Christoph Böger

Fußball ist für Egon Grünbeck mehr denn je eine willkommene Ablenkung von seinem ungewöhnlichen Alltag. Seit seinem Fahrradsturz vor knapp einem Jahr ist er gehandicapt. Er brach sich mehrere Wirbel, die das Rückenmark durchtrennten und eine Querschnittlähmung auslösten. Der 62-Jährige aus Reitsch (Landkreis Kronach) sitzt seitdem im Rollstuhl, verbringt viel Zeit am Tablet und liest sich in komplexe Themen ein.

Und: Er arbeitet nach wie vor sehr gerne als Kreisspielleiter (Coburg, Kronach, Lichtenfels) und macht sich in diesen schwierigen Corona-Zeiten Gedanken, aber nach eigenen Worten vor allem Sorgen um die Zukunft seiner Vereine. Er sucht gerne nach Lösungen, bietet Hilfe an.

Zahlreiche Reaktionen

Überwältigt war der ehemalige Mittelstürmer (unter anderem beim SV Rothenkirchen und FC Adler Weidhausen) über die zahlreichen Reaktionen auf einen Anfang März im Tageblatt erschienen Bericht. Erstmals hatte er seine persönliche Situation geschildert. Zahlreiche Bekannte, vor allem Fußballer, hätten ihn danach kontaktiert. "Egal ob per Telefon, Mail, SMS oder mit aufbauenden Kommentaren im Netz. Viele haben sich bei mir gemeldet. Darüber habe ich mich sehr gefreut."

Telefonate, Briefe, SMS und Mails

Einige Beispiele, die Grünbeck besonders in Erinnerung geblieben sind: Peter Reichel, ehemaliger Regionalligaspieler des SC Weismain und Landesligatrainer in Lichtenfels und Friesen, habe Grünbeck eine tollen Brief geschrieben. Sehr gefreut hat sich der Kreisspielleiter auch über nette Zeilen von Levent Demirezen vom SV Bosporus Coburg sowie einen persönlichen Anruf von Norbert Kraus, dem langjährigen Vorsitzenden des SV Friesen. Grünbeck könnte die Liste noch um viele weitere Beispiele verlängern.

Viele seien auch erst durch den Artikel im Coburger Tageblatt auf den Schicksalsschlag des Kreisspielleiters aufmerksam geworden. "Woher sollen die Leute in Pfarrweisach, Ebern, Heldritt oder in Rodach das denn auch wissen?", fragt Grünbeck. So groß seine Freude über den Zuspruch war, im Mittelpunkt steht der 62-Jährige nicht gerne. Und es spricht für Grünbeck, dass er sagt: "Die Sorgen und Nöte der Vereine seien wichtiger. In diesen schwierigen Zeiten geht es um die Zukunft unserer Fußballer." Aber er weiß auch, dass der Amateursport in diesen Tagen von der Politik abhängig ist:

Von der Politik abhängig

"Wenn Markus Söder beschließt, dass bis Weihnachten überhaupt kein Mannschaftssport erlaubt ist, dann können wir uns auf den Kopf stellen und mit den Beinen wackeln."

Doch Grünbeck will in seiner Funktion als Kreisspielleiter auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Er ist offen für alle Überlegungen, Konzepte und Ideen, die momentan entstehen oder angedacht sind.

Es darf keine Verlierer geben

Der Fußball-Fanatiker ist bestens informiert, weiß über alle aktuellen Stände in den Verbänden bundesweit Bescheid: "Einige haben jetzt sogar schon die zweite Saison abgebrochen. Wir in Bayern diskutieren immer noch über die Spielzeit 2019/2021."

Fest steht für ihn: Die Pandemie darf im bayerischen Fußball keine zusätzlichen Verlierer schaffen. Von der Quotientenregelung bei Saisonabbruch hält er nichts: "Das ist nicht fair. Ich plädiere für eine sportliche Lösung." Damit spricht er sich gegen dem vom Bayerische Fußballverband (BFV) bei Saisonabbruch favorisierten Paragrafen 93 (Quotientenregelung) aus. Es könne nicht sein, dass Mannschaften absteigen müssen, die noch realistische Chancen auf den Klassenerhalt haben. Generell, aber ganz speziell für seinen Spielkreis, schlägt er deshalb mehr Aufsteiger und keine Absteiger vor.

Mit verschärftem Abstieg

Und er erklärt, wie das im Gebiet Coburg, Kronach und Lichtenfels funktionieren kann. Er würde vier Teams, jeweils die beiden Bestplatzierten der zwei Kreisligen, in die Bezirksliga aufsteigen lassen. Aus den vier Kreisklassen dürften seiner Rechnung zur Folge ebenfalls die Meister und Vizemeister - also die beiden aktuell auf den Plätzen 1 und 2 stehenden Mannschaften - in die Kreisligen aufsteigen.

Dies hätte zur Folge, dass der Spielkreis 2 in der nächsten Saison mit 36 Kreisligisten starten würde. "Natürlich bedeutet das im Umkehrschluss, dass wir dann einen verschärften Abstieg aus den beiden zu gründenden 18er-Kreisligen (nicht mehr 16/Anm. d. Red.) beschließen müssten, doch darauf könnten sich alle Teams rechtzeitig einstellen", sagt Grünbeck und sieht darin die fairste Lösung für alle Fußballer.