Im April 1996 wird die Gottwald'sche Villa am Klinikum Coburg von Grund auf saniert. Überall stehen Bauleitern, aus der Wand hängen Kabel und der Boden ist staubig und verdreckt. Es würde wohl keiner vermuten, dass drei Monate später in diesen nicht gerade wohnlichen Räumen eine Erfolgsgeschichte beginnt.

Seit 25 Jahren kämpfen sich seitdem in der Fachklinik für Geriatrie am Coburger Klinikum ältere Patienten nach dem "Coburger Modell" nach einer schweren Erkrankung zurück ins Leben. In einer kleinen Feierstunde hat das Team um Chefarzt Dr. Johannes Kraft auf die gemeinsame Zeit zurückgeschaut - und einen Blick in die Zukunft gewagt.

Kraft war es, der die Idee einer geriatrischen Einrichtung direkt am Coburger Klinikum ins Leben gerufen hat. Er hat damals gesehen, dass ältere Menschen mit einer schweren Krankheit oft im Stich gelassen wurden. "Ab einem bestimmten Alter gab es für Patienten oft gar keine Möglichkeit, einen Reha-Platz zu bekommen", erklärt er. Oft sei den Senioren nichts anderes übrig geblieben, als ihren Lebensabend in einem Pflegeheim zu verbringen. "Damit waren sie fernab ihres eigenen häuslichen Umfelds und immer auf fremde Hilfe angewiesen", erklärt er.

Seine Idee, um das zu ändern: direkt am Coburger Klinikum eine Anlaufstelle schaffen, in der Spezialisten aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen für jeden Patienten ein individuelles, ganzheitliches Konzept erarbeiten. So sollten Energien gebündelt und insbesondere älteren Patienten zu mehr Lebensqualität verholfen werden.

Das Konzept hat den Regiomed-Geschäftsführer Alexander Schmidtke schon damals überzeugt. "Dr. Kraft hat mich mit der Idee regelrecht infiziert - an der Uniklinik Erlangen und später in Fulda habe ich mich stark dafür eingesetzt, dass auch dort eine Geriatrie nach dem Coburger Vorbild entsteht." Am Standort in Coburg hat sich die Geriatrie mittlerweile bewährt - und hat einen immer höheren Stellenwert eingenommen: "Die Menschen werden mittlerweile älter, müssen auch im hohen Alter immer aufwendigere medizinische Eingriffe über sich ergehen lassen", erklärt Kraft.

Auf der geriatrischen Station leben also Senioren, die schwere, chronische Erkrankungen haben und lernen müssen, ihren Alltag wieder alleine bewältigen zu können. Ist die Stimmung auf der Station deshalb gedämpft? Nein, erzählen die Krankenschwestern Martina Scholz und Johanna Partes. Martina Scholz arbeitet seit dem ersten Tag in der Coburger Geriatrie. In einem Video, das die Anfänge der Station aus 1996 zeigt, liegt sie lachend und von den Kollegen umzingelt in einem der Krankenbetten. "Das war ein echt lustiger Tag", erzählt sie. Ihr macht die Arbeit nach wie vor Spaß. "Die Patienten geben uns unheimlich Dankbarkeit und Freude zurück", erzählt sie. Schon mit den kleinsten, alltäglichen Hilfestellungen könne sie die Patienten zum Strahlen bringen. "Viele Senioren fühlen sich einsam, gerade wegen ihrer schweren Krankheit - auf unserer Station können wir uns Zeit nehmen, um mit ihnen zu reden und sie aufzumuntern", erklärt sie.

Offenes Ohr für die Patienten

Johanna Partes, die vor elf Jahren zum Team der Geriatrie gestoßen ist, weiß, wie wichtig es ist, ein offenes Ohr für die Patienten zu haben: "Sie setzen sich manchmal sehr hohe Ziele an sich selbst, die sie aus gesundheitlicher Sicht aber nicht schaffen können." Dann sei es wichtig, mit dem Patienten gemeinsam ein neues, erreichbares Ziele zu suchen. Auch sie genieße es sehr, sich mit den Patienten zu unterhalten: "Sie geben uns Haushaltstipps und erzählen uns Geschichten von ihren Enkeln oder aus ihrer Jugend, die ja oft auch von Krieg und Vertreibung geprägt ist."

Und natürlich macht es die beiden Krankenschwestern auch glücklich, wenn sie die Erfolge ihrer Patienten miterleben können. "Zu uns sind schon Patienten gekommen, die den ganzen Tag im Krankenbett liegen mussten - am Ende konnten sie mit entsprechenden Hilfsmitteln wieder laufen", erzählt Martina Scholz freudestrahlend.

"Jeder von uns wird älter, jeder von uns könnte auf die Hilfe der Geriatrie angewiesen sein", betont Landrat Sebastian Straubel in seinem Video-Grußwort zur Jubiläumsfeier der Coburger Geriatrie. Er sichert deshalb zu, die Geriatrie beim Klinikneubau gut aufstellen zu wollen. Kraft möchte mit der Geriatrie in Zukunft stärker auf Prävention setzen und dabei auch moderne, sogenannte smarte Technologien nutzen. Die Analytik vorantreiben, Risiken frühzeitig erkennen und zu beeinflussen seien in Zukunft umso wichtiger: "So können die Menschen in der Region künftig alt werden, sich dabei aber jung fühlen."