10. April 1994, Waldsportplatz im Rödentaler Stadtteil Kipfendorf (Landkreis Coburg). Ein Sonntagnachmittag, die Sonne scheint. Die erste Halbzeit im B-Klassenderby zwischen dem gastgebenden FCK und dem FC Haarbrücken neigt sich dem Ende zu, als plötzlich der Libero der Heimelf während eines Laufduells auf Höhe des Strafraumes umfällt. "Ich dachte, Uwe wurde geschubst, doch er fiel einfach um. Er war tot!"

Augenzeuge Günter Schaller erinnert sich genau: "Wir haben uns sofort um ihn gekümmert, die Rettungssanitäter vom Roten Kreuz und der Notarzt waren auch schnell vor Ort. Sie haben lange versucht, ihn zu reanimieren." Doch jede Hilfe kam zu spät. Der 32-jährige Spielertrainer starb auf dem Fußballplatz. Todesursache Herzversagen.

Nicht so viel Glück wie Eriksen

Wich hatte damals nicht so viel Glück wie Christian Eriksen. Der dänische Nationalspieler fiel vor drei Wochen beim Europameisterschaftsspiel gegen Finnland kurz vor Ende der ersten Halbzeit auf dem Spielfeld um und kollabierte. Sofort waren Sanitäter zur Stelle und retteten mit Wiederbelebungsmaßnahmen sein Leben. 1994 gab es dagegen kein Happy End: Nach zwei hektischen Stunden auf dem Fußballplatz wurde Uwe Wich mit dem Leichenwagen weggefahren.Uwe Krett, damals Mitspieler und bester Freund des Verstorbenen, kümmerte sich während der verzweifelten Hilfsaktion um Wichs Freundin, die nach dem Zusammenbruch ihres Lebensgefährten informiert wurde und vom Dorf sofort zum Unfallort eilte. Dort herrschte blankes Entsetzen. Alle bangten und hofften. "Ja, es war schlimm, viele weinten und wurden getröstet", erzählt Schaller und nimmt seine dunkelblaue Kappe vom Kopf.

Gedenkstein erinnert an den Toten

Die dramatischen Stunden der Kipfendorfer Vereinsgeschichte erlebte Schaller als Vorsitzender. Mehr als 45 Jahre engagierte er sich in führenden Positionen für seinen Klub, ehe er vor zwei Jahren das Zepter an einen Jüngeren abgab.

Er sitzt nachdenklich auf einem kleinen Gedenkstein, nur einen Einwurf weit vom Sechzehnmeterraum entfernt. Also dort, wo sein Trainer damals zusammenbrach und starb. Erinnerungen sollen bleiben: "Uwe Wich - *21. 11. 61 - 10. 4. 94" steht auf dem vermoosten viereckigen Sandstein, den Schaller gemeinsam mit Mannschaftskollegen im Gedenken an Uwe Wich vor 27 Jahren am Sportplatz errichtete.

Zwei Defibrillatoren direkt vor Ort

Der erfahrene Funktionär befürchtet, dass sich ein ähnlicher Vorfall heutzutage in Kipfendorf oder auf irgendeinem anderen Sportplatz wieder genauso ereignen könnte. Zwar gäbe es in der Dorfmitte am Mehrzweckhaus seit letztem Jahr einen Defibrillator, "doch bis den im Ernstfall jemand holt, zum Sportplatz bringt und dann bei aller Hektik auch noch richtig anwendet, könnte es schon zu spät sein", glaubt Schaller. Nur einen Kilometer weiter in Rothenhof - mit dem dort ansässigen TSV bildet der FCK seit einigen Jahren eine Spielgemeinschaft - hängt noch ein weiterer "Defi" - und der kam erst vor ein paar Wochen zum Einsatz. Allerdings trotz emsiger Bemühungen ohne Erfolg. "Ein Feuerwehrmann starb plötzlich und völlig unerwartet", sagt Schaller.

Schulungskurse wegen Corona vergessen?

Er hofft, dass die von der Stadt Rödental letztes Jahr angekündigten, wegen Corona jedoch wahrscheinlich vernachlässigten Defi-Schulungen schon bald nachgeholt werden. "Das wäre meiner Meinung nach wichtig."