Seit 350 Jahren darf sich Rattelsdorf Markt nennen. Das dürfe nicht jeder, berichtete Kreisheimatpflegerin Annette Schäfer. Deshalb blickte sie zurück auf die Zeit vor 350 Jahren konkret auf den Sommer 1667 und darauf, wie Rattelsdorf sich zu diesem Zeitpunkt präsentierte. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Einwohner schwer zu kämpfen, denn erst knapp 20 Jahre vorher war mit dem Dreißigjährigen Krieg eine der schwierigsten Phasen der europäischen Geschichte zu Ende gegangen. Dieser Konflikt, der nur am Anfang etwas mit Religion und den Folgen der Reformation zu tun hatte, kostete mehr als die Hälfte der Einwohner Mitteleuropas das Leben. Felder waren abgebrannt, Dörfer lagen komplett verlassen da, Bauernhöfe hatten keine Bewohner mehr, die sie bewirtschafteten.
Ab 1631 war der Krieg im Raum Bamberg angekommen. Wer da gegen wen kämpfte, die Fronten wechselte und vor allem warum, war für die einfachen Menschen auf dem Land nicht nachvollziehbar und daher unerheblich. Wenn marodierende Truppen vor der Tür standen, die die Vorratskammern plünderten, die Tiere mitnahmen und die Bewohner folterten, war es egal, welcher Kriegsfraktion sie angehörten.


Verheerte Landschaften

Im Herbst des Jahres 1631 näherten sich schwedische Truppen aus Richtung Nordwesten. Sie plünderten Rattelsdorf am 23. November. 1648 wurde der westfälische Friede im fernen Münster ausgehandelt und zumindest die Kampfhandlungen kamen zum Erliegen. Was die Menschen dann vorfanden waren verheerte Landschaften Dörfer und Städte und die Bevölkerungszahl war nahezu halbiert. Viele Jahre sollte es dauern bis wieder ein Hauch von Normalität eingekehrt war.
Vor dem Hintergrund 500 Jahre Reformation streifte die Referentin die Wirren der Konfessionsstreitigkeiten in Rattelsdorf und damit eine Phase evangelischen Glaubens im ganzen Ort, blickte dann aber zurück auf die Verheerungen durch den Dreißigjährigen Krieg, die Rattelsdorf schwer trafen. Insgesamt waren 15 Hofstellen zerstört und nicht mehr nutzbar.
In dieser Zeit war es Fluch und Segen zugleich, dass Rattelsdorf an einer der am stärksten genutzten Handelsrouten Mitteleuropas lag. Die Straße, die Nürnberg, den vermutlich stärksten Handelsplatz des ausgehenden Mittelalters, mit den wirtschaftlichen Zentren im Norden und an der Ostsee verband, verlief entlang von Regnitz und Main über die Itz mitten durch den Ort. Diese Straße war in Kriegszeiten ein Fluch, weil Söldnerheere in der Regel ihre Beute und Versorgung aus Plünderungen organisierten. Die Verkehrslage setzte Rattelsdorf allerdings in die Lage, auch nach dem Krieg an den nationalen und internationalen Handel zu finden. Eine Hilfe war es dem Ort das Marktrecht zuzusprechen. Diese Hilfe konnte das Kloster Michelsberg als Grundherr gewähren.
Aus einem Schriftstück aus dem Frühjahr 1657 ist bekannt, dass Rattelsdorf den Titel Markt verwenden darf. Zunächst wurden in Rattelsdorf fünf Märkte im Jahr zu feststehenden Terminen abgehalten, die immer mit den Festtagen bestimmter Heiliger gebunden. Geblieben ist bis heute der Jakobimarkt.