35 Jahre alt wird Johannes "Joe" Bechmann Anfang Juni. Ein Alter, in dem viele gestandene Kicker ihre Karriere noch bei unterklassigen Vereinen ausklingen lassen. Bechmanns Erfahrung aus über 300 Regional- und Bayernligaspielen würden sicherlich auch viele Klubs gerne für sich nutzen, doch daraus wird aller Voraussicht nach nichts. Denn der gebürtige Bamberger stellt seine Fußballschuhe nach dieser Saison in den Schrank, will sich dann erst einmal ausgiebig der Familie widmen.

Vorbei wird dann die Zeit sein, in der die gegnerischen Stürmer mit ihm auf einen Abwehrspieler treffen, der weder sie noch sich selbst schont. Davon zeugen rekordverdächtige 24 Platzverweise in den beiden höchsten bayerischen Ligen, unzählige Gelbe Karten und zahlreiche Fotos, die den 1,86 Meter langen Innenverteidiger zeigen, wenn er den Ball in Hüfthöhe seines Gegenspielers abwehrt. "Vermutlich werden meine Gegenspieler immer hoch angespielt, weil sie Angst haben, dass es ihnen weiter unten wehtut", macht Bechmann klar, dass er um seinen Ruf weiß.

Und der spielt für ihn auch bei etlichen seiner Platzverweise eine Rolle. "Ich glaube, viele Schiedsrichter wollten mich einfach auch mal vom Platz stellen", sagt der robuste Abwehrspieler über die 13 Roten und elf Gelb-Roten Karten relativ gelassen, auch wenn er - seit 2019 selbst zum Schiedsrichter ausgebildet - die eine oder andere Hinausstellung (O-Ton Bechmann: "Wegen Meckerns bin ich allerdings nie runtergeflogen.") durchaus auch nachvollziehen kann.

Hoch und heimatnah

Bechmann spielte bis auf ein halbes Jahr immer für einen FC. Erst in seinem Heimatverein Weidhausen, später in Bamberg, dann in Schweinfurt und aktuell in Sand. An diesem Vereinsbeinamen aber seine Karriereschritte festzumachen, wäre falsch: "Ich wollte immer möglichst hoch spielen, aber auch in der Region bleiben." Das "FC" im Vereinsnamen scheint insofern ein Qualitätsmerkmal zu sein.

Und deshalb die richtige Adresse für den gebürtigen Lichtenfelser. Angebote anderer Klubs habe es immer wieder mal gegeben, aber keines, dass ihn genügend gereizt hätte, die Region zu verlassen. "Hochklassigen Fußball vor der Haustür" - diese Maxime hat Bechmann immer verfolgt.

Anfangs eben in Bamberg, dem Verein, mit dem er Höhen und Tiefen erlebt hat. Da war das Bayernliga-"Endspiel" gegen Regensburg (2:1) in seinem ersten Jahr bei den Männern unter Trainer Christoph Starke und der Verzicht auf die Regionalliga-Lizenz. Auch der Regionalaufstieg ein Jahr später, die Insolvenz und die Wahl in die "Jahrhundert-Elf" der Violetten, die seinen Stand bei den Fans des FC Bamberg widerspiegelt. Aber auch die Querelen im Verein, die 2013 seinen Abschied aus der Domstadt herbeiführten.

Der damalige Trainer: Petr Škarabela. Und der erinnert sich noch gut an seinen Innenverteidiger: "Joe war ein Spieler, der den Unterschied machte", macht Škarabela klar, dass er große Stücke auf den Verteidiger hält. "Die Jungs haben gewusst, dass, wenn Joe hinten steht, eigentlich nichts anbrennen kann." Aber: "Bei ihm wir haben wir auch immer gewusst, dass etwas passieren kann", erinnert sich der gebürtige Tscheche an den einen oder anderen Platzverweis.

Für ein halbes Jahr schnürte Bechmann dann in Memmelsdorf unter Bernd Eigner die Schuhe - der einzige Klub ohne "FC" im Vereinsnamen -, bevor es für den Oberfranken zum unterfränkischen FC 05 Schweinfurt ging, mit dessen Trainer Gerd Klaus er schon länger in Kontakt stand.

Und für den war er "einer der ganz angenehmen Spieler. Man hat sich immer einhundertprozentig auf ihn verlassen können. Von der Einstellung her ein Vorbild für alle. Er hat es natürlich ab und an mit seinen Fouls ein bisschen übertrieben, das war sein Manko - und daher rührt auch sein Ruf. Aber den hat er sich hart erarbeitet. Fußballerisch hat Joe für mich den besten Verlagerungsball, den es im Amateurbereich gibt."

Über besagten Verlagerungsball sagt Bechmann: "Das haben wir im Bamberger Stützpunkt bis zum Erbrechen gelernt." Er erinnert sich daran, dass es im Stützpunkttraining auch mal 90 Minuten nur diese eine Übung gab, den weiten Pass zentimetergenau ins Ziel zu bringen. Ein Mittel, das Joe Bechmann heute noch beim FC Sand immer wieder einstreut, auch wenn sein Trainer lieber auf spielerische Elemente setzt.

Eigener Fanschal

Aber zurück nach Schweinfurt, wo "Joe Bechmann" auch eine Art Kultstatus genießt. Wie anders wäre es zu erklären, dass er wohl der einzige Spieler aus dieser Zeit ist, der einen eigenen "Fanschal" sein Eigen nennen kann. Den kreierte Vereinsfotograf Maximilian Kilian. Bechmann sicherte sich mehrere Exemplare, weil "so etwas hat ja auch nicht jeder".

2017 zog es Bechmann dann fußballerisch und privat nach Sand. Vom Mittelfeld der Regionalliga in den Abstiegskampf der Bayernliga. Der kleine Verein aus dem Winzerdorf am nördlichen Rand des Steigerwalds wird nun vorerst auch seine letzte fußballerische Station sein. Eine Karriere nach der Karriere, sei es als Trainer oder als Schiedsrichter, ist aktuell nicht geplant.

Er, der das Spiel viele Jahre immer vor sich hatte, hat es nun bald hinter sich. Dabei ist der Klassenerhalt mit dem 1. FC Sand noch das große, letzte Ziel des Abwehrspielers. "Wir dürfen uns aber nicht darauf verlassen, dass wir es erneut in der Relegation schaffen", betont Bechmann, dass er lieber schon Ende Mai über dem Strich stehen will. Ein Heimsieg am kommenden Samstag 26. Februar, gegen den von seinem ehemaliger Coach Gerd Klaus trainerten SV Seligenporten, wäre dabei ein erster Schritt auf den letzten Metern in der Fußballer-Karriere des Johannes "Joe" Bechmann.