Christian Bauriedel Auf der Altmülldeponie des Landkreises bei Lonnerstadt haben die Arbeiten begonnen. Die Firma Strabag Umwelttechnik, spezialisiert auf Deponiesanierungen, hat die Baustelle eingerichtet und gräbt eine Drainage. Zudem wird ein Sickerbecken gebaut. So soll verhindert werden, dass mit Giftstoffen belastetes Wasser weiterhin ins Grundwasser gelangt.

3,4 Millionen Euro nimmt der Landkreis dafür in die Hand. Seit Jahren war klar: Es besteht Handlungsbedarf. Die Messwerte sind zwar im niedrigen Bereich, aber zu hoch.

Eine Anfrage von Christiane Kolbet, Kreisrätin der Grünen (Weisendorf), an das Landratsamt weitet nun den Blick. Sie wollte wissen, wie es ganz allgemein um die Altmülldeponien im Landkreis Erlangen-Höchstadt bestellt ist.

Aus einem ausführlichen Bericht durch Hans Leuchs vom Umweltamt, der dem Umweltausschuss vorgelegt wurde, geht hervor: So genau weiß man es nicht. Es kommt auf den Einzelfall an. Und derer gibt es offensichtlich viele.

Der Landkreis selbst hat fünf stillgelegte Mülldeponien in seinem Verantwortungsbereich (siehe Infokasten). Diese Anlagen stammen meist aus den 60er und 70er Jahren. Sie sind rekultiviert und werden überwacht. Bei manchen liegt dies allerdings auch schon Jahre zurück.

Anders sieht es mit vielen kleineren Altmüllplätzen aus, für die die betroffenen Städte und Gemeinden zuständig sind. Rund 90 solcher ehemaligen Müllkippen gibt es auf dem Gebiet von ERH. Das sei zumindest die grobe Anzahl der bekannten Plätze, so die Mitteilung des Umweltamts.

"Die Situation bei den einzelnen Müllplätzen im Kataster ist sehr unterschiedlich", heißt es weiter. Die Ende der 70er zugeschütteten und teils aufgeforsteten Müllplätze verfügen nicht über Sickerwassersammlungen oder Messstellen. Das heißt, eine Analyse, ob womöglich Giftstoffe austreten, sei nicht möglich, so das Umweltamt.

Wenig Geld für nötige Gutachten

Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt hätten nach Größe der Altdeponie priorisiert (oft handelte es sich auch um kleinere Müllkippen). Das Wasserwirtschaftsamt könne einen Sachverständigen beauftragen, ein Erstgutachten durchzuführen. Doch die "staatlichen Mittel", die dem Amt dafür zur Verfügung stehen, "sind begrenzt", heißt es im Bericht des Umweltamts. Dazu kommt: Erst wenn ein solches Erstgutachten "einen Altlastenverdacht" bestätigt, sind die Gemeinden, auf deren Gebiet der Müll liegt, verpflichtet, weiter tätig zu werden.

Politisch heikel: Wer stochert schon freiwillig in altem Müll, wenn das Geld eh knapp ist und vielleicht eine teure Sanierung droht. Kommunen wären schnell finanziell überfordert. Seit 2005 gibt es den Bayerischen Deponiesanierungsfonds. "Es handelt sich quasi um eine Art von Vollkaskoversicherung mit Eigenbeteiligung, so dass das finanzielle Risiko einer Kommune damit begrenzt ist", schreibt das Umweltamt.

Bisher nur eine einzige Sanierung

Bisher floß im Landkreis diese horrende Finanzhilfe des Freistaats aber erst in die Sanierung einer einzigen Deponie: Röttenbach (2009). Und die anderen? Sind im Wartestand. Sechs Gemeinden haben gerade einmal Erstgutachten vorgeschlagen, so das Umweltamt auf Anfrage. Das sind: Mühlhausen, Möhrendorf, Eckental, Heroldsberg, Kalchreuth und Aurachtal.