Anja Greiner

Mitunter ist das Schwierigste am Fasten ja das Finden der Ausreden. Darum gleich vorweg: Es war ein Versehen, an dem eigentlich nur meine Herkunft schuld ist. Schwaben. Das Land der Herrgottsbscheißerle. Maultaschen sind meine Tiefkühlpizza. Und bislang habe ich die Teigtaschen auch so wenig mit Fleisch assoziiert wie Helene Fischer mit Musik.
Und so kam es, dass ich eines Abends, mit meinem Vater telefonierend, am Herd stand, und er am Ende des Gesprächs noch kurz fragte: "Und, was machst du dir zum Essen?" "Gebratene Maultaschen mit Ei." "Aha, hat nicht die Mama erzählt, du machst so eine Fastensache bei eurer Zeitung?" "Ja, aber doch nur vegetarisch, nicht vegan - Ei darf ich schon essen." Ich rechne es ihm hoch an, dass er nicht sofort aufgelegt hat, sondern schweigend gewartet hat, bis das Kind den Fehler findet.
Und da man alte Gewohnheiten bekanntlich nur sehr langsam abschalten kann, folgte dem Maultaschen-Gate zwei Abende später das Krautschupfnudel-Desaster. Denn was auf den ersten Blick harmlos erschien, entpuppte sich am Ende als: "Ok, bitte, dann pul' ich die Speckstückchen eben einzeln raus". Damit nun solch ein Fauxpas erst gar nicht mehr passieren kann, wird künftig eben gleich richtig eingekauft - ist ja nicht so, als mangele es einem an der Auswahl. Ohne Veggie- und Veganabteilung im Kühlregal kommt heute selbst der beste Discounter nicht mehr aus. Allein, so einladend die Auswahl sein mag, so ausladend ist mitunter der Geschmack - von der Zutatenliste in der Länge eines Thomas Mann Romans ganz zu schweigen. Aber das ist eine andere Geschichte.