Es sprießt aktuell in Garten, Wald und Feld. Doch mitunter ist Vorsicht geboten: Es gibt Pflanzen, die man besser nicht berühren oder zumindest nicht in den Mund nehmen sollte. Im Fall des Falles gilt es, schnell zu handeln.
Kerstin Väth + MAtthias Litzlfelder Schön sehen sie aus. Geradezu reizend in ihrem üppigen Grün und den schönen Blütenfarben. Aber Vorsicht! Mutter Natur bringt allerlei Pflanzen hervor, die zwar hübsch anzusehen, aber giftig sind. Und einige sehen essbaren Pflanzen sogar zum Verwechseln ähnlich.
Eine, die sowohl im Fernsehen als auch bei ihrer Arbeit als Kreisfachberaterin des Landkreises Schweinfurt, immer wieder Anfragen von besorgten Bürgern bekommt, was sie denn nun pflanzen können oder wo sie aufpassen müssen, ist Brigitte Goss aus Burghausen. Die Gartenexpertin ist zwar kein Facharzt, empfiehlt aber auf folgende besonders giftige Pflanzen im Garten gänzlich zu verzichten: Bei Sträuchern und Bäumen: Seidelbast, Goldregen, Pfaffenhütchen und Stechpalme. "Sie dürfen laut DIN 18034 nicht auf Spielplätze gepflanzt werden, das würde ich natürlich auch so für den Hausgarten empfehlen." Aber es gebe für sie noch weitere Pflanzen, die sie für sehr kritisch hält: Rizinus, Eisenhut und auch der Oleander sind sehr giftig. Datura bzw. Stechpalmen und Engelstrompete können selbst bei Berührung extreme Reizungen der Haut und der Schleimhäute verursachen. "Diese Pflanzen würde ich in jedem Fall von Kindern fernhalten", sagt Goss, selbst Oma von drei kleinen Kindern. Es gebe sicher in den Pflanzelisten noch weitere giftige Pflanzen, doch letztendlich sollte man den Kindern in jedem Fall beibringen, dass sie nur das aus dem Garten und in der Natur essen dürfen, was sie auch kennen.
Heikel, aber wertvoll
Eiben und Ligusterbeeren sind ein weiteres heikles Thema. Sie sind sehr wertvolle Pflanzen als Hecken. Früchte bzw. die Kerne der Früchte sind giftig, doch "es wäre einfach schade, wenn man jetzt aus Angst vor Vergiftungen alle diese Pflanzen roden würde".
Bei wilden Kräutern, die der Petersilie oder dem Kerbel ähneln, wäre sie allerdings vorsichtig, sagt die Gartenfachberaterin. Denn in dieser Pflanzenfamilie gibt es auch einige sehr giftige Pflanzen, wie den gefleckten Schierling oder die Hundspetersilie. Also: nur essen, was man auch gepflanzt hat.
Bei der Rauke sollte man bei der Ernte schon mal genauer hinsehen. Es gab schon Fälle, wo sich das Kreuzkraut als Unkraut zwischen die Pflanzen und so als Blätter in den Salat gemischt hatten, berichtet Goss.
Viele der zumeist attraktiven Pflanzen werden oft als Zierpflanzen im Garten eingesetzt. Aber egal, wo etwas wächst, eines sollte bedacht werden: Es gibt keine generellen Erkennungsmerkmale dafür, dass eine Pflanze giftig ist. Hier Beispiele: 1. Ursprünglich aus dem Süden Europas stammt ein kleiner Baum oder auch Strauch, der aufgrund seiner dekorativen gelben Blütentrauben bereits seit Jahrhunderten als Zierpflanze in Gärten und Parks kultiviert wird. So schön und lieblich der Goldregen sich macht, für kleine Kinder ist er eine große Gefahr. Denn der Goldregen bildet seine Früchte in Schoten aus, die Erbsen und Bohnen ähneln. Spielende Kinder halten die Kerne deshalb für essbar - und vergiften sich. In allen Pflanzenteilen enthalten ist beim Goldregen das stark giftige Alkaloid Cytisin. 2. Den Schierling kennen viele nur dem Namen nach, durch den Schierlingsbecher des Philosophen Sokrates. Auch wenn die Pflanze eigentlich unangenehm nach Mäuseharn riecht, ihre kleinen weißen Blüten, die in Dolden zusammenstehen, wirken bei Spaziergängen durch die Felder, am Straßenrand oder auf Brachflächen in unseren Breiten ziemlich vertraut. Tatsächlich ist der Schierling eine der giftigsten Pflanzen. Umso pikanter, wie sehr er manch anderem Wildkraut wie Wilder Möhre, Wiesenkerbel oder Schafgarbe ähnelt. 3. Was die Verwechslungsgefahr angeht, ist der Schierling keine Ausnahme. Bestes Beispiel: der aktuell in feuchten, schattigen Wäldern zu findende Bärlauch. Er ist im Gegenteil nicht giftig, sondern sehr schmackhaft und beliebt. Aber eben leicht zu verwechseln. Seine Blätter ähneln denen des Maiglöckchens und der Herbstzeitlose. Und dort, wo Bärlauch wächst, können dazwischen auf kalkhaltigem Untergrund auch einige Maiglöckchen gedeihen. Diese enthalten Saponine und weitere Giftstoffe. Und wie vermeidet man eine Verwechslung? Der typische Knoblauchgeruch beim Zerreiben der Blätter weise dem Feinschmecker den Weg, sagen manche. Aber Vorsicht! Wenn man am Bärlauch reibt, hängt sehr schnell, der Knoblauchgeruch an den Fingern. Und dann riecht schnell auch ein Maiglöckchenblatt scheinbar nach Knoblauch. 4. Um ein Vielfaches gefährlicher ist der Blaue Eisenhut. Er gilt mit seinem Alkaloid Aconitin als die tödlichste Pflanze in Europa. Die Blüten wachsen in Trauben oder Rispen und blühen von Juli bis September. Durch ihre Form, die einem Ritterhelm ähnelt, hat die Pflanze ihren Namen. Und sie findet sich wegen ihrer schmückenden Wirkung in vielen Ziergärten. Das Problem: Es reicht der bloße Kontakt. Alle Pflanzenteile enthalten toxische Alkaloide, welche auch mit den Schleimhäuten aufgenommen werden können. Also auch ohne Verzehr oder Berührung mit einer Verletzung.