Nicole Julien-Mann

Was hat Teuschnitz, was sonst keiner hat? Jawoll - die Arnika. Deshalb nennt sich Teuschnitz "Arnikastadt" und setzt alles daran, ihrem Naturschatz Perspektiven für Bürger und Stadt abzugewinnen. Die Gründung der Arnika-Akademie und des Arnika-Vereins waren die ersten Schritte in diese Richtung. Doch nicht nur Hobbyköche oder Kräutergärtner finden dort interessante Weiterbildungsmöglichkeiten, auch wer sich auf professionelle Pfade in der Kräuterheilkunde begeben möchte, findet seit letztem Jahr das passende Angebot: Zusammen mit dem TEH-Verein Unken (Österreich) und der IHK für Oberfranken Bayreuth kann man sich zum zertifizierten TEH-Praktiker/in ausbilden lassen. TEH steht für Traditionelle Europäische Heilkunde.


Hoffen auf das Zertifikat

Für die ersten Absolventen wird es am kommenden Freitag ernst - die Prüfungen stehen an. 160 Stunden haben sie in zwölf Wochenenden investiert und sich in Pflanzenheilkunde, Anbau, Verarbeitung, Hygiene und Verpackung vertieft. Zum Teil in den Schulungsräumen, aber auch in der Schauküche oder draußen auf Wiesen und in Wäldern.
"Ich komme gerade aus dem Wald", sagt Carola Krüger aus Neuhaus-Schierschnitz, "das mache ich immer, wenn ich Spätschicht habe." Sie arbeitet als CNC-Programmiererin in Stockheim. Am nächsten Samstag, so hofft sie, bekommt sie ihr Zertifikat überreicht. Aus einer naturaffinen Familie stamme sie, ihr Vater und Bruder sind Jäger und schon als Kind habe sie viel Zeit im Wald verbracht. Später sammelte sie Pflanzen für Tee. "Durch die Ausbildung weiß ich, wie viel ich falsch gemacht habe", sagt sie. Besonders beim Trocknen und der Zusammenstellung der Kräuter und beim Trocknen. Ein ganz neues Gebiet habe sich für sie erschlossen, nämlich die Jagdheilkunde. Dieses Wissen sei seit mehreren Generationen verloren gegangen, erst jetzt habe sie jemand gefunden, der dieses Schatzkistlein noch hütet. "Beim Wildschwein wird in der Regel nur das Fleisch verbraucht", erklärt sie, " dabei kann man mit dem wertvollen Fett Seife oder Salben machen, die in Kombination mit den richtigen Kräutern heilsame Wirkung entfalten." Und das erlegte Tier wird ganzheitlich genutzt.
Auch Christina Zehnter aus Neukenroth hat die Ausbildung absolviert. "Ich bin schon Kräuterpädagogin und hab bisher aber vor allem mit Wildkräutern im Essen gearbeitet", erklärt sie, "über deren Heilwirkung wusste ich bisher wenig." Doch ihre Kursteilnehmer waren darüber sehr interessiert. Jetzt ist sie froh, dass sie über fundiertes Wissen verfügt, das sie in ihr Kursprogramm einfließen lassen will.
Die Ausbildung dauert 160 Stunden, die in zwölf Module aufgeteilt sind, jeweils freitags und samstags. Die Kosten im unteren vierstelligen Bereich seien durchaus eine Investition. "Die hat sich auf jeden Fall gelohnt", meint Zehnter. Schließlich habe man hochkarätige Fachleute als Dozenten, auch aus der Region übrigens.
So rückte Barbara Detsch aus Haig mit dreien ihrer Köche an und vermittelte Fachwissen in traditioneller Küche. Das Gebiet der Phytotherapie deckte Apothekerin Claudia Latteier ab, die auch an der PTA-Schule in Kulmbach lehrt.


Multiple-Choice-Verfahren

Bis zum Freitag müssen sich die Kursteilnehmer durch ihren dicken Ordner "gefressen" haben. Die schriftliche Prüfung wird im Multiple-Choice-Verfahren abgehalten und dauert eine Stunde. Danach muss jeder eine 15-minütige Präsentation seiner Projektarbeit halten.
Am Samstag ist dann feierliche Übergabe der Zertifikate und dann ist alles vorbei. "Wenn ich daran denke, werde ich ganz traurig", gesteht Carola Krüger, "wir waren eine tolle Gemeinschaft aus ganz besonderen Menschen und wir haben uns gegenseitig so viel weiter gebracht."