Unter dem Motto "Benefiz for Kids" stand am Sonntag der Konzertabend mit der oberfränkischen Austropop-Band "Ö-Drei", die sich als Gastmusiker Matthias Zapf dazugeholt hatte. Das Publikum im Kronacher Schützenhaus zeigte sich begeistert von vielen Evergreens "made in Austria".

"Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?", fragte die Austropop-Band "Ö-Drei" eingangs ihr Publikum. Am Sonntagabend musste man aber nicht zwangsläufig in die Hauptstadt fahren, um den österreichischen Schmäh erleben zu können. Über zwei Stunden lang präsentierte das Trio eine bunte Mischung beliebter Songs - tiefgründig oder humorvoll, laut oder leise; aber stets authentisch, ehrlich und echt!

"Ö-Drei", aus Liebe zur Austria-Musik entstanden, spielt alle großen Hits in einer intimen Unplugged-Formation mit Gitarre, Klavier und Percussion. Mehr braucht es auch nicht für großartige Musik mit Herz und Seele. Schon mit ihrem Bandnamen deuten die drei Vollblut-Musiker an, dass sie sich an den Hits bekannter österreichischer Interpreten ausrichten. Originalgetreu und trotzdem mit ganz eigener Note ließen die Kulmbacher Frank Hofmann (Gitarre) und Holger Höhn (Percussion und Gesang) sowie der Bayreuther Uli Strömsdörfer (Klavier) herrlich zeitlose Musik solcher Austropop-Größen wie Rainhard Fendrich, STS, Wolfgang Ambros, Georg Danzer oder Peter Cornelius erklingen.

Die Macken der Österreicher

Ihr musikalischer Reigen reichte dabei vom nachdenklich-melancholischen Lied bis zum "Mitmach"-Song. Herrliche Texte, natürlich durchwegs im österreichischen Dialekt, die die Liedermacher ihren Landsleuten auf den Leib geschrieben haben und mit denen sie deren "kleinen" Eigenheiten und Macken schildern: humorvoll, spitzzüngig, frech!

Immer wieder forderte Holger Höhn, der bereits mit den Musikern von Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich gespielt und mit Austria-Liederabenden mehrmals Stadthallen gefüllt hat, das jahrgangsmäßig bunt gemischte Publikum zum Mitsingen auf. Dieses erwies sich dann auch bei Gassenhauern wie "Macho, Macho", "Strada del Sole", "Wohin geht die Reise" oder "Gö du bleibst heut Nacht bei mir" durchaus textsicher. Die Besucher schwelgten bei "Großvater" in Erinnerungen und träumten sich bei "Irgendwann bleib i dann dort" oder "Reif für die Insel" weg vom Gehetze des Alltags und Leistungsdrucks in südliche Gefilde.

Schöne Momente innigen Berührtseins schenkten Lieder wie "Vü schöner is des Gfühl", "Mach die Augn zu" oder "Lass mi amoi di Sunn aufgeh sehn" - in Worte gefasste Poesie, so schön, so wahr und so berührend! Zurücklehnen und genießen bei einer Musik, die nicht nur ins Ohr, sondern auch unter die Haut geht.

Ganz neu im Programm ist das wunderbare "Langsam wachs ma zamm". Das melancholische "Große Dinge" von Georg Danzer hat das Trio erst seit wenigen Tagen im Repertoire. Das hoffnungsvolle "Wieder a Sommer" bezieht zum aktuellen Zeitgeschehen Stellung, "Der alte Wessely" gegen den Fremdenhass. Es geht aber auch um scheinbar banale Alltagssachen, über die man einfach nur schmunzeln kann, oder um Texte, bei denen man ganz genau hinhören muss. Es wäre schade um jedes Wort, das man nicht versteht.

Egal, ob spaßig oder gefühlvoll: In allen Songs, durchwegs mit Ohrwurmcharakter, erwiesen sich die Drei als versierte Musiker und Sänger, die den Kontakt mit dem Publikum lieben. Mit ihren schönen warmen Stimmen und der ungemein positiven Ausstrahlung ließen sie ihre Begeisterung für die Musik überspringen.

Ein Abend, der nachwirkt

Nach dem wohl schönsten Liebeslied von Rainhard Fendrich - "Herz wie a Bergwerk" - fand das musikalische Highlight mit der heimlichen Nationalhymne Österreichs "I am from Austria" sein Ende. Mit großem Beifall bedankten sich die Gäste für ein Konzert mit lang nachwirkender Musik, die man mit nach Hause nahm.

Eingestimmt hatte das Publikum der Sänger und Gitarrist Matthias Zapf aus Kronach. Nachdem der junge Musiker seit 1993 mit Unterbrechung immer wieder in Coverbands gespielt hat, ist er seit Ende 2019 solo unterwegs. Im Schützenhaus präsentierte er Coversongs von Bruce Springsteen ebenso wie handgemachte eigene Lieder. Mit seiner ausdrucksvollen Stimme und dem varianten Gitarrenspiel kam der Musiker sehr gut an. Ganz anders, aber außergewöhnlich schön war sein einziger in Deutsch dargebotener Song "Sternschnuppen in der Nacht".