stephan herbert fuchs

Als Pflegehelfer genoss er das voll Vertrauen der betagten Seniorin. Doch der 20-jährige Kulmbacher nutzte dieses Vertrauen schamlos aus und bediente sich an der Geldbörse der 88-Jährigen, der er eigentlich helfen sollte. Wegen Diebstahls kam der junge Mann am Dienstag vor dem Amtsgericht mit einer Auflage von 70 Stunden gemeinnütziger und unentgeltlicher Arbeit davon. Außerdem muss er wegen einer psychischen Erkrankung eine Therapie antreten.
Der Angeklagte war als Helfer für einen Pflegedienst tätig. Im Rahmen seiner Spätschicht war er rund sechs Wochen lang bei der 88-jährigen Patientin, um der Frau bei alltäglichen persönlichen Dingen zu helfen. Aus Geldnot, wie er sagte, und im Zuge einer Kurzschlussreaktion vergriff er sich im Februar dieses Jahres an der Geldbörse der Frau. 130 Euro hat er dabei gestohlen.
"Ich hatte schon Skrupel, aber ich habe es trotzdem gemacht", sagte der Pflegehelfer vor Gericht. Er sei mit der Finanzierung seines Autos nicht hinterhergekommen und hatte bereits Schulden in beträchtlicher Höhe angehäuft. Der betagten Patientin war das Fehlen des Geldes allerdings längst aufgefallen. Sie hatte sich an die Pflegedienstleitung gewandt. Als die Chefin die Sachlage gegenüber dem Angeklagten ansprach, räumte der ohne Umschweife alles ein. Der junge Mann zahlte in der Folge das Geld zurück und entschuldigte sich bei der Seniorin. Hinterher sei er schon erleichtert gewesen, sagte der Angeklagte. Angeblich habe sein eigentlich unbefristetes Arbeitsverhältnis aber nicht wegen des Diebstahls, sondern wegen seiner Erkrankung geendet.


Einschlägig vorbestraft

Trotz seines jungen Alters war der Angeklagte bereits drei Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten, einmal sogar wegen eines Diebstahlsdeliktes. Deswegen wurde ihm schon einmal eine Weiterbeschäftigung bei einem Pflegedienst verwehrt. Eine Ausbildung zum Altenpflegehelfer hatte er schon zuvor abgebrochen, zuletzt schlug sich der Angeklagte mit Gelegenheitsjobs durch.
Eigentlich wäre ein Arrest angesagt, doch aufgrund der psychischen Erkrankungen wäre eine solche Maßnahme wenig zielführend, sagte Oberstaatsanwältin Juliane Krause. Verteidiger Wolfgang Schwemmer aus Bayreuth war sich mit der Staatsanwältin einig, dass das Jugendstrafrecht angewendet werden sollte, weil der Angeklagte als Heranwachsender aufgrund erheblicher Reifeverzögerungen einem Jugendlichen gleichzusetzen sei. Das hatte zuvor auch der Vertreter der Jugendgerichtshilfe, Stefan Fürst, vom Kreisjugendamt so festgehalten.
Richter Christoph Berner urteilte dann auch nach Jugendstrafrecht und entschied auf 70 Arbeitsstunden. Berner hielt dem jungen Mann zugute, dass er den Diebstahl gestanden, sich zeitnah und zügig entschuldigt und den Schaden wiedergutgemacht hatte. Zum Nachteil des Angeklagten wertete der Richter die drei Vorstrafen und die hohe Rückfallgeschwindigkeit. Der Angeklagte habe ein berufsbedingtes Vertrauensverhältnis schamlos ausgenutzt, sagte Amtsgerichtsdirektor Berner.