Aus dem Fragezeichen wurde am Montag ein Ausrufezeichen: Das Vogelschießen wird auch heuer definitiv nicht stattfinden! Grund ist das Verbot für Volksfeste aller Art, das jetzt in der 13. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung aufgeführt ist.

Oberschützenmeister Stefan Stahl, der am Montag zusammen mit Kai Holland vom Ordnungsamt zusammensaß, um über mögliche Alternativen zu sprechen, spricht von einer "Riesenkatastrophe" und einer "dramatischen Situation" für die Schausteller. Seit dem Nürnberger Volksfest 2020 hätte es für die Schausteller keine Möglichkeit mehr gegeben, sich zu präsentieren. "Ich hoffe sehr, dass es Fördermittel für sie gibt", sagt er.

Nach der Vorstandssitzung der Schützengesellschaft am Montag abend hatte der Platzmeister des Vogelschießens die traurige Aufgabe, die Schausteller von der Entscheidung zu informieren.

Eine Ausnahmegenehmigung werde nur erteilt, wenn das Gelände eingezäunt ist, Biergärten statt Bierzelte betrieben werden und die Anzahl der Schausteller minimiert wird, erläutert Holland auf Anfrage. Doch das alles sei nicht in Frage gekommen.

Stefan Stahl, der unter den 70 Schaustellern, die jährlich beim Vogelschießen dabei sind, viele Freunde hat, weiß um deren Existenzängste. Ob es alle "überleben", sei fraglich. Das Vogelschießen 2022 werde sicherlich ein tolles Fest, "aber vielleicht sieht es doch ganz anders aus als sonst". Die Schützengesellschaft Coburg, der die Einnahmen auch zum zweiten Mal wegbrechen, sei ein alter Verein, der auf Rücklagen zugreifen kann. Bei den Schaustellern sehe das sicherlich anders aus. Hinzu komme, dass ihnen das Hilfspersonal wegläuft. "Um ein Karussell aufzubauen, braucht man aber Männer, die sich damit auskennen."

Vorfreude herrscht bei den Schützen dennoch: Das Königsschießen findet heuer auf der Veste Coburg statt. Am 24. und 25. Juli werden rund 120 Teilnehmer zwischen 10 und 20 Uhr mit einer Vogelarmbrust auf einen originalgetreu nachgebauten Holzadler schießen. Zuschauer willkommen.