Der erste Lockdown tritt in Kraft. Innerhalb weniger Tage hatte sich zuvor die Corona-Situation derart verschlimmert, dass nahezu alle Wirtschaftsbereiche in irgendeiner Form betroffen waren - auch das Handwerk. Und das ist in der Region Haßberge ein großer Wirtschaftsfaktor: Laut Handwerkskammer für Unterfranken gibt es im Landkreis rund 1350 Handwerksbetriebe, und diese beschäftigen fast 6500 Mitarbeiter und zusätzlich mehr als 500 Auszubildende (Daten aus dem Jahr 2019).

Bisher ungekannte Herausforderungen kamen auf: "Binnen kurzer Zeit organisierten wir für unsere Mitarbeiter um die 500 Masken, ob von der Nachbarin genäht oder aus dem Internet bestellt. Es galt, Desinfektionsmittel zu kaufen, den Fuhrpark zu vergrößern, damit die Mitarbeiter kleinere Fahrgruppen bilden können, und es mussten auch zahlreiche Betriebsanweisungen zusammengestellt werden, die regelten, wie wir mit Corona in unseren Büros, im Außendienst und auf den Baustellen umgehen", erklären Matthias Stappenbacher und Christian Nickles, Geschäftsführer der Stappenbacher Putz- und Maler GmbH in Trossenfurt (Gemeinde Oberaurach).

Die Sorgen waren groß

Ihnen ist bewusst, dass ihr Unternehmen im Gegensatz zu zahlreichen Branchen und anderen Betrieben aus dem Handwerk wie Frisöre weiterarbeiten durfte und nicht in den Lockdown gehen musste. Dennoch waren die Sorgen groß: Im Frühjahr hatte man Angst, vor allem mit Blick auf die bestehenden Verträge. Denn für viele Nachunternehmen aus dem Ausland war es nicht möglich, ihre Arbeiter nach Deutschland zu schicken. Somit gab es Verzögerungen aufgrund höherer Gewalt.

Infektionen im Unternehmen, das selbst 80 eigene Mitarbeiter beschäftigt, hätten den Stillstand bedeutet. Mögliche Stornierungen von Aufträgen, nicht mehr lieferbare Materialien und die Frage, wie sich in einer solchen Krise bei Bedarf neue Mitarbeiter finden lassen, beschäftigten die Geschäftsleitung ebenfalls. Schnell war den Geschäftsführern klar, dass sie, wo möglich, Präsenztermine durch Onlinetermine ersetzen und die Bauleiter ins Homeoffice auslagern mussten.

Die Mitarbeiter unterstützt

Dabei waren ihnen immer zwei Sichtweisen wichtig: Die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs und - gleichwertig - die Unterstützung der Mitarbeiter im Privaten. Denn wer Kinder hat oder sich um andere Familienmitglieder kümmern muss, steht in einer solchen Ausnahmesituation einer besonderen Herausforderung gegenüber. Daher haben die Geschäftsführer hier individuelle und flexible Lösungen für jeden Einzelnen gesucht und gefunden.

Unbegründet waren die Sorgen nicht, doch zurückblickend lässt sich sagen: Das Handwerk weist eine nennenswerte Stabilität auf. "Wir sind krisenfest", sagt Stappenbacher. Insbesondere, wenn Dienstleistungen oder Gewerke betroffen sind, deren Arbeit sich nicht oder schlecht aufschieben lässt. Und so kann Stappenbacher für sein Unternehmen positiv in die Zukunft blicken - immer im Bewusstsein, dass das aber nicht auf die gesamte Branche zutrifft.

Laut einer Erhebung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDK) melden 77 Prozent der Handwerksbetriebe einen Umsatzrückgang während der Corona-Krise, 55 Prozent Auftragsstornierungen, 36 Prozent fehlendes Personal und 31 Prozent fehlendes Material.

Freiwilliger Corona-Bonus

Insbesondere das Wohl und die Zufriedenheit der Mitarbeiter treibt auch die Firma Stappenbacher um. Wichtig war es der Geschäftsleitung daher, einen freiwilligen Corona-Bonus auszuzahlen. Zusammen mit dem weiteren Geschäftsführer Christian Nickles erstellte Stappenbacher daher im November ein Rundschreiben an die Mitarbeiter. Sie dankten darin allen für das bisherige Engagement und baten um Verständnis dafür, dass auch in den nächsten Monaten noch zahlreiche Einschränkungen und Sonderregeln gelten werden. Die Sonderzahlung soll auch ein Zeichen der Wertschätzung sein. Denn ohne die Mitarbeiter ginge nichts. Und gerade sie gehörten zu denen, die in der aktuell schwierigen Zeit die Wirtschaft am Laufen halten.

Und was hätten sich Handwerksbetriebe von übergeordneten Organisationen oder auch der Politik gewünscht? "Außer Rundschreiben kam bei uns nichts an", erklärt Anna Stappenbacher, die ebenfalls im Familienunternehmen tätig ist. Auch die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent war ihrer Meinung nach keine gelungene Maßnahme; sie habe vielmehr Probleme bereitet und den bürokratischen Aufwand deutlich erhöht.

Suche nach Mitarbeitern

Auch in Corona-Zeiten scheint es im Handwerk also besser zu laufen als in vielen anderen Wirtschaftsbereichen. Anna Stappenbacher schaut zum Beispiel enttäuscht nach Hallstadt: "Michelin schließt. Ein Unternehmen, das über Jahrzehnte hier bei uns ein großer Arbeitgeber war, macht seinen großen Standort einfach zu. Das Handwerk hingegen sucht händeringend nach Mitarbeitern, weil "das Handwerk Zukunft hat".

Digitalisierung entscheidend

Notwendig, um zukunftsfähig zu bleiben, ist aber immer die Bereitschaft zur Veränderung. Stichwort: Digitalisierung. Bei Stappenbacher kamen die notwendigen Schritte für Homeoffice und virtuelle Besprechungen schon vor der Corona-Krise. Und so war es dann auch relativ schnell und unkompliziert möglich, die Arbeit zu verlagern und Besprechungen vor Ort zu vermeiden. Das Engagement diesbezüglich soll auch weiter ausgebaut werden, um die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern noch zu verbessern.

Optimistisch ins neue Jahr

Trotz aktuell noch bestehendem erneuten Lockdown blickt die Firma positiv ins neue Jahr 2021. Die Geschäftsführer Stappenbacher und Nickles sind sich sicher, dass das Handwerk mit ihren engagierten Mitarbeitern alle noch bevorstehenden Herausforderungen meistern wird.