Der Kronacher Verdi-Ortsverband lud am Freitag langjährige Kollegen ein, im Gasthaus "Zum Frack" das Dankeschön der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und die damit verbundene Ehrung entgegenzunehmen. Bezirksgeschäftsführerin Doris Stadelmeyer warf einen Blick zurück auf die Jahre, in denen die zu ehrenden Frauen und Männer der Gewerkschaft beitraten. Gleichzeitig richtete sie ihr Augenmerk nach vorne.

Ihr Rückblick führte in das Jahr 1949, als der für 70 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnete Erich Neubauer den Weg zu Verdi fand. 1949 war ein Schicksalsjahr der Deutschen: Mit der Gründung der BRD und der DDR wird nicht nur das Land geteilt. Beide Länder werden Frontstaaten im Kalten Krieg, der erst 40 Jahre später mit dem Fall der Mauer sein Ende findet. Der Buchbacher trat gleich zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn bei der Firma Heinz-Glas, im Alter von 14 Jahren, der Gewerkschaft bei, was damals durchaus üblich war. Später war er, während der Amtszeit von Landrat Heinz Köhler, 17 Jahre lang Personalratsvorsitzender im Landratsamt Kronach.

Ihm sowie allen weiteren Jubilaren galt der Dank des Kronacher Ortsvorsitzenden Wolfgang Schmitt, der auf die Erfolge des DGB einging, der im Oktober 70 Jahre wurde. "Der DGB hat für Millionen Menschen ganz konkret Gutes bewirkt", würdigte er die durch Mitbestimmung und Sozialpolitik hart erkämpften Rechte, die es heute zu verteidigen gelte.

Während beispielsweise Ende der 1980er-Jahre in der alten BRD gut drei Viertel aller Beschäftigten von Tarifverträgen geschützt worden seien, gelte dies heute nur noch für gut die Hälfte in Westdeutschland, im Osten noch weniger. "Die Gewerkschaften werden weiterhin gebraucht, damit aus wirtschaftlicher Stärke auch Zusammenhalt und aus technischem Fortschritt auch sozialer Fortschritt wird", appellierte Schmitt, dessen Ortsverein etwa 1000 Mitglieder zählt.

"Wir leben in Oberfranken relativ gut", stellte DGB-Regionsgeschäftsführer Mathias Eckardt heraus. Leider habe man mit Loewe ein Unternehmen verloren, das deutschland- und europaweit untrennbar mit dem Namen Kronach verbunden war. Er hoffe auf ein Weiterbestehen in vielleicht anderer Form: "Die Hoffnung stirbt zuletzt!" Wichtig sei es, sich insbesondere des Themas Rente anzunehmen. Ansonsten laufe man Gefahr, dass die Menschen Populisten aufsäßen.

Beim Verdi Bundeskongress in Leipzig wurde nicht nur ein neuer Bundesvorsitzender gewählt - auf Frank Bsirske folgt Frank Werneke, sondern die Weichen für die nächsten vier Jahre gestellt. In erster Linie ging es, so Stadelmeyer, um die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. Der Mindestlohn soll zügig auf mindestens zwölf Euro angehoben, mit sachgrundlosen Befristungen Schluss gemacht und die Leiharbeitet abgeschafft werden.

Verdi fordert einen Anstieg der Rente auf ein Niveau von 53 Prozent, eine abschlagsfreie Rente mit 63 sowie die Einführung der Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung. "Rente muss für einen Ruhestand in Würde reichen." Makaber mute an, dass die AfD die gesetzliche Rente ganz abschaffen und alles dem freien Markt überlassen wolle.

Als politische Organisation stelle Verdi auch politische Forderungen - so die Einführung einer Vermögenssteuer, der Entzug der Grundstücksspekulanten des sozialen Wohnungsbaus sowie ein Abrücken von der Schuldenbremse, um den Investitionsstau in allen Bereichen der Daseinsvorsorge anzugehen. Klar stelle sich Verdi an die Seite der Schüler und Studenten, die freitags für wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel demonstrieren. Heike Schülein