von unserer Mitarbeiterin Heike Schülein

Kronach — Wie Asylsuchende im Landkreis Kronach ehrenamtlich unterstützt werden können, dieses Thema zog rund 60 Interessierte zur Info-Veranstaltung in die Vhs. Bei einem zweiten Treffen soll ein Arbeitskreis gegründet werden.
Die Bereitschaft, Flüchtlingen zu helfen, ist groß - aber auch die Unsicherheit, wo und wie effektive Hilfe erfolgen kann. Ebenso deutlich wurde auch, dass die ehrenamtliche Hilfe gebündelt und über Ansprechpartner koordiniert werden muss. Initiatiorin Edith Memmel zeigte sich überwältigt vom Zuspruch. "Wir brauchen viel mehr Ehrenamtliche", zeigte sich die Grünen-Kreisrätin sicher, die die fünf in Mitwitz untergebrachten Familien unterstützt. Es gebe viele kleine Dinge zu tun, die die Flüchtlinge ohne Deutschkenntnisse völlig überforderten. Sie sei einfach einmal in die Unterkunft gegangen, seitdem sei sie jeden Abend dort. "Die Menschen warten schon auf mich. Um 18.30 Uhr stehen sie alle da."Memmel stoße mit ihrer Hilfe an ihre Grenzen und benötige dringend Unterstützung.

Mehr Stunden für Sozialarbeit

Laut Elmar Jonas, Migrations- und Flüchtlingsberater der Diakonie Kronach, stehen ihm für die Flüchtlingssozialarbeit zehn Stunden sowie für die Migrationsberatung 22 Stunden zur Verfügung. Ab Februar werde eine Kollegin mit zehn Wochenstunden hinzustoßen. Anträge auf Erhöhung seien gestellt. "Wir können die Flüchtlinge gerade noch notdürftig betreuen", erklärte er. Man sei auf Ehrenamtliche angewiesen. Derzeit gebe es im Landkreis Flüchtlinge in Seibelsdorf, Steinwiesen, Nordhalben, Ludwigsstadt, Reichenbach, Förtschendorf, Rothenkirchen, Tettau, Mitwitz sowie Kronach. In Letzterem ist eine Unterkunft der Regierung, die anderen seien dezentrale Unterkünfte. Die Flüchtlinge verfügten über unterschiedliche Bildung, was eine große Herausforderung darstelle. Das Spektrum der Hilfe sei vielseitig und abhängig von den Lebenslagen und Bedürfnissen der Flüchtlinge, aber auch der Möglichkeiten und Fähigkeiten der Ehrenamtlichen. Beispiele seien Patenschaften, Hilfe bei Behördengängen und Arztbesuchen, Unterstützung beim Einkaufen, Hausaufgaben oder Freizeitgestaltung sowie Dolmetscherdienste. Memmel regte eine Koordinierungsgruppe an. Als Begegnungsstätte schlug Kristina Fritz den Struwwel vor, da man bereits in gutem Kontakt zur Kronacher Flüchtlingsunterkunft stehe. Auf einer Liste könnten sich Interessierte mit Namen und E-Mail eintragen, die zum nächsten Treffen eingeladen werden. Memmel hatte sich beim Jugendamtsleiter des Landratsamtes Kronach, Stefan Schramm, über die Situation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (umF) erkundigt. Die Jugendhilfe Fassoldshof soll im ersten Halbjahr die Voraussetzungen für eine "UmF-Wohngruppe" mit vorerst zehn Plätzen im früheren Bürgerspital schaffen. Nachdem die Wohngruppe im Bürgerspital noch nicht zur Verfügung steht, wird die Unterbringung in einer Wohngruppe der Rummelsberger Dienste (Fassoldshof) erfolgen. Dorthin werden wohl männliche Jugendliche (15 bis 18 Jahre) kommen.