Zum Thema "Corona" erreichte die Redaktion folgender Leserbrief:

Gerne oute ich mich als Pandemie-Profiteur, denn die Kümmernis weiblicher Fürsorge von Partnerin, Töchtern und Enkelinnen hat mich von aushäusigen Aktivitäten befreit. Die freundlich erfragten täglichen Bedürfnisse eines risikobehafteten Seniors erfüllten sich umgehend. Auch der Einfall hungriger Verwandter anlässlich eines 70. Geburtstages konnte abgewehrt und auf den 80. verschoben werden.

Die zugegeben schmerzhaft vermissten Kontakte zu lieben Familienangehörigen und Freunden konnte man durch Smartphone und Einzelaudienzen kompensieren. Sogar ein Urlaub mit Wohnmobil an der Ostsee war unter Einhaltung der Hygieneregeln möglich. Leidtragend war der Garten, der eingehender Pflege und restloser Aberntung ausgesetzt war. Auch die Liegestühle auf Terrasse und Veranda waren stark frequentiert und einer geahnten Gewichtszunahme wurde auf dem Heimtrainer Einhalt geboten. Einer um sich greifenden Intensivierung der Pflege des Eigenheims entzog ich mich, da ja sowieso keiner kommt und zur Entsorgung sogenannter "Könnte man noch mal brauchen"-Utensilien wollte ich mich nicht entschließen. Zudem konnte ich in der Zeit fantasievolle Geschichten und geschliffene Gedichte zu Papier bringen und mein zweites Büchlein auf die Leser loslassen. In der Adventszeit machten wir unseren eigenen Weihnachtsmarkt mit Maske, Abstand, Kerze und Glühwein auf der Veranda. Ich überlege, wie lange ich die Impfung verzögern kann, damit diese meditative Phase nicht zu bald endet.

Ein Autor, der nicht lesen kann.

Peter Ott

Höchstadt