzung nicht viel", erklärt Justus Humpert. Und der Schutz, den die Fläche jetzt braucht, ist auch in beiden Fällen gleich: Zaun. "Wenn Wildschweine hier reinkommen, bleibt keine Eichel übrig", sagt Wilhelm Bussen. Er hatte schon Fälle, in denen er Flächen komplett neu einsäen musste. Doch auch Rehe dürfen nicht an die Pflänzchen herankommen, wenn im Frühjahr die jungen Eichen aufgehen.

Umbau für das Klima

Passt alles, dann ist ein großer Vorteil, dass die Bäume nicht wieder ausgegraben und versetzt werden, wie bei der Entnahme von jungen Eichen aus einem Pflanzgarten. Und es muss nicht gewartet werden, bis junge Pflanzen heranwachsen, die jetzt nicht nur im Coburger Land begehrt sind. Es wird viel gepflanzt. "Wir sind mitten im Umbau der Wälder, mit Blick auf den Klimawandel und in Sachen Klimastabilität ist die Eiche ganz vorn", betont Albert Schrenker. Doch es wird nicht auf die Eiche allein gesetzt. Vielfalt, die Verteilung auf mehrere Standbeine, sprich Baumarten, soll den Wald in die Zukunft führen. Auf der Fläche bei Merlach werden neben den Eichen auch Kiefern stehen, die Fichte wird zurückkehren, ohne dass sie gepflanzt wird, Hainbuchen und Linden wird Justus Humpert pflanzen lassen, damit sie die Eichen dazu antreiben, in die Höhe zu wachsen. Birken werden kommen, weil sie immer kommen. So wird ein abwechslungsreiches Bild entstehen - nicht nur hier. Denn: "Der Wald wird sich verändern und wir hoffen, dass er dann gerüstet ist für ein Klima, das wir so genau noch nicht voraussagen können", sagt Albert Schrenker.