und Alexander Hartmann

Es war eine Liste, die vielerorts mit banger Spannung erwartet wurde, die Liste der Real-Supermärkte, die unter anderer Führung weitergeführt werden. Jetzt liegt zumindest die Aufstellung der Märkte vor, die von Kaufland übernommen werden. Es sind 92. Unter der Nummer 92 findet sich der Markt in Dörfles-Esbach.

Wann dort die Real-Schilder abmontiert und durch die von Kaufland ersetzt werden, ist noch unklar. Die ersten 13 Standorte werden derzeit umgerüstet. Einer davon ist Kulmbach. Dörfles-Esbach kommt wohl später dran.

Erst kurz vor Weihnachten hatte das Bundeskartellamt unter gewissen Auflagen der Übernahme der 92 Real-Märkte durch die Schwarz-Gruppe zugestimmt, zu der auch Kaufland gehört. 72 weitere Märkte sollen von Edeka übernommen werden, 24 von der Kette Globus.

Online schon übernommen

Bereits im Juni hatte Kaufland die Übernahme der Internet-Plattformen von real bekanntgegeben. Zunächst finden Online-Kunden real-digital und den Marktplatz real.de noch unter den gewohnten Namen. Kaufland kündigt an, dass am 14. April dann auf Kaufland.de umgestellt wird und die Kunden unter dieser Adresse online auf rund 25 Millionen Produkte in mehr als 5000 Kategorien zugreifen können. Bei einigen Märkten, etwa in Ansbach und Neustadt an der Aisch, steht zurzeit allerdings noch nicht fest, ob sie unter anderer Flagge weiter geführt werden können. Sie tauchen bisher auf keiner der Listen auf, die von den übernehmenden Ketten bekannt gegeben wurden.

Blick nach Kulmbach lässt hoffen

Was die Übernahme durch Kaufland für die Mitarbeiterinnen bedeuten wird, lässt sich mit Blick auf den Real-Markt in Kulmbach erahnen, der zu den ersten gehört, die schon jetzt umfirmieren. Mit "Kaufland" böten sich Perspektiven, heißt es dort. Auch in finanzieller Hinsicht. So mancher könne mit 200 bis 300 Euro mehr Lohn rechnen, weil "Kaufland" nicht nach den spärlichen Gehaltsgruppen der DHV-Berufsgewerkschaft, sondern nach Verdi-Tariflohn bezahle. Gerade diejenigen, die nicht so lange im Betrieb sind, würden durch die Übernahme besser fahren.

Dass die Belegschaft mit dem neuen Arbeitgeber gut fährt, bestätigt Verdi-Gewerkschaftssekretär Paul Lehmann, der einst selbst bei "Kaufland" gearbeitet hat. "Bei Kaufland zahlt man sogar leicht über dem Tarif", weiß Lehmann, der darauf vertraut, dass gravierende Lohnunterschiede, die es zwischen langjährigen und neuen Mitarbeiter bei "Real" gegeben habe, der Vergangenheit angehören: "Da konnte es sein, dass die Frau an Kasse 9 viel, viel weniger verdient hat als die an Kasse 10."

Der Wandel hat auch Folgen für die Mitarbeiter. "Nicht jeder kommt dort zum Einsatz, wo er bislang tätig war. Viele haben ein neues Betätigungsfeld und müssen schauen, ob es ihnen taugt", sagt Angela Schirmer, die nicht nur Betriebsratsvorsitzende, sondern auch Bundesvorsitzende des Fachbereichs Handel der Gewerkschaft Verdi ist. Auch für sie selbst wird es "eine gewaltige Umstellung". Die 59-Jährige, die bisher im Büro in der Telefonzen­trale eingesetzt war, wird künftig am Infostand im Eingangsbereich anzutreffen sein. "Ich werde da den ganzen Tag über stehen. Das ist ungewohnt", sagt Schirmer, die dort nicht nur telefonieren, sondern auch kassieren und sich um den Umtausch kümmern wird.

"Kaufland" nehme die Mitarbeiter an die Hand. "Wir werden ordentlich geschult", teilt die Betriebsratssprecherin mit, die es als erfreulich bezeichnet, dass beim neuen Arbeitgeber bis jetzt nicht über die Köpfe der Mitarbeiter hinweg entschieden worden sei, die Betriebsräte in die Entscheidungen zumindest eingebunden waren.

Schirmer hofft, dass das so bleibt und das frühere "Real"-Team bei "Kaufland" eine rosige Zukunft hat. Sie ist zuversichtlich, doch ganz sicher könne man sich im Handel nie sein. Das Geschäft sei schnelllebig. Was heute Bestand habe, könne morgen schon der Vergangenheit angehören.

Mit "Meister" fing es an

Ehe der Markt in Dörfles-Esbach real wurde, firmierte er lange unter "Meister-Kauf". Bis heute gibt es Kunden, die "zum Meister" einkaufen gehen. Wann Kaufland es geschafft haben wird, sich im Bewusstsein der Kunden zu verankern, wird sich zeigen. Wichtig ist aber wohl Mitarbeitern und Kunden, dass der große Einkaufsmarkt an der gewohnten Stelle weiter existieren wird.