Bambergs Hinter- und Innenhöfe bergen zahlreiche, oft unzugängliche und unbekannte Schönheit. Einer davon, der des Schwertfegerhäuschens in der Karolinenstraße 22, öffnet alljährlich seine Türe für kulturelle Veranstaltungen. Dort hatte jetzt die Operette "Friederike" von Franz Lehar in einer Produktion des Brentano-Theaters Premiere.

Termingerecht am Pfingstsonntag beginnt die rauschende Liebesgeschichte, die mit einem gebrochenen Frauenherzen in wonnigen Tönen endet. Wie aber bringt man ein personenreiches, aufwendiges Singspiel mit nur drei Darbietern in so einen engen Hof?

Die Konzentration liegt ganz auf den beiden Liebenden: Goethe und Friederike. Beate Roux bildet am Klavier nicht nur das Orchester, sie singt zugleich stimmschön und ausdrucksvoll die Arien der jungen Pfarrerstochter.

Pieter Roux ist Goethe. Seinen strahlenden, kraftvollen Tenor auf engstem Raum erleben zu können, hat etwas schier Unwirkliches. Wir sitzen im kleinsten Opernhaus der Welt. Der Deutschen nimbus-umwobendster Dichter als Operettenliebhaber, das birgt natürlich eine gewisse Komik. Aber die Einfügung der Originalerinnerungen Goethes aus "Dichtung und Wahrheit" gibt dem Ganzen einen gewichtigen Beigeschmack. Liebesleid ist nie komisch, eingefügte Parodien und eine psychoanalytische Über-Deutung sind es um so mehr. Martin Neubauer springt zwischen Operetten-Libretto, Goethe-Versen und gesammelten Kuriosa hin und her. Er scheut sich nicht vor Skurrilem und mitunter trefflich Albernem, es darf immer wieder gelacht werden. Und gerade das macht die Zuhörer bereit, sich dann im Kontrast Lehars Gefühlsschwelgen und mitreißenden Ohrwürmern ganz hinzu geben. Bei allen Brüchen bleibt die Satire respektvoll, der Abend in der Schwebe zwischen Lachen und Rührung. Eine echte Bamberger Sommer-Operrette vom Kleinsten! red