S ie teilen Lebenserfahrung, Menschenkenntnis und viele, viele Schicksale von Frauen aus aller Welt: Imke Böger-Troll, Tina Kosuch und Ulrike Heinze-Zelger. Seit Jahrzehnten kümmern sich die Sozialpädagoginnen in der Schwangerenberatungsstelle der Diakonie in Coburg um Frauen und Familien in Notlagen und bieten sexuelle Aufklärung in Schulen an. Mit zum Team gehören auch Anja Kellerhoff und Michaela Wittmann. Seit 1. September 1981 gibt es die Einrichtung in Coburg, die Außenstellen in Lichtenfels und Kronach kamen später dazu.

Die ersten Jahre, erinnert sich Imke Böger-Troll, waren geprägt von der Diskussion um den Paragraph 219. "Für viele Frauen war es schwer zu ertragen, dass der Arzt darüber entschied, ob ein Kind abgetrieben werden darf oder nicht. Deshalb schilderten sie oft dramatische Lebenssituationen. Ihnen war klar, sie mussten sehr verzweifelt wirken, damit sie eine Indikation für eine Abtreibung bekommen." Zum Schwangerschaftsabbruch konnten die Frauen dann nach Frankfurt, Wiesbaden oder in die Niederlande gehen.

Mit der Einführung der Beratungspflicht (Entscheid durch das Bundesverfassungsgericht 1993) erfuhr die Beratungsstelle in der Bahnhofsstraße einen enormen Aufwind. "Die jungen Frauen kamen zu uns und schilderten uns ihre Situation. Sie mussten keine Geschichten mehr erfinden, konnten offen über intime Situationen sprechen", sagt Imke Böger-Troll. Die Sozialpädagoginnen, die bei der evangelischen Kirche angestellt sind, sind verpflichtet, eine Beratung zum Leben zu machen, dennoch bleibt es den Frauen überlassen, wie sie sich nach dem Beratungsgespräch entscheiden.

2020 wurden 175 Schwangerschafts-Konfliktgespräche geführt - wesentlich weniger als in den Jahren zuvor. "Manche haben sich nach der Beratung für ihr Kind entschieden", weiß Ulrike Heinze-Zelger.

Bis heute werden keine Schwangerschaftsabbrüche in Coburg durchgeführt. Die Schwangeren fahren nach Sonneberg oder Nürnberg, um den Eingriff vornehmen zu lassen. "In der Ärzteausbildung wird das Thema kaum behandelt. Deshalb gibt es auch viel zu wenig junge Ärzte, die sich damit auskennen", kritisiert Ulrike Heinze-Zelger.

Bemerkenswert finden die Sozialpädagoginnen, dass in der Charité in Berlin junge angehende Ärztinnen ihren Kollegen anhand einer Papaya zeigen, wie ein Fötus im Falle eines Abbruchs abgesaugt werden muss.