Vier Männer lächeln in die Kamera und prosten sich mit Schampus zu. Ein Foto, das in den vergangenen Jahrzehnten kaum jemanden interessiert hätte und das in ähnlicher Form millionenfach im Netz kursiert. Anders im Corona-Jahr 2020. Denn die Männer tragen keine Maske und stehen Schulter an Schulter. Und: Einer davon ist der Oberbürgermeister der Stadt Bamberg, Andreas Starke (SPD) - der kurz zuvor den Alkoholausschank abends an Wochenenden in der Sandstraße untersagte.

Das Foto der privaten Eröffnungsfeier eines Schönheitssalons in der Königstraße hatte Stadtmarketingchef Klaus Stieringer Anfang August auf seinem Facebook-Kanal veröffentlicht. Wenig später tauchte noch ein Video auf, das Starke beim Handschlag mit einem türkischen Regierungsvertreter zeigt. Der Empörung in den sozialen Medien folgte inzwischen eine Anzeige.

Gestellt hat sie Manfred Bahmer (Name geändert). Ihm gehe es ums Prinzip. Und um die Vorbildfunktion des Stadtoberhaupts: "Wenn sich die Oberen, die Vorbilder, nicht dran halten, braucht man sich nicht wundern, wenn es andere auch nicht tun und die Infektionen wieder steigen." Auch Bahmer würde gerne wieder abends in die Sandstraße gehen und seine Freunde umarmen. Aber bis das wieder möglich sei, müssten sich eben alle an die Regeln halten - die er nicht infrage stellen wolle: "Ich bin gegen die Anti-Corona-Demonstrationen", sagt er. "Denn ich trage lieber jetzt eine Maske und habe dann möglichst bald wieder Ruhe."

Die Pressestelle der Stadt bestätigt eine vorliegende Anzeige gegen den Oberbürgermeister. Ob es auch zu einem Bußgeldbescheid kommt, müsse derzeit noch ermittelt werden. Insgesamt gab es bisher rund 500 Anzeigen wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz beim Bamberger Ordnungsamt, darunter etwa 250 Bußgeldbescheide zwischen 150 Euro und 5000 Euro (siehe Infokasten).

Zuständig ist im Fall Starke das Ordnungsamt der Stadt Bamberg - anders als etwa bei der Anzeige gegen den Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) vor einem Monat. Denn dieser hatte es auf einer offiziellen Veranstaltung an Abstand mangeln lassen, während es sich bei Starke um eine Privatveranstaltung handelte. "Die Zuständigkeit der Regierung von Oberfranken ist in diesem Fall nicht gegeben, da sich die Anzeige gegen ein mögliches Fehlverhalten des Oberbürgermeisters als Person richtet", erklärt ein Regierungssprecher auf Nachfrage. Für Ordnungswidrigkeitsverfahren seien die Kreisverwaltungsbehörden zuständig. Die Regierung von Oberfranken wisse über die Anzeige Bescheid und hat angegeben, dass sie "als kommunalrechtliche Fachaufsichtsbehörde das Verfahren begleiten" wird.

Starke selbst bedauere die Aktion und bitte die Bürger um Entschuldigung. Es habe sich um "eine emotionale Situation" gehandelt - wie er auch schon vor rund einem Monat erklärte. Im Inneren des neu eröffneten Salons habe er stets Maske getragen und diese nur für das Foto abgenommen. Sollte das Ordnungsamt ein Bußgeld verhängen, würde er den Bescheid nicht anfechten.