Seit Donnerstag ist die Ausstellung "Träume" im Stadtmuseum beheimatet. Ein Thema, zu dem jeder etwas sagen könnte. Mitglieder der Kultur Initiative Staffelstein (KIS) haben dazu sogar etwas geschaffen. Es lässt grübeln, staunen und träumen. Zur Vernissage beeindruckte auch ein Vortrag über den Einzug der Kunst in den Traum. Oder umgekehrt?
Anton Köcheler ist einer der Aktivposten der KIS. Warum man um das Thema "Träume" "heftig gerungen" habe, erklärte er in seiner Vortragsrede zwar nicht, aber dafür kam er auf all die Schattierungen, Nuancen und Verstrebungen zwischen Traum und Psyche, Traum und Kunst, Psyche und Kunstgeschichte und dergleichen zu sprechen, destillierte unterhaltsam aus berühmten Bildern verleugnete Unterwelten der Triebe, des sexuellen Verlangens, lieferte zwischen Goya, Füßli, Dali oder Böcklin Künstlerbiographisches als Motive und Ausgangspunkte für Gemälde, bezog gesellschaftliche Umwälzungen dazu ein. Das blieb einmalig, auch die dazu gewählt passende Musik des Gitarristen Thomas Schaller, die sich gekonnt traumverloren gab.


Wenn ist, was nicht sein dürfte

Zu dieser Zeit standen bzw. hingen im Nebenraum schon 35 Exponate aus KIS-eigenem Einfallsreichtum. Mit Ende des Vortrags übersiedelte das entgegen ersten Befürchtungen letztlich doch zahlreich erschienene Publikum nach nebenan. Hier waren sie zu finden, die Traumtänzer, das Luftschloss, die teuflischen Genitalien oder der Wolkenschneider - Bezeichnungen von Werken, zu denen es Träume, Alpträume oder Traumschlösser gab.
Das Kind mit dem aufgeblähten Bauch blickt in die Wüste. Nahrung und damit verbundene Rettung hat es bei dieser Aussicht nicht zu erwarten. Die das in Öl auf Leinwand malte, ist die Bad Staffelsteinerin Hildegard Stohldreyer. Sie ist eine von insgesamt sieben heimischen Künstlern, die hier präsent sind. Manche Wüsten der Welt kennt sie und im Grunde streift ihr Bild mit dem Titel "Albtraum" das von Anton Köcheler zum Surrealismus Gesagte, wonach Realität und Irrealität sich in deren Verständnis nicht ausschließen. Der Albtraum besteht bei diesem Bild darin, das ist, was nicht sein dürfte. Ein Umstand, der in diesem Fall trotz rein gegenständlicher Darstellung des Kindes und der Wüste surrealistische Züge trägt.
Stohldreyer ließ mit sich reden, spricht mit Besuchern. Dazu waren die Künstler auch aufgefordert, hieß es seitens Köchelers doch an die Besucher gerichtet: "Haben Sie keine Hemmungen die Künstler anzusprechen!"
Stohldreyer, ursprünglich aus Berlin stammend, wartet in ihrem Bild "Illusion" mit einer weiteren Finesse auf. Eine junge Frau träumt mit geschlossenen Augen von der Liebe. Das hat sich in ihrem rosenumrankten Kopf festgesetzt, dort oben im Rosenhaar ist sie als Teil eines Paares zu erblicken. Der Witz dabei: Die Frau mit den geschlossenen Augen ist realistisch und präzise dargestellt. Das kleine Pärchen, das sich in ihren Haaren in den Armen liegt, jedoch wirkt eher naiver Malerei entlehnt. Liebe ein naiver Traum? Zu entdecken und bedenken gibt es zwischen all den Bildern und Motiven von Roland Krappmann, Olga Rehm, Anton Köcheler, Clemens Muth, Hubert Kolling, Hermann Hacker und eben auch Hildegard Stohldreyer noch bis zum 7. Mai noch lohnend jede Menge.