Mit dem E-tron GT hat Audi seit Mai dieses Jahres ein aufregendes rein elektrisch angetriebenes Auto auf den Markt gebracht. Es ist ein Auto der Oberklasse, dessen unverbindlicher Verkaufspreis bei 99 800 Euro liegt, mit einer Motorleistung von 530 bis 646 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 245 bis 250 km/h. Und mitten im Audi e-tron GT befindet sich ein Autositz, der mit dem nachhaltigen Stoff "Kaskade" bezogen ist - eine Gemeinschaftsproduktion dreier oberfränkischer Firmen.

Das Garn, das zur Herstellung des Stoffes für den Sitzbezug benötigt wird, den die Firma Wilhelm Kneitz, Textilwerke, webt, wird aus produktionsbedingten Abfällen der Weberei im Recyclingkreislauf entwickelt. Die Neuenmarkter Firma RVN Faserproduktion gewinnt aus diesen Geweberesten Fasern, die in der Spinnerei Neuhof GmbH & Co. KG aus Hof zu neuem Garn versponnen werden. Der Gedanke der Nachhaltigkeit wird bei der Herstellung von Stoffen bei der Wilhelm Kneitz AG in Wirsberg intensiv verfolgt.

Lange Entwicklungsphase

Gemeinsam wurde das Produkt dieser Tage der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit dabei waren die Geschäftsführer, Macher, Designer und Entwickler der drei oberfränkischen Firmen, die gemeinsam seit mehr als fünf Jahren an der Entwicklung des Garns und des Stoffes gearbeitet haben. Die Vorstandsvorsitzende der Wilhelm Kneitz AG, Sibylla Naumann: "Die Idee, aus unseren Stoff- und Kantenabfällen ein neues Garn zu entwickeln, entstand bereits 2016. Danach sind wir in die Umsetzungsphase eingestiegen." Mit der RVN, einem Recyclingbetrieb aus dem benachbarten Neuenmarkt, wurde ein Unternehmen gefunden, das die Stoffreste aufreißen kann. Die Spinnerei Neuhof GmbH & Co. KG aus Hof war anschließend in der Lage, diese gewonnenen Fasern wieder zu einem hochwertigen Garn zu verspinnen.

Der Entwicklungsprozess hat doch längere Zeit in Anspruch genommen, als ursprünglich gedacht. Wie Vorstandsvorsitzende Sibylla Naumann erklärte, sind viele Entwicklungsschritte durchgeführt worden: "Weil die Automobilindustrie höchste Qualitätsansprüche hat und eine hohe Funktionalität von uns benötigt, um den Sitzbezug in die Serienmodelle zu bringen."

Was das Thema der Nachhaltigkeit angeht, ist der Gedanke bei der Wilhelm Kneitz AG schon lange in den Köpfen, wie Vorstandsvorsitzende Sibylla Naumann betonte: "Der Stoffbezug ,Kaskade‘ erfüllt alle optischen und technischen Ansprüche und ist als Serienstoff bei Audi, unserem größten und wichtigsten Kunden, auf diese Reise gegangen."

Horst Wehner vom Qualitätsmanagement Garne erinnerte an den Ursprung der Idee, einen Stoff aus nachhaltigen Rohstoffen herzustellen: "Ich schlug vor, unsere produktionsbedingten Gewebe-Abfälle zu nehmen. Hier sind die Garne qualitativ so gut, dass zum Beispiel die Lichtechtheit Bestand hat. So fing alles an. Es waren viele, viele Versuche notwendig, um Fasern in entsprechender Länge und Auflösung in die Spinnerei nach Hof liefern zu können."

Nicht nur qualitative Kriterien

Dort gingen die Herausforderungen weiter. Es ging um die Fragen des Mischungsverhältnisses, wie die Fasern aus den Resten verarbeitet werden können, und um den optimalen Spinnprozess. Ziel ist es, die gewünschte Farbe zu erlangen und die qualitativen und wirtschaftlichen Kriterien zu erreichen.

Erklärtes Ziel war auch, das Projekt mit weiteren Partnern aus der Region umzusetzen. Einer der Partner war RVN Faserproduktion GmbH in Neuenmarkt. Geschäftsführer Bernd Witzgall: "Wir fanden die Idee der kurzen Wege sehr interessant. Ich denke, dass die Zusammenarbeit der drei Partner hier ein Leuchtturmprojekt ist und zeigt, dass Firmen in der Region Nordoberfranken zusammenarbeiten, die wirklich ihr Handwerk verstehen und die Nachhaltigkeit auch direkt an den Endkunden bringen können."