Andreas Lösch

Mal schnell die Kollegin gefragt, einen Tag vor Valentinstag: Wenn dein Freund morgen keine Rose zückt, bist du dann sauer? - Nein, sagt die Kollegin. Enttäuscht wenigstens? - Nein. - Aber schon froh, WENN er eine zückt, oder? - Klar! - Und schon war die alte Diskussion darüber entfacht, was es damit auf sich hat, wenn Frauen sagen, dass sie kein Geschenk erwarten, und man dann wirklich keines hat, aber dafür plötzlich Ärger.
Dabei macht man es komplizierter, als es eigentlich ist: Frauen freuen sich freilich über Rosen und andere Art von Blumen. Dazu brauchen sie keinen Valentinstag. Aber weil dieser 14. Februar als der Tag der Liebenden gilt, kommt man nicht umhin, ihm auch tatsächlich eine gewisse Bedeutung zuzuschreiben.
Und die hat er ja, man muss sich nur umschauen: Blumenläden rüsten auf, Männer und Frauen machen sich Gedanken, wie sie dem Partner eine Freude machen können, ist ja bald Valentinstag (um genau zu sein: heute), Restaurants bieten Valentinstags-Dinner an, Medien berichten zwischen fordernd-überschwänglich ("Beweisen Sie Ihre Liebe mit diesen fünf Romantik-Tricks") und herablassend-miesepetrig ("Der angelsächsische Kommerztag für die Liebe aus Plastik") - also irgendwas löst dieser Tag ja aus, wenn man sich so darüber freuen oder echauffieren kann.
Wie gut sich Pragmatismus und leidenschaftliche Liebe vertragen, sei mal dahingestellt, aber es hilft, die Sache nüchtern zu betrachten. Fragen wir doch einfach mal im nächsten Blumenladen nach, wie das so ist mit dem Valentinstag. Bei Floristin Roswitha Hoffmann in Zeil stehen Blumengestecke und -sträuße auf den Tischen und Regalen, schlicht und schön, farblich nicht überladen. Das ist aber die ganz normale Ware. Keine Blinkreklame am Schaufenster, die dem Passanten draußen suggeriert, im Laden gebe es das einzige wirkliche Valentinstags-"Must Have" der Saison: Jetzt schnell kaufen! Sonst Ärger mit dem Partner! Stattdessen drinnen ein einfacher Tisch, Chrysanthemen-Herzen darauf und perlenverzierte Rosen. Gar nicht übertrieben, dieser Valentinstagstisch in Hoffmanns Laden. Aber hübsch arrangiert.


Männer mit Rosen

Diese Rosen, die sind ja wirklich schön, staunt der Reporter und fragt: "Die kaufen sicher morgen kurz vor knapp die Männer für ihre Frauen...?" Hoffmann braucht darauf gar nicht zu antworten, denn just in dem Moment kommt Monika Schraut zur Tür herein, grüßt freundlich und schnappt sich eine Rose. Wie jetzt, selber kaufen, weil der Gatte nichts auf den Valentinstag hält? "Die bekommt morgen mein Mann von mir", sagt Schraut und lacht. Wird ja immer besser! Seid wann, bitte, freuen sich Männer über Rosen? Roswitha Hoffmann zögert nicht lange und überreicht dem Reporter eine solche Blume. Nein, keine Bestechung, ein Geschenk, weil irgendwie war ja die Frage, warum sich Männer nicht über Rosen freuen können sollen, eine blöde. Es funktioniert: Ein Lächeln wird zum breiten Grinsen, gerade eine Rose bekommen, und die kam von Herzen, ohne Zweifel, das fühlt sich gut an!
Also, das Verständnis für die Blumenschenkerei nimmt langsam zu. Die zwei Frauen im Laden lächeln derweilen siegesbewusst, war das doch zu ahnen, schließlich bekommen ihre Männer zum Valentinstag Rosen, und sie kennen die Reaktion, die freuen sich wirklich drüber.
Und wie ist das mit der Liebe, muss man die am Valentinstag dann extra betonen? Die Kirche jedenfalls hat sich mit dieser Frage beschäftigt, denn unter anderem in Zeil und in Haßfurt finden heute Valentinstagsfeiern mit Segnung statt. "Valentinstag ist ein ganz säkularer Tag, da hat die Kirche erst einmal nichts mit zu tun", sagt die evangelische Pfarrerin Doris Otminghaus. Trotzdem hat ihre Pfarrgemeinde mit der katholischen Pfarrei St. Kilian in Haßfurt für heute in die Ritterkapelle eingeladen, zum ökumenischen Gottesdienst um 19 Uhr, Paare können sich konfessionsübergreifend segnen lassen. Die Liebe, sagt Otminghaus, brauche vielleicht keinen Extra-Tag, um relevant zu sein, aber die Idee, füreinander da zu sein und sich darauf zusätzlich zu besinnen, die sei nicht verkehrt.
In Zeil und Sand haben sich die evangelische und die katholische Kirche zusammen mit der Familienseelsorge im Dekanat Haßberge ebenfalls etwas einfallen lassen zum Valentinstag. Simone Röth, Pfarrgemeinderätin der Pfarrei St. Michael in Zeil, erklärt, dass es darum geht, sich zu begegnen, "eine Möglichkeit zu schaffen, ins Gespräch zu kommen". In erster Linie an Paare gerichtet ("ist aber kein Muss, es kann jeder kommen"), soll der "Feier-Abend zum Valentinstag" auch "Impulse zum Nachdenken über die eigene Beziehung" geben, wie sie erklärt.


Fünf Stationen

Treffpunkt ist um 18.30 Uhr auf dem Marktplatz am Weinhaus Nüßlein, dann geht es zu Hoffmanns Blumenladen, zum Steinernen Brückchen, in die evangelische Kirche zur Segnung und zum Abschluss in den Zeiler "Musiktreff". Eine lockere, angenehme Atmosphäre wolle man dabei schaffen, erklärt Röth. Hört sich doch nach einem guten Nährboden für die Liebe an. Und die geht mitunter auch unter die Haut, wie die Sinnzeit in Knetzgau gezeigt hat (siehe).