Eine schwerwiegende und zukunftsweisende Entscheidung traf das Volksbildungswerk (VBW) Königsberg bei seiner Jahresmitgliederversammlung am Dienstagabend. Grund waren die neuen Richtlinien des bayerischenVolkshochschulverbandes bezüglich der Mindestvoraussetzungen, die Volkshochschulen erfüllen müssen. So wurde vom Verband die Anzahl der anzubietenden Doppelstunden von 400 auf 1200 erhöht, die Anzahl der Teilnehmer von 800 auf 2400. Veranstaltungen müssen statt 50 nunmehr mindestens 150 angeboten werden, die Kontinuität der Arbeit muss 24 Wochen umfassen. Zusätzlich wurde die Anzahl der Stoffgebiete von drei auf fünf angehoben.
Enorm erhöht wurde die Zahl der Teilnehmerdoppelstunden. Musste eine VHS bisher 10 000 Doppelstunden der Teilnehmer erreichen, so müssen es nunmehr 30 000 Teilnehmerdoppelstunden sein. Nur diese Erhöhung konnte das VBW Königsberg nicht erreichen. Deshalb entschied sich das VBW, mit der VHS Haßfurt einen Verbund einzugehen.
Die beiden Volkshochschulen Haßfurt und Königsberg sind die einzigen im gesamten Landkreis Haßberge, die noch selbstständige, unabhängige und eingetragene Vereine sind. Alle übrigen, auch alle früher selbstständigen VHS, sind inzwischen Außenstellen der VHS Landkreis Haßberge geworden. Die VHS Haßfurt und das VBW Königsberg erfüllen zwar alle geforderten neuen Kriterien, erreichen jedoch nicht die geforderten Teilnehmer-Doppelstunden (Haßfurt ungefähr 26 200 und Königsberg etwa 14 000). Gemeinsam erfüllen sie jedoch auch diese neue Bedingung beziehungsweise überschreiten sie deutlich.


Synergie-Effekte werden genutzt

Voraussetzungen für diesen Verbund sind:
- Gemeinsame Programmplanung für den Einzugsbereich: Örtliche Stellen entwerfen weiterhin ihr Programm und führen es dann zusammen. Die Termine werden abgestimmt.
- Gemeinsame Vermarktung des Semester-Programms: Nutzung finanzieller Rabatte für gemeinsamen Druck und des gegenseitigen Verteilersystems, gemeinsame Layout-Gestaltung, redaktionelle Verarbeitung, Graphik, zeitlichen Ablauf koordinieren, gemeinsame finanzielle Basis.
- Gemeinsames Qualitätsmanagement: Zusammen zertifizieren lassen, Zweckvereinbarung abschließen.
Ziele des künftigen Verbunds aus VHS Haßfurt und VBW Königsberg sind die Sicherung der regionalen Verankerung beider Volkshochschulen in ihrem bisherigen Einzugsbereich, das bislang bestehende Angebot an Volkshochschulkursen, Workshops und Veranstaltungen zu gewährleisten beziehungsweise nach Möglichkeit auszuweiten, die Konsolidierung nach den neuen Richtlinien des bayerischen Volkshochschulverbands zu erreichen und für den Qualitätserhalt und die auch künftig optimale Erfüllung ihres öffentlichen Auftrags als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge vor Ort verantwortlich zu sein.


Abstimmung der Programme

Durch intensive, bereichsübergreifende Zusammenarbeit soll effektiver, flexibler und zielgerichteter auf die modernen Herausforderungen reagiert werden. Dadurch erweitern sich auch die Möglichkeiten der aktiven Gestaltung der Erwachsenenbildung im gemeinsamen Zuständigkeitsbereich. Durch das gemeinsame, einvernehmliche, arbeitsteilige Erarbeiten der Semesterprogramme, die Abstimmung über deren Inhalte und Umfang und die gemeinsame Vermarktung unter gemeinsamer Inanspruchnahme der bisher getrennten Verteilerwege soll ein optimaler Synergie-Effekt erreicht werden, so dass Doppelstrukturen entfallen.
Aus praktischen Gründen wird die Erledigung der laufenden Aufgaben und der allgemeinen Verwaltungsaufgaben arbeitsteilig verteilt von den bisherigen Partnern übernommen, es sei denn, es werden besondere Vereinbarungen schriftlich getroffen. Wenn gemeinsame Belange betroffen sind, erfolgt die Regelung in Abstimmung der beiden Partner.
Die Federführung liegt bei der VHS Haßfurt. Die Außenvertretung des Verbunds übernimmt ebenfalls der jeweilige Leiter der VHS Haßfurt, bei dessen Verhinderung der jeweilige Leiter des VBW Königsberg. Direkter Ansprechpartner gegenüber dem VHS-Landesverband ist der jeweilige Leiter der VHS Haßfurt, der das VBW Königsberg auch über alle anderen relevanten Vorgänge auf dem Laufenden hält.
Die Gerätschaften, EDV, Lizenzen, Kursraumausstattung etcetera verbleiben an den bisherigen Orten. Die beiden Städte stellen die in ihrer Trägerschaft befindlichen geeigneten öffentlichen Gebäude beziehungsweise Räume für Veranstaltungen der Volkshochschulen unentgeltlich zur Verfügung. Gebühren für Raumnutzungen fallen nur da an, wo dies bislang auch der Fall gewesen ist.


Zweckvereinbarung

Nach diesen Vorgaben fasste die Versammlung einstimmig den Beschluss, dass sich die bisher selbstständigen Volkshochschulen VHS Haßfurt und VBW Königsberg zum Verbund VHS Haßfurt e.V./VBW Königsberg e.V. zusammenschließen. Der Beginn der Zusammenarbeit ist ab dem Semester I/2019 geplant.