Michael Busch Der 11. August wird vielen Herzogenaurach an noch im Gedächtnis sein. Eigentlich kein besonderer Tag. Tag des Yama no hi (Japanischer Tag des Berges) und Welt-Löwen-Tag - internationaler World Lion Day.

Und ein Tag des Wassers! Am 11. August 2020 hat ein relativ kleinräumiges Starkregenereignis stattgefunden. Zwar durch Unwetterwarnung angekündigt, dennoch überraschend für viele Bürger, die mit den Wassermassen kämpfen mussten. In drei verschiedenen Messstation im Stadtgebiet Herzogenaurach wurden Regenmengen von 50 bis 60 Liter pro Quadratmeter in einem sehr kurzen Zeitraum gemessen. Dies entspricht einem 100-jährigen Starkregenereignis.

Grund genug für den Stadtrat, in seiner Sitzung am 29. Oktober diesen Stunden einen eigenen Tagesordnungspunkt zu widmen. Ein Ergebnisbericht fasst nochmals zusammen, was an diesem Tag geschah, bietet aber auch die Möglichkeit, Analyse zu betreiben und festzustellen, wie man sich in Zukunft für solche Ereignisse wappnet. Zusammengefasst: In Herzogenaurach wurden 134 Einsätze durch die Feuerwehr getätigt. Im Einsatz waren die Feuerwehren der Stadt Herzogenaurach und eine ganze Reihe weiterer Feuerwehren aus dem Landkreis Erlangen-Höchststadt.

Vernunft spielt auch eine Rolle

Die überwiegende Anzahl der Einsätze betraf das Auspumpen von Kellerräumen, die zwischen 25 und 60 Zentimeter unter Wasser standen. Bei der Schilderung im Bericht wird es bei der Behandlung der Ursachen interessant. Denn unter anderem wird aufgeführt: Die Defizite liegen bei den vielen Rückstaueinrichtungen zum Abwasserkanal, an denen das jeweilige Gebäude angeschlossen ist. Aber auch das Eindringen von Oberflächenwasser über geöffnete Kellerfenster, tiefer liegende Kellertüren oder offene Zugänge zu tiefer liegenden Gebäuden.

Bürgermeister German Hacker erklärt im Vorgespräch zur Stadtratssitzung: "Autofahrer, die meinten, durch überflutete Straßen fahren zu müssen, machten die Situation nicht besser." Gerade bei den ebenerdig liegenden Gebäudeteilen konnte durch die erzeugten Wellen entsprechend Wasser in so manches Gebäude eindringen. "Solch ein Problem kann nur durch Vernunft gelöst werden", erklärt der Bürgermeister.

Aber gerade diese Erkenntnisse, dieses Regenereignis, veranlassen die Stadt dazu, nochmals ganz gezielt darauf hinzuweisen, wie wichtig es sei, das eigene Anwesen ordnungsgemäß gegen Rückstau und auch oberflächliche Überflutung zu sichern. "Die Stadt kann nicht alles regeln", meint Hacker. "Und auch die größten Kanäle werden diese Wassermassen so nicht aufnehmen können." Man werde im Stadtrat erklären, dass Rückstauventile und gegebenenfalls Hebeanlagen von Nöten sind, die sicherstellen, dass das Abwasser auf die Höhe der Straßenoberfläche vor dem Gebäude gebracht werden kann. Selbstverständlich sei es, dass tiefer liegende Fenster, Türen, Zugänge allgemein, gegen den Eintritt von Oberflächenwasser zu sichern sind.

Hilfe vom Tiefbauamt

Der Maßnahmenkatalog war an dieser Stelle noch nicht zu Ende. Außenliegende Wasserabläufe, also kleine Gullys oder Regenrinnen im Boden, müssen regelmäßig gereinigt werden und dürfen nicht verstopft sein. Entsprechende Versickerungsflächen bieten einen kleinen Beitrag zur Abpufferung bei solchen Starkregenereignissen.

Wichtig, so Hacker, sei es, dem Bürger klarzumachen, dass die Stadt bei diesen Maßnahmen den Bürger selbstverständlich unterstütze. "Wir werden Hilfestellungen über das Tiefbauamt geben", offeriert er im Vorfeld der Sitzung. Aber: Ein solches Regenereignis werde auch zukünftig Gebäude von Eigentümern treffen, soweit diese nicht selbst eigene Vorkehrungen getroffen haben. Hacker betont: "Das Kanalsystem ist nach allen geltenden Vorschriften so ausgelegt, dass ,normale' Regenereignisse abgefedert werden können. Ab einem 100-jährigen Regen allerdings nicht mehr."

Interessant sei zum Beispiel die Zahl, die bei der Kläranlage nachzuvollziehen war: dass die punktuell hohen Wassermengen über das gesamte Stadtgebiet gerechnet eine nur zehnprozentige Erhöhung des normalen Zustroms verursacht haben. Gemittelt, so der Bericht, entsprachen sie daher sogar eher einem normalen großflächigem Dauerregen, für den die Anlage problemlos auf Dauer ausgelegt ist.

Die Stadträte werden weiterhin mitgeteilt bekommen, dass die Stadt das gesamte Kanalnetz im Rahmen des regelmäßig anstehenden Generalentwässerungsgenehmigungsverfahrens überrechnen lasse und gegebenenfalls festgestellte Mängel kurzfristig beseitigt werden.

Im Fazit sei aber auch zu erkennen, so Hacker: "Das Kanalnetz, inklusive vor allem der in den letzten 20 bis 25 Jahren geschaffenen Regenrückhaltebecken, hat gut funktioniert."